Spätestens bei der Stellung muss sich jeder junge Mann in Österreich fragen, ob und in welcher Weise er Verantwortung für die Heimat übernehmen will. Die Verwendung von Teiltauglichen im Militär- und Zivildienst könnte einerseits eine Möglichkeit darstellen, dass auch die Willigen, aber bisher Untauglichen, einen wertvollen Dienst für die Allgemeinheit leisten können.

Ein Kommentar von Hartwig Eder

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Tauglichkeitsbewertung ist oft willkürlicher Akt

Andererseits wird es für jene, die sich von dieser Pflicht drücken wollen, bedeutend schwieriger, eine Ausrede zu finden. Verwendet man Teiltaugliche primär in Versorgungsstellen wie Küche, Büros und Lager, so bleibt auch ein größerer Pool an voll einsatzfähigen Soldaten für die kämpfende Truppe übrig. Ein doppelter Gewinn für das Bundesheer. Bei der Verwendung von Teiltauglichen muss man trotzdem aufpassen, dass die vollumfängliche Einsatzfähigkeit des Heeres nicht gefährdet wird. Die Tauglichkeitsbewertung bei der Stellung an sich ist sowieso ein oftmals völlig willkürlicher Akt.

Tauglichkeit ist eine Willensfrage

Bei meiner eigenen Überprüfung vor etwa zehn Jahren wurde ich aufgrund einer Pollenallergie der sehr niedrigen Tauglichkeits-Stufe Vier (von Neun) zugeteilt. Auf meine Willensbekundung hin, dem Jägerbataillon zugeteilt zu werden, änderte die Ärztin kurzerhand die Stufe auf Sieben. Die Tauglichkeit ist, wenn man keine schwere körperliche oder geistige Beeinträchtigung hat, auch eine Willensfrage. Hier liegt wohl auch der Hund begraben – viele junge Menschen haben keinen Bezug mehr zu ihrem Heimatland sowie dessen Bevölkerung und somit auch keinen Willen, einen Dienst für diese zu tun.

So waren aus meinem ganzen eingerückten Vollkontingent damals nur zwei Soldaten – darunter ich – bereit, auch weiterhin als Milizsoldat zum Schutze Österreichs und seiner Bürger einen Dienst zu verrichten. Ich denke, wenn diese Willensfrage im großen Umfang geklärt werden könnte, dann würde sich die Tauglichkeitsfrage selbst erledigen…