Derzeitig müssen sich drei Männer vor dem Hildesheimer Landgericht wegen Millionenbetrugs mit Flüchtlingsheimen in Niedersachsen verantworten.

Es handelt sich bei den Angeklagten um den Fachbereichsleiter und Ansprechpartner für Flüchtlingsunterkünfte einer Tochterfirma des Arbeiter-Samariter-Bundes in Hannover sowie um den Betreiber einer Sicherheitsfirma und um dessen Berater.

Bereits drei Verurteilungen

Ende 2019 wurden in diesem Betrugsfall bereits der 47-jährige Geschäftsführer einer Tochterfirma des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) und ein weiterer ASB-Mitarbeiter zu Haftstrafen verurteilt. Auch die Ehefrau von einem der Täter ist in den Betrug involviert: Sie wurde wegen leichtfertiger Geldwäsche schuldig gesprochen.

Ausnutzen des Behördenvorgehens in der Flüchtlingskrise

Der ASB hat seit 2015 für das Land Niedersachsen Flüchtlingsunterkünfte betrieben. Rechnungen von Hilfsorganisationen wurden wegen des massiven Zustroms an Migranten damals zunächst sofort bezahlt und erst im Nachhinein genauer überprüft. Das haben die fünf Männer ausgenutzt – und mehr als 10 Millionen Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet.

So soll der ASB-Geschäftsführer mit seinen Mittätern in zehn Fällen Scheinrechnungen über nicht erbrachte Bewachungsdienstleistungen von Flüchtlingsheimen ausgestellt haben. Das niedersächsische Innenministerium hat dabei gefälschte Rechnungen über 3,4 Millionen Euro bezahlt.
Außerdem sollen die Beschuldigten weitere 6,7 Millionen Euro, die berechtigterweise in Rechnung gestellt worden waren, auf Privatkonten umgeleitet haben.

Buchprüfungen erweckten Verdacht

Der Betrug ist bei der Buchhaltungsprüfung der Sicherheitsfirma in Rehburg-Loccum in Nienburg aufgeflogen. Zudem meldeten Banken den Verdacht auf Geldwäsche, weil Millionensummen zwischen verschiedenen Konten hin und hergeschoben worden waren. In einem Fall soll sogar eine Abhebung von 1,3 Millionen Euro in bar getätigt worden sein.

3,6 Millonen Euro in den Libanon transferiert

Von den Beschuldigten wurden unter anderem fünf Immobilien und fünf Autos beschlagnahmt. 1,2 Millionen Euro sollen zur Gründung einer Krankentransportfirma genutzt worden sein, die zwischenzeitlich Insolvenz anmeldete.
Der ehemalige Geschäftsführer soll außerdem 3,6 Millionen des gestohlenen Geldes auf das Konto einer Firma im Libanon überwiesen haben. Medienberichten zufolge liegen dort auch seine familiären Wurzeln.