Unlängst wurde in Frankfurt der Deutsche Buchpreis verliehen – und die Vorsitzende der Buchpreis-Jury trug ein T-Shirt, das Werbung für die linksextreme und in vielen Fällen auch politisch gewalttätige Antifa machte. Nachdem sich Bürger in sozialen Medien darüber aufregten, bemüßigte sich ein Journalist der „Welt“, ihr die Mauer zu machen.

Kommentar von Alfons Kluibenschädl

Einmal mehr muss dafür ein Comic-Held der Kindheit herhalten, denn eigentlich trägt dort Kult-Beagle Snoopy das Emblem auf einer Flagge. Angesichts dessen, dass es damit zwei Flaggen in einem Emblem in einer Flagge sind, durchaus etwas, das man künstlerisch als Abkupferung des Hollywood-Films „Inception“ bezeichnen könnte. Aber so weit geht Jan Küveler, der Chefkorrespondent im „Welt„-Feuilleton gar nicht, wenn er verteidigt, dass das umstrittene Hemd etwa auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen über 40 Sekunden lang ohne jede Einordnung zu sehen war. 

Das „antifaschistische Narrativ“ feiert fröhliche Urständ

Denn er verklärt das ganze zu einem „Radical chic“, das ganze wäre ja sowieso kein Problem. Er rät der Öffentlichkeit, „Pawlowsche Reflexe zu vermeiden“. Aus dem Hemd eine unzweideutige Sympathiebekundung abzuleiten, sei zumindest „krass uncool“. Da sei ja sogar „das piefigste Che-Guevara-Poster im Reihenhauskinderzimmer ironischer“. Und zu guter Letzt sei es ja ohnehin nicht Buchpreis-Jurysprecherin Hanna Engelmeier, die für die Antifa werbe, sondern Snoopy. Der sei ja gewiss ein „Antifaschist“ – und „wer wäre das nicht“. Man solle also „keine Schnappatmung kriegen, nicht über das hingehaltene Stöckchen springen“.

Man weiß dabei gar nicht, wo man anfangen soll – ein Anhaltspunkt wäre der Umstand, dass hier das Narrativ der Linksextremen gefahren würde: Nämlich, dass jeder, der gegen „Antifaschismus“ sei, zwingend ein „Faschist“ sein müsse. Tatsächlich organisieren sich unter dem Banner der „Antifa“ – die ihren Namen von paramilitärischen Gruppen im Vorfeld der Zwischenkriegs-KPD nimmt – heute fast ausschließlich autonome Zellen, die lieber zuerst zuschlagen und erst danach fragen. Ihre „Faschisten“ erfinden sie sich längst selber – gemeint ist in der Regel jeder, der eine andere Meinung hat.

Antifa-Verharmlosung auf schiefer Ebene

Sympathien für die Schlägertrupps des Establishments, halb so schlimm wie ein Bild eines kommunistischen Massenmörders im Kinderzimmer – eine Deutung, die nur dank einer durchwegs linksliberalen Hegemonie überhaupt möglich ist. Und da geht es nicht einmal darum, ob man die Aufregung selber für übertrieben hält. Meine Wenigkeit stößt sich etwa nicht daran, welche sinnlosen oder geschmacklosen Sprüche jemand auf seiner Kleidung trägt oder welche Liedtexte diesem gefallen.

Aber ich weiß gleichzeitig: Bei einem nur marginal nicht-linken Hemd hätte der tatsächliche „Pawlowsche Reflex“ des Mainstreams eingesetzt. In einer Zeit, in der liberale Ministerpräsidenten nicht mit Stimmen der AfD gewählt werden dürfen und ein Bundeswehroffizier wegen dreier Instagram-Likes im neurechten Spektrum und einem Vortrag bei einer schlagenden Verbindung zur unerwünschten Person wird, so sicher wie das Amen im Gebet. Daran ändert auch nichts, dass ein „Welt“-Kollege Küvelers im besagten Fall daraufhin eine dazu befragte TV-Expertin als Linksextremistin enttarnte.

Rechte Leiberl wurden bereits zum „Skandalon“

Zumindest in Österreich gäbe es sogar einen Präzedenzfall. Es musste selbst unter einer Mitte-Rechts-Regierung nach einer medialen Hetzjagd sondersgleichen ein Botschafts-Attaché abberufen werde – wegen eines Hemd-Motivs mit Landsknechten des 16. Jahrhunderts. Es stammte nämlich aus einem Merchandise-Laden, den Leute aus dem Dunstkreis der – im Gegensatz zu weiten Teilen der Antifa – programmatisch gewaltfreien Identitären betrieben.

Ein burschenschaftliches Motiv aus demselben Online-Shop machte man einem ehemaligen FPÖ-Mandatar Jahre nach dem Erwerb zum Vorwurf. Nun mag man von der genannten Gruppe halten, was man will und meinetwegen auch die Meinung vertreten, diplomatische oder parlamentarische Akteure im patriotischen Raum sollten sich nicht mit Produkten aus Quellen im unkontrollierbaren, manchmal streitbaren Vorfeld gemein machen. Aber es zeigt, dass mit zweierlei Maß gemessen wird.  

Linke Meute zerfleischt jeden Abweichler

Stellen wir uns nämlich vor, der Snoopy auf dem Leiberl trüge kein Antifa-Emblem mit sich umher, sondern eine gelbe Fahne mit einem Lambda. Es wäre im gegenwärtigen Meinungsklima absolut unvorstellbar, dass eine solche Person noch über einen renommierten Buchpreis entscheidet. Es würden sich wohl auch keine Journalisten einer angeblich konservativen Zeitung – und schon gar nicht eines linksliberalen Blattes – finden, die daraus ein „wohlfeiles Radical-Chic-Statement“ konstruieren oder es zu „Peanuts“ erklären würden. Zu allermindest würde man das Hemd im Fernsehen einordnen und das Interview mit bedrohlicher Musik unterlegen.

Wahrscheinlich würde sich eine wildgewordene Meute daran machen, dass die betreffende Person jegliche Anstellung und Werbeverträge verlöre, nie wieder irgendwo auftreten dürfte. Frühere Kollegen würden sich tränenreich distanzieren, die Person als „wirr“ bezeichnen. Irgendwelche Kolumnisten würden ihren Partnern raten, sich von jemandem, der mit angeblich rechtsradikalem Gedankengut kokettiere, zu trennen. Kurzum: Man würde jemanden wegen eines Hemdes mit Schimpf und Schand aus der Öffentlichkeit verjagen. Und diesen Umstand sollte man nie vergessen, wenn man das Recht von Jury-Mitgliedern verteidigt, linksextreme Shirts zu präsentieren.