„Als ich hier einzog, vor 33 Jahren, war das noch eine schöne Wohnanlage“, sagt die ehemalige Kellnerin Evelyne Polat (73) aus Leonding und seufzt: „Nun aber habe ich das Gefühl, auf einer Mülldeponie zu leben – ein unerträglicher Zustand.“

Von Kurt Guggenbichler

Schuld daran sind die Säcke mit stinkendem Abfall, die sich seit etwa sieben Jahren Woche für Woche nicht in, sondern neben den Mülltonnen im Müllraum und auch vorm Haus stapeln. „Die meisten Leute sind einfach zu faul, diese in den Behälter zu werfen“, sagt Polat, was auch ihr Haus-Mitbewohner Laza Poirovic bestätigt.

Mit Evelyne, die im Erdgeschoß des siebenstöckigen Wohnturms am Larnhauserweg in Leonding/Gaumberg zu Hause ist, hat er dort eine Zeit lang den herumliegenden Müll aufgeräumt und ordentlich in den Containern entsorgt, in der Hoffnung, dass ihr Beispiel Schule machen würde.

Aufräumen sinnlos

„Irgendwann haben wir es dann aufgegeben“, räsonieren die beiden über ihre Sisyphusarbeit. Denn kaum war der Bereich rund um die Mülltonne freigeräumt, flogen auch schon die nächsten Abfallsäcke herbei.

Es sei sinnlos, meint Poirovic resignierend. Er lebt im sechsten Stock des Gebäudes, in dem es insgesamt 52 Unterkünfte gibt. Ein Blick aufs Klingelbrett neben der Haustür zeigt, dass nur noch in neun Wohneinheiten Menschen mit deutschen Namen zu Hause sind. Der Rest scheint von überallher gekommen zu sein.

Die tatsächliche Zahl der Menschen, die in diesem Multi-Kulti-Wohnturm ein Dach über dem Kopf gefunden haben, können die beiden Ur-Bewohner nicht nennen. Nach dem Müllaufkommen zu schließen, müssen es eine Menge Leute sein. Aufatmen können Poirovic und Polat nur montags ein wenig, nach der obligaten Abholung der Müllberge.

Doch das Durchatmen währt meist nicht sehr lang, denn der alte vermüllte Zustand stellt sich rasch wieder ein. Zusätzlich zum normalen Abfall wird auch noch der Sperrmüll am Haus gelagert. Oft wird dieser auch im Radl- und Kinderwagen-Abstellraum im Erdgeschoß entsorgt.

Wenig Hoffnung

Schön sei dies alles nicht, finden die beiden ordnungsliebenden Hausbewohner, doch außer ihnen scheint das Problem keinen zu interessieren. Dem Hausbesitzer, der LAWOG, hätte man schon beizeiten darüber Bescheid gesagt, freilich ohne Ergebnis.

Auch die Leondinger Bürgermeisterin, die per SMS über das Problem informiert worden sei, hätte sich bislang nicht gerührt. Viel Hoffnung, dass sich in punkto Sauberkeit vor ihrem Haus grundlegend etwas ändern könnte, scheinen die beiden nicht mehr zu haben.
Zum Abschied meiner Nachschau zeigt mir Evelyne noch die vielen Tschick-Stummel, die vor ihrem Erdgeschoßbalkon am Boden liegen.

Aschenbecher scheint man in dieser Wohnanlage nicht zu kennen. Ist die Zigarette ausgeraucht, wird sie einfach aus dem Fenster geworfen. Für manche scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis dort auch mit den Müllsäcken so verfahren wird. Fenster auf und raus den Dreck. Oder in den Kellerraum – nur aus dem Blickfeld und weg!