Die Oberösterreicherin Daniela Meerle Schagerl wandte sich an den WOCHENBLICK. Die diplomierte Krankenschwester berichtete uns von einem regelrechten Martyrium, das sie nach einem Kreislaufkollaps mit eingehender Nasen-Verletzung im Krankenhaus aufgrund der Corona-Maßnahmen durchlebt habe und bat uns, ihre Geschichte zu erzählen. Das Krankenhaus dementiert: „Können Beschwerde nicht nachvollziehen.“

Von Bernadette Conrads

Am 5. Februar erlitt Frau Schagerl gegen 4.00 Uhr früh zuhause einen Kreislaufkollaps: „Ich wurde ohnmächtig und wachte in einer Blutlache auf. Ich konnte mich an nichts erinnern, nur dass mir schwindlig war und ich deswegen ein Glas Wasser geholt habe.“ Als sie ihre Orientierung wiederfand, musste Frau Schagerl feststellen, woher das Blut stammte. Sie hatte sich zu allem Überdruss die Nase aufgeschlagen. Frau Schagerl beschreibt ihren Zustand: „Ich blutete nach wie vor aus der Nase. Mir war schwindelig und hatte innerliches Zittern.“

Diese Blutlache fand die verletzte Krankenschwester vor

Sie wartete gefühlte Stunden

Gegen 5.00 Uhr früh rief sie also die Rettung und schilderte was passiert ist. Dann wurde Frau Schagerl dazu angeleitet, auf den anonymen Rückruf einer Ärztin zu warten, der sie in den nächsten Minuten erreichen sollte, schilderte die diplomierte Krankenschwester gegenüber WOCHENBLICK. Letztendlich musste Frau Schagerl 30 Minuten auf den Rückruf warten, für die verletzte Frau waren es jedoch gefühlt mehrere Stunden, die sie hinwartete. Dann musste sie der Ärztin glaubhaft machen, dass sie es nicht alleine ins Spital schaffe. 

Aufgeschlagene Nase, Schwindel: Trotzdem FFP2-Maske?

Um 6.00 Uhr wurde Frau Schagerl dann von zwei Rettungssanitätern abgeholt. Obwohl ihr schwindlig gewesen sei, wurde sie dazu angewiesen, eigenständig die zwei Stockwerke nach unten zum Rettungsauto zu gehen und dabei eine FFP2-Maske zu tragen. Doch sie verweigerte dies: „Ich hatte eine komplett aufgeschlagene Nase und mein Nasenrücken war geschwollen. Dabei blutete ich noch leicht aus der Nase.“, schilderte die diplomierte Krankenschwester gegenüber WOCHENBLICK.

„Warum haben Sie Ihre Maske nicht auf?“

Während der Fahrt ins Krankenhaus wurde der angeschlagenen Frau Schagerl auch noch furchtbar übel: „Ich bekam ein ‚Sackerl‘, aber ich sollte die Maske trotzdem oben lassen. Ich verweigerte wieder.“ In der Notfall-Ambulanz der Krankenhauses wurde Frau Schagerl sofort von einem „blutjungen Sekundararzt“ gefragt: „Warum haben Sie Ihre Maske nicht auf?“. Frau Schagerl, die – nun in einer Nische der Notfall-Ambulanz zwischengelagert – immer noch mit blutender, aufgeschlagener Nase dasaß, erwiderte, dass ihre Nase stark schmerze und ihr außerdem schlecht sei von der Autofahrt.

FFP2-Maske mit gebrochener Nase zu schmerzhaft

Die Erwiderung schien dem Arzt einzuleuchten und so wurde Frau Schagerl daraufhin geröntgt, wobei ein offener Nasenbeinbruch festgestellt worden sei. Die Oberösterreicherin wurde dann auf dem Nasenrücken ‚getapet‘. Frau Schagerl bat daraufhin um eine Begutachtung auf der HNO-Station. Aufgrund der Verletzung wollte die diplomierte Krankenschwester dort eine FFP2-Maskenfreistellung erreichen. Grundsätzlich sei sie es gewohnt, eine FFP2-Maske zu tragen, trägt sie sie doch täglich acht bis zehn in ihrem Beruf. Doch mit dem geschwollenen Nasenrücken und den einhergehenden Schmerzen konnte sie es sich für die nächste Zeit nicht vorstellen, den einschneidenden Metallbügel des nunmehr vorgeschriebenen Maskentyps auf ihre geschwollenen, gebrochenen Nasenrücken zu schnallen.

Die gebrochene Nase wurde getapet:

Auf die HNO-Station kam Frau Schagerl nicht, sie wurde stattdessen – nun liegend – auf die „normale Aufnahmeambulanz“ transportiert. Immer noch verweigerte sie das Tragen der Maske, wieder wurde sie deswegen zurechtgewiesen, dieses Mal von einer Krankenschwester, die ihr gegenüber geäußert haben soll: „Stellen sie sich nicht so an, das ist Pflicht bei uns“.

„Das geht schon“

Frau Schagerl schildert, wie es dann weiterging: „Sie brachte mir eine normale OP-Maske, die keinen Metallbügel hat und meinte: ‚das geht dann schon‘. Sie legte mir die Maske an, und ich schob sie dann unters Kinn, denn ich spürte sofort, dass ich wieder Atemnot bekam, was ich ihr auch mitteilte. Mir wurde dann Blut abgenommen und ein EKG geschrieben, die ganze Zeit wurde ich immer wieder ermahnt, wegen der Maske, die ich immer wieder runternahm, weil ich spürte, ich bekomm schon wieder Schwindel. Ich sagte das auch immer wieder.“

Süffisanter Arzt: Sie bekommen sowieso keine Freistellung!

Zwei Stunden lang war Frau Schagerl nun ans EKG angehängt. Es war bereits 10.30 Uhr. Wieder bestand die diplomierte Krankenschwester auf eine HNO-Begutachtung. Daraufhin habe ihr der Arzt süffisant entgegnet: „Das ist nicht notwendig.“ Er habe mit seinen Kollegen telefoniert und sie bekäme ohnehin keine FFP2-Freistellung.

HNO-Überweisung nur auf Druck

Frau Schagerl entgegnete, dass sie selber diplomierte Krankenschwester sei und genau wisse, wie es sich anfühle, mehr als acht Stunden diese Maske zu tragen und drohte damit den Namen des Arztes zu notieren und juristische Schritte zu setzen, wenn er ihr die für sie wichtige Überweisung für die HNO verweigere. Das soll Wirkung gezeigt haben: „Nach wenigen Minuten hatte ich diese Überweisung in den Händen.“

Richtlinien mit Leuchtstift markiert

Auf der HNO-Station ging das ganze jedoch wieder von vorne los, wie Frau Schagerl schildert. Wieder wurde die diplomierte Krankenschwester zurechtgewiesen, wieder musste sie erklären, warum sie keine FFP2-Maske trägt. Eine junge Ärztin soll der mitgenommenen Frau Schagerl besonders renitent begegnet sein. Sie soll ihr auf einem Ausdruck der Krankenhausrichtlinien jene Stelle mit einem Leuchtstift markiert haben, auf der die FFP2-Maskenpflicht im Krankenhaus festgestellt wird.

Hier markierte die Ärztin die FFP2-Maskenpflicht mit Leuchtstift:

Keine Maske: Rauswurf angedroht

Dann sei Frau Schagerl von ihr angeherrscht worden: „Wenn Sie nicht sofort die Maske aufsetzen, müssen Sie das Krankenhaus verlassen! Sie werden so nicht behandelt!“, soll die Ärztin zur verletzten Krankenschwester gesagt haben. Darüber hinaus solle sie sich nicht so anstellen, so die Ärztin laut Meerle Schagerl, denn man bekomme doch genügend Luft durch die Maske. Es seien „ärgere Fälle hier“, die sich alle an die Vorschrift hielten, soll sie der Krankenschwester vermittelt haben. Sie erwiderte mit der Frage, ob die Ärztin denn wolle, dass sie ohnmächtig werde und forderte ein Gespräch mit deren vorgesetzten Oberarzt. Dieser kam dann auch und bat die erschöpfte Frau nun zumindest eine OP-Maske aufzusetzen. Sie zeigte ihm daraufhin ein Foto von der Blutlache, die Frau Schagerl nach ihrer Ohnmacht vorfand, um ihm zu erklären, dass sie viel Blut verloren hat. Er habe versucht sie zu beschwichtigen: Das Krankenhaus verlange das, der Oberarzt könne selber nicht aus. So trug Frau Schagerl die OP-Maske und musste dabei die ganze Zeit über mit Atemnot kämpfen, wie sie gegenüber dem WOCHENBLICK schilderte.

HNO: „Haben kein Formular dafür“

Als Frau Schagerl nun endlich ins Untersuchungszimmer kam, wurde ihr erklärt, dass sie in zehn Tagen noch einmal zur Kontrolle kommen solle. Als sie daraufhin die ersehnte Maskenbefreiung für die Zeit des Verheilens ihrer Nasenverletzung ansprach, wurde sie jedoch enttäuscht. Das entsprechende Formular zur FFP2-Maskenbefreiung gebe es im Krankenhaus nicht, das müsse der Hausarzt machen. Frau Schagerl ist sich hingegen sicher: „Ich weiß ganz genau, dass diese Befreiung mittlerweile nur ein Facharzt machen kann.“ Die Ärztin habe daraufhin süffisant nachgelegt, dass sie das nicht entscheiden könne.

Fühlte sich von anderen Krankenschwestern verhöhnt

Der Besuch der HNO-Station blieb Frau Schagerl besonders schlecht in Erinnerung, sie fühlte sich verhöhnt: „Das anwesende Personal tuschelte die ganze Zeit und ich merkte ganz stark, dass sie alle über mich lästerten. Ich sagte noch einmal, dass ich selber diplomierte Krankenschwester bin und acht bis zehn Stunden Dienste verrichte und ich genau weiß, wie anstrengend es ist, auch wenn man top gesund ist. Aber ich momentan, mit der Verletzung, einfach keine Maske tragen kann!

Darf trotz Arztbrief ohne FFP2-Maske nicht arbeiten

Letztlich erhielt Frau Schagerl die nicht locker ließ, auf ihren Druck hin, einen Arztbrief für die Hausärztin. Darin stand, dass sie eine Woche keine FFP2-Maske tragen muss. Doch Arbeiten darf die Krankenschwester, die im Behindertenbereich tätig ist, nun dennoch nicht: Ihr wurde von ihrem Arbeitgeber angeraten, sich entweder Krankschreiben zu lassen, oder unbezahlten Urlaub zu nehmen. Frau Schagerl wandte sich an die Patientenanwaltschaft und die Rechtsanwälte für Grundrechte. Denn die Krankenschwester will das alles nicht auf sich sitzen lassen und wieder für ihre Patienten da sein.

Krankenhaus: Können Beschwerde nicht nachvollziehen

WOCHENBLICK fragte beim Krankenhaus Wels nach. Dort distanzierte man sich von den Schilderungen Schagerls versicherte, dass die Patienten, wenn medizinisch etwas dagegen spreche, keine Maske tragen müssten. Frau Schagerl sei behandelt worden, man könne die Beschwerde seitens der Krankenhauses deswegen nicht wirklich nachvollziehen.