Nachdem am Montag vergangener Woche im baden-württembergischen Ebersbach an der Vils ein 26-jähriger Imam mit pakistanischen Wurzeln auf offener Straße totgeprügelt worden war, hielt sich die öffentliche Aufregung darüber in Deutschland in engen Grenzen. Die üblichen, reflexhaften Spekulationen über einen rechtsextremen oder islamophoben Tathintergrund fanden zwar statt – aber sehr verhalten. Auch die Polizei hielt sich auffallend bedeckt und teilte lediglich mit, sie hätte die Fahndung nach „zwei Männern“ eingeleitet.

Deshalb – und weil auch auf jede Täterbeschreibung verzichtet wurde – hatten aufmerksame Beobachter schon früh vermutet, dass es sich wohl eher um eine Beziehungs- oder Milieutat aus dem Umfeld des Opfers als um einen fremdenfeindlichen Angriff handelte. Besonders absurd erschien vielen der Umstand, dass man nicht die Beschreibung der Täter sondern eine Personenbeschreibung der Zeugen veröffentlichte.

Deutscher Boulevard vermutete „rechten“ Tathintergrund

Führende deutsche Zeitungen wie „die Bild“ pflegten eifrig das Narrativ der bösen Rechtsradikalen, welche angeblich hinter jeder Ecke lauern: „Alles ist möglich, eine Beziehungstat, ein Racheakt. Oder ein rassistischer Mord. Allein die Vorstellung ist unerträglich.“ Ebenso interessant: Österreichische Medien griffen das Mordgeschehen bis heute nicht auf. Wohl, weil es keine Kopiervorlage von der deutschen Presseagentur gab, welche mit Sicherheit ab dem ersten Tag wusste, dass es sich eben nicht um eine fremdenfeindliche Tat handelte.

Imam galt unter Moslems als „liberal“

Das Mordopfer galt unter seinen Glaubensbrüdern als „liberaler, aufrichtiger, warmherziger und völlig friedlicher Mensch.“ Er kam 2012 als Flüchtling nach Deutschland, arbeitete nebenbei als Taxifahrer in Esslingen und abends als Pizzalieferant in Ebersbach. Jetzt, eine Woche später nach der brutalen Tat, steht fest: Wie die Staatsanwaltschaft Ulm mitteilte, wurden inzwischen der Bruder und die Lebenspartnerin des Getöteten unter dringendem Tatverdacht in Untersuchungshaft genommen. Mit ihr soll er einen vierjährigen Sohn und eine Tochter (6 Monate) haben. Die Frau war zunächst gegenüber der Polizei als Zeugin aufgetreten. Sie ließ sich in den Zeitungen mit der Aussage zitieren, dass einer der maskierten Angreifer eine auffällig große, weiße Nase gehabt hätte.

Möglicherweise ein „Ehrenmord“

Die (passdeutsche) Frau war mit dem Getöteten nach islamischem Recht verheiratet. Bei Hausdurchsuchungen bei ihr und dem pakistanischen Bruder des Imams wurden verschiedene Beweismittel sichergestellt, die den Verdacht gegen beide erhärteten. Das Motiv vermuten die Ermittler „im familiären Bereich“ – die im Behördendeutsch übliche Umschreibung für Straftaten aus Rache oder Kodexverletzungen im weitesten Sinne, etwa Ehrenmorde oder Ehrenstrafen. Auch religöse Gründe könnten eine Rolle gespielt haben.

Zivilgesellschaftliche Aktivisten im „Kampf gegen Rechts“ haben mit ihren Märchenerzählungen ein weiteres Mal Pech gehabt: Der Fall taugt leider nicht als Beweis für eine angeblich allgegenwärtige „rassistische“ oder „islamophobe“ Gewalt. Vielmehr handelte es sich um eine rein „innerpakistanische Familienangelegenheit“, für die die südwestdeutsche Provinz nur die malerische Kulisse bildete. (DM / Red.)