Friedlich trafen immer mehr Christen verschiedenster Herkunft und Altersgruppen ein, um durch das gemeinsame Singen von Weihnachtsliedern ihren Protest auszudrücken.

Viele Menschen verbinden mit dem ersten Adventsonntag den Beginn einer besinnlichen Zeit. Dass dabei ausgerechnet die Rufe eines islamischen Muezzins aus einer Kapelle dringen, hat viele „Wochenblick“-Leser verstört.

Die Premiere verlief vielleicht nicht ganz so, wie sich die im Offenen Kulturzentrum („OK“) gastierenden Künstler Klaus Hollinetz und Werner Puntigam das vorgestellt hatten…

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Weihnachtslieder als Protest

Friedlich trafen immer mehr Christen verschiedenster Herkunft und Altersgruppen ein, um durch das gemeinsame Singen von Weihnachtsliedern ihren Protest auszudrücken. Dabei handelte es sich um keine geplante Aktion, wie die 17-jährige Johanna (Name von der Redaktion geändert), eine der Teilnehmerinnen, versichert. Sie hatte sich spontan entschieden, mit Freunden und Familie hierher zu kommen. Vor Ort traf man überraschend auf Gruppen Gleichgesinnter. Die wenigen Passanten, die sich um diese bereits dunkle Stunde auf den OK Platz verirrten, lauschten den vertrauten Klängen des Weihnachtschors – die Rufe des Muezzins verhallten weitgehend ungehört.

Die Kunstinstallation „Adhina“ findet in der Marienkapelle des Offenen Kulturzentrums statt, welches vom Land Oberösterreich betrieben wird. In der profanierten (entweihten) Kapelle, die im Eigentum des OK steht, werden Filmaufnahmen aus islamischen Ländern auf eine Leinwand projiziert, dazu hört man die vor Ort aufgezeichneten Geräuschkulissen – die islamischen Gebetsrufe.

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Die provokanten Muezzin-Gesänge hatten für viel Wirbel in Linz gesorgt!

Viel Gegenwind für Künstler

Die Künstler, welche die Aktion täglich persönlich begleiten, haben keinen leichten Stand. Schon am ersten Tag musste Werner Puntigam neben Beleidigungen und Anfeindungen auch durchaus sachliche Kritik einstecken, zeigte sich aber gegenüber allen Besuchern ruhig und diskussionsbereit. Diese rekrutierten sich vor allem aus den Gegendemonstranten, ansonsten war kaum Publikum wahrzunehmen.

„Wenn Adhina für das Zuhören steht, wie sie sagen, warum versteht man dann nicht, was da vom Minarett gerufen wird“, fragt eine ältere Christin. Ein aufgebrachter Herr Mitte 50 konfrontiert den Künstler mit der bitteren Realität: „Vor wenigen Tagen habe ich die Leiche eines mir bekannten Mannes in Tansania gesehen, dem Boko Haram mit der Machete den Kopf abgeschlagen hat, weil er Christ war. Haben Sie schon einmal so etwas gesehen?“

„Das ist eine Provokation“

Das ist eine Provokation, das wollen wir hier nicht!“, war der wohl am häufigsten zu hörende Satz. Provozieren will Puntigam nach eigenen Aussagen nicht. Er nahm sich für unseren Reporter viel Zeit, um seine Sicht der Dinge zu erklären („Wochenblick“ bringt das ganze Interview in einem gesonderten Artikel).

Man wolle Verständnis stärken

Die Kapelle wäre für die Kunstinstallation der am besten geeignete Ort in Linz, vor allem räumlich und wegen der Akustik. Man wolle damit das Verständnis zwischen Christen und Muslimen verbessern, wo es gegenseitige Respektprobleme gäbe. Man suche den Dialog mit den Besuchern und hoffe auch auf muslimische Besucher. Jedenfalls wäre das Projekt sowohl mit muslimischen Gemeinden als auch der Diözese abgestimmt worden und hätte von dort Zuspruch erhalten.

Adventzeit wurde extra ausgewählt

Auf die Frage, ob man ein solches Projekt auch in einer Moschee durchführen könne, wo man christliche Lieder abspielt, antwortet Puntigam, dass er sich das sehr gut vorstellen könne. Idealerweise würden sich Muslime mit Kirchenglocken oder Blasmusik auseinandersetzen und ein solches Projekt verwirklichen.

Das müsse auch in Linz möglich sein. Der Advent wurde als Veranstaltungszeitraum ausgewählt, weil Christen – die Künstler betonen ihren christlichen Hintergrund – sich in dieser Zeit damit beschäftigen würden, mit ihren Mitmenschen gut auszukommen und sich um Frieden bemühen.

In jedem Fall würde man sich aber von radikalen, gewalttätigen Islamismus distanzieren, den man vom Islam unterscheiden müsse.

Für viele ist es reine Provokation

Die siebzehnjährige Johanna ist eine von etwa drei Dutzend Menschen, von denen viele einen Migrationshintergrund in verschiedenen Teilen der Welt haben. Die überzeugte Christin empfindet das Kunstprojekt des OK als Provokation gegenüber Christen. Dass ihr Protest so sympathisch und friedlich ist, liegt daran, dass Weihnachten das Fest der Liebe ist und man diese Liebe der Christen lebt und zeigen will. Keinesfalls will man die „Störaktion“ als Hass verstanden wissen, gegen Muslime habe man nichts.

Angesichts des weltweiten Leids verfolgter Christen, die in ihren Ländern nicht einmal Weihnachten feiern dürfen und für ihren Glauben verstümmelt, gefoltert und ermordet werden, wäre die Kunstaktion respektlos. Sie habe zuerst an einen schlechten Scherz gedacht, später befürchtet, dass man das Deckmäntelchen „Kunst“ vorschiebt, um Kritik zu verhindern. Den Künstlern möchte sie ein Buch über das Schicksal verfolgter Christen schenken. Wenn sie es gelesen haben, mögen sie ihr ins Gesicht sagen, dass der Islam tatsächlich so friedlich wäre.

Weitere Aktionen geplant

Johanna, ihre Familie und auch viele andere der Gegendemonstranten wollen ihren Protest auch weiterhin ausdrücken. Für den kommenden Sonntag um 17:00 Uhr ist eine angemeldete Demonstration geplant. Die Rufe des Muezzins sind jedenfalls noch bis zum 23. Dezember täglich ab ca. 17.30 für jeweils eine Stunde aus der Marienkapelle zu hören.