In der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober 2008 wurde Dr. Jörg Haider vermutlich Opfer eines Attentats. Das ergeben investigative Recherchen. Feinde hatte der Kärntner Landeshauptmann wahrlich genug: in der Innen- und Außenpolitik, in der Wirtschaft und bei den Banken.

Den ersten Teil dieser Reihe lesen Sie hier.

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• Die vielen Feinde des Jörg Haider.
• Feldzug gegen die „Altparteien“, die Banken und die EU.
• Geheime Informationen, die selbst für Haider zu „gefährlich“ waren.
• Die Realität politischer Morde.

von Guido Grandt

Die vielen „Feinde“ des Dr. Jörg Haider

Die Hintermänner, die in Haiders mysteriösen Tod involviert waren, veranlassten und ausführen ließen, stammen meinen Recherchen nach aus einem Netzwerk aus Politik, Wirtschaft und Geheimdiensten und Freimaurern. Auch wenn letztlich dafür die juristische Beweisbarkeit fehlt.

So hatte der Kärntner Landeshauptmann viele Gegner, manche sprechen von „Feinden“; ob im eigenen Land, in der Europäischen Union, in den USA oder in Israel, bei Banken und Logenbrüdern. Wie er es sich mit den zuletzt Genannten „verscherzte“ beschreibe ich ebenfalls in aller Ausführlichkeit in meinem Buch Mordkomplott Jörg Haider.

Jedes seiner Worte war ein Schlag gegen die Altparteien

Schon immer war es Haiders Anliegen gewesen, den verkrusteten rot-schwarzen „Koalitions-Proporz“ aus SPÖ und ÖVP zu brechen, der die politischen Wahrheiten über so viele Jahre hinweg gepachtet zu haben schien und Österreich als ihr „Beutestück“ ansah. Deshalb wollte Haider die Politik in der Alpenrepublik gründlich und radikal ändern. Ganz nach dem Motto: „So viel Freiheit wie möglich, so wenig Staat wie notwendig.“ Österreich würde von „Parteien beherrscht, deren Repräsentanten ihre politische Erfolglosigkeit durch Missbrauch der Macht und subtile wie brutale Unterdrückung auszugleichen versuchen.“

Jedes seiner Worte war wie ein Schlag in die erhabenen Gesichter der verwöhnten Altparteien, die sich die politische Macht im Lande aufgeteilt hatten. Haider war es schließlich auch, der ihre Privilegien aufdeckte und anprangerte und – vor allem – ihnen durch Wahlsiege Mandate in Gemeinden, Kammern, Land und Bund wegnahm.

Zudem forderte der Kärntner Landeshauptmann in einem seiner letzten Interviews etwas, was den meisten Politikern in den harten Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise überhaupt nicht ins Konzept passte: Einkommensstärkende Maßnahmen durch eine Steuersenkung. Haiders Intentionen gingen also auch parteiunabhängig soweit, das Beste für die Bürger während dieser Krisenzeiten zu erreichen.

In ganz Europa lagen die Nerven blank

Schon in seinem Buch Freiheit, die ich meine – Das Ende des Proporzstaates, Plädoyer für die Dritte Republik schrieb Jörg Haider 1993, was er von der (damaligen) europäischen Politik hielt:

„Die auf dem Boden der Aufklärung gewachsenen, für Europa prägenden Ideen und Gesellschaftssysteme sind überholt, am Ende oder überhaupt gescheitert. Das gilt für den Sozialismus ebenso wie für den Liberalismus in seiner heutigen Ausprägung … Es geht dabei immer wieder darum, einen Weg zu finden, die größtmöglichste Freiheit für alle Menschen zu garantieren und dafür zu sorgen, dass die Menschenwürde gewahrt bleibt.“

Und weiter: „Die klassischen Ideologien haben ausgedient. Der Versuch, perfekte Gesellschaftssysteme zu errichten und ideologische Dogmen durchzusetzen, ist nach den bitteren Erfahrungen der Geschichte des 20. Jahrhunderts gescheitert … Freiheit ist das einzige Regulativ, um totalitäre Ideen zu entschärfen. Deshalb ist es auch sinnvoller, einem System unvollendeter Freiheit zu vertrauen, als sich in einem System vollendeter Unfreiheit wieder zu finden.“

Und in Hinblick auf die damalige EG (Europäische Gemeinschaft als Vorgänger und einer der drei Säulen der Europäischen Union): „Ein Europa der Bürokraten und Konzerne will die Rechnung ohne die Bürger machen!“

Dekadent wie das alte Rom

Haider hatte nie einen Hehl daraus gemacht, was er von der „Freimaurerdominierten“ EU mit ihrer „zentralistischen Tendenz“ hielt, wie sie jetzt institutionalisiert ist, nämlich nicht viel. Sie sei „genauso unmoralisch und dekadent wie das alte Rom“.

Er lehnte einen „europäischen Zentralstaat“ ab, in der die Avantgarde regierte, strebte vielmehr ein „Europa der Bürger“ mit Mitbestimmungsrecht an. Zwar stellte er die EU prinzipiell nicht in Frage, wollte sie aber nicht „so“.

Ebenso unmissverständlich erklärte Jörg Haider am 14. September 2008, also zwei Wochen vor der Nationalratswahl, aus der er als Sieger hervorgehen sollte: „Ich bin für ein geeintes Europa, aber nicht unter der Diktatur der EU. Die EU wird in wenigen Jahren auseinanderbrechen.“

Und selbst noch drei Tage (!) vor seinem mysteriösen Tod, also am 8. Oktober 2008, machte er in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise deutlich: „Die vergangenen Tage haben gezeigt, dass die EU nicht in der Lage ist koordiniert vorzugehen und mit einer Stimme zu sprechen. Dies bestätigt einmal mehr die Kritik der österreichischen Bevölkerung an der EU.

Tabu: „Freiheit der Nation“

Haider forderte immer wieder das, was schon damals und gleich heutzutage ein absoluter politischer Tabubruch war und ist, nämlich „nationale Eigenständigkeit“, die „Freiheit der Nation“ bedeuten würde. Diese basiere jedoch nicht auf dem Gefühl ihrer „Überordnung“, sondern auf dem Gefühl ihrer „Zusammengehörigkeit“ mit den anderen.

Ein freies Volk könne nur aus freien Menschen bestehen. Ausdruck der menschlichen Freiheit sei die Demokratie. Darum würde wirkliche nationale Eigenständigkeit nur von einem demokratischen Rechtsstaat gesichert werden. Gedanken also, die nicht in das Konzept des EU-Establishments pass(t)en, mehr noch: sogar gefährlich für dieses war.

„Feindbild“ Banken

In einer Talkrunde mit anderen Politikern kurz vor seinem Tod wandte Haider sich massiv gegen die Banken. Denn er misstraute (vor allem den österreichischen), wie sie am „Gängelband der Macht“ lagen.

Damit sprach er in Zeiten von Misswirtschaft und Provisionsritterei sicher vielen Bürgern aus der Seele: „Was wir brauchen, ist der Schutz vor ruinösen Produkten, denn in Wirklichkeit sind die Banken eine riesige Mafia, die die ganze Welt vergiftet haben, mit diesen Produkten. Indem man von Amerika weg sozusagen alles transportiert hat und heute will keiner verantwortlich sein.“ Und: „Ausgetragen wird es wieder auf dem kleinen Mann, der wird Arbeitsplätze verlieren, der wird sein Einkommen verlieren. Die großen Herren sind sicherlich nicht gestraft. Das ist der Punkt … Alle sind dabei …“

Noch zwei Wochen vor seiner Ermordung erklärte Haider, dass eine konkret von ihm benannte Bankengruppe schon bald in größere Schwierigkeiten kommen könnte. Ihm würden gesicherte Informationen vorliegen, wonach „lukrierte Gelder“ aus dem Verkauf von Wohnbauforderungen „hochspekulativ“ angelegt worden seien und in der derzeitigen Bankenkrise „krachen“ könnten. Dabei spielte er offenbar auf einen Schaden von rund 300 Millionen Euro durch Spekulationsgeschäfte an.

Haiders „Konjunkturbelebungs-Plan“

Außerdem forderte Haider noch im Monat seines Todes etwas, was schlecht für die Banken war: eine europaweite Einführung der Spekulationssteuer auf Finanztransaktionen, die fünfundzwanzig Milliarden Euro Einnahmen für eine Konjunkturbelebung einbringen würde.

Doch alles kam anders. Drei Tage nach seinem Tod wurde bekannt, dass die österreichische Regierung Haftungen für die Banken von bis zu 85 Milliarden Euro bereitstellte (15 Milliarden Euro für Beteiligungen)! Also nichts anderes, als ein „Rettungsplan“ für die Banken, selbst wenn die Politik dies verneinte.

Haiders „geheime“ Informationen

Rund ein Jahr später erklärte Stefan Petzner, dass der Landeshauptmann von Kärnten über „hochbrisante“ Fakten zur Finanzkrise verfügt hätte. „Er wusste, das ist gefährlich, was er da besitzt“ und hätte als „erster und einziger Politiker Österreichs schon im September (2008) detaillierte Informationen über das Ausmaß der Banken- und Finanzkrise gehabt … Haider hat vor allen anderen gewusst, was da passieren wird. Und er hat gewusst, wie hochbrisant und explosiv diese Informationen sind.“

Petzner weiter: „Das sind Informationen, die im Zusammenhang mit riesigen international vernetzten Banken- und Finanzsystemen stehen. Da geht es um viele Milliarden und die wahren Mächtigen in der Welt, die an der Ostküste und sonst wo sitzen.“

Haider hatte demnach genau gewusst, „welche nationalen und internationalen Banken betroffen sind, welche Manager, welche Bosse – und vor allem auch welche Politiker – und wie viele Milliarden Steuergeld die verspekuliert hatten. Er kannte als einziger Politiker alle Details, die der Öffentlichkeit bis heute verschwiegen werden. Er wusste, welche Sprengkraft diese Informationen haben – das betrifft die mächtigsten Lobbys, die mächtigsten Finanzjongleure. Er hatte Informationen aus Kreisen der Hochfinanz.

Petzner hatte scheinbar die betreffenden Unterlagen gesehen und Haider wusste, „das ist gefährlich, was er da besitzt … Die Banken sind nacheinander zusammengekracht, die Börsenkurse abgestürzt und die Welt ist in die größte Wirtschaftskrise seit den Dreißigerjahren gestürzt.“ Und Haider kannte die Verantwortlichen dafür, ihre Machenschaften und ihre Hintergründe!

„Das ist mir zu gefährlich“

Petzner weiter: „Ich erinnerte mich daran, wie Haider und ich zur Elefantenrunde vor der Nationalratswahl fuhren. Haider hatte unmittelbar davor ein Dossier über eine Großbank erhalten, das angeblich milliardenschwere Malversationen (Betrug, Unterschlagung, Veruntreuung) belegte. Ich kannte das Dossier inhaltlich nicht, er hatte es mir aber gezeigt, und ich fragte ihn damals, ob er es für die Fernsehdiskussion verwenden wolle. ‚Das ist mir zu gefährlich‘, sagte er. Das Dossier tauchte nie mehr auf.“

Aufgrund der Gefährlichkeit und der Brisanz dieser Informationen schloss deshalb auch Stefan Petzner ein Fremdverschulden am Tod von Jörg Haider nicht aus.

Haiders „offener Krieg“ gegen die Banken

Vor seinem Tod kündigte Haider den Banken und ihren Managern sogar offen den Krieg an – und zwar in einem Maße, wie es wohl vor ihm noch kein anderer Politiker ausgesprochen und vor allem gewagt hatte:

Wer mit anvertrautem Geld leichtfertig umgeht, muss die Folgen spüren“, sagte er. „Wir brauchen eine stärkere Managementhaftung, eine Änderung des Strafrechts und einen Sondergerichtshof für Wirtschaftsdelikte. Manager, die über die Grenzen gehen, müssen mit ihrem Vermögen haften. Die sind ja nicht arm, die haben gigantisch verdient.“

Und ergänzend: „Auch ist die strafrechtliche Verantwortung klarzustellen, dann müssen sie eingesperrt werden. Bei verdorbenen Lebensmitteln wird eingegriffen, bei Finanzprodukten gibt es aber keine Hilfe. Der bestehende Konsumentenschutz ist ein Sozialpartnerverein, wo keiner dem anderen weh tut. Das gehört geändert.

Sondergerichtshof für Wirtschaftsdelikte

Haider forderte also etwas, was bis dahin undenkbar war, aber während der Finanzkrise wohl vielen Menschen aus dem Herzen sprach: Kriminelle Banker, „Großzocker“ (und andere Manager), die mit dem Geld der Bürger fahrlässig und unzumutbar hantiert, also auf Kosten der Allgemeinheit Milliarden verspekuliert hatten, sollten sich vor einem Sondergerichtshof für Wirtschaftsdelikte verantworten. Mehr noch: Bei einer strafrechtlichen Verantwortung auch hinter Gitter gebracht werden!

Damit legte sich Jörg Haider mit der mächtigsten Klientel Österreichs an, die wohl alles tun musste, um zu verhindern, dass dieser Mann an die Macht kam.

Politische Morde sind real

Letztlich geht es für das politische und wirtschaftliche Establishment immer um zwei Dinge: um Geld und Wählerstimmen. Geld, um ihre eigene Machtansprüche zu zementieren; Wählerstimmen, um an diese Macht überhaupt erst zu kommen.

Der emeritierte Professor und Politikwissenschaftler Wilhelm Hennis erklärte einmal dazu: „Wer verstehen will, warum unsere Parteien so maßlos geldgierig geworden sind, muss verstehen, dass sie einen täglichen Krieg führen – alle, ohne jeden Unterschied, gegen uns, die Menschen draußen im Lande. Jeden Einzelnen möchte man einfangen, damit er da sein Kreuz hinsetzt, wo es hingehört. Nur in der Skrupellosigkeit der Mittelbeschaffung zur Auffüllung der Kriegskasse unterscheiden sich unsere Parteien allenfalls noch ein wenig. In diesem Krieg hat es schon Tote gegeben: Jürgen Möllemann und Uwe Barschel auf jeden Fall.“

Ich zähle dazu auch den Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider! Folgerichtig schrieb ich an anderer Stelle: „Wir müssen endlich verstehen, dass Sicherheitsbehörden nicht dazu da sind, uns vor irgendeiner Gefahr zu schützen, sondern ausschließlich die Regierung, die Macht-Elite eines jeweiligen Landes. Die ‚unbekannten grauen Herren‘, wie sich Prinzessin Diana einmal ausdrückte, hatten meines Erachtens auch am 11. Oktober 2008 zugeschlagen: auf der Loiblpass-Bundesstraße in der Ortschaft Lambichl nur wenige Fahrminuten von der Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt entfernt. Dieses Mal war das Opfer jedoch nicht eine junge walisische Prinzessin, die dem Establishment gefährlich geworden war, sondern ein Kärntner Landeshauptmann, der sich nach seinem fulminanten Wahlerfolg anschickte, nicht nur Österreich, sondern ganz Europa aus den Angeln zu heben. Denn er wollte nichts weniger, als die alte politische Ordnung beseitigen. Stattdessen jedoch wurde er selbst beseitigt!“

Das Buch von Guido Grandt: „Mordkomplott Jörg Haider: Fakten & Vertuschungen zum Attentat auf Europas erfolgreichsten Populisten“ finden Sie hier oder hier.

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