Sajid Javid hat als neuer Innenminister vor den Migranten mehr Verständnis entgegen zu bringen.

Großbritannien hat nun zwei einflussreiche Regierungs-Politiker, beide Muslime mit pakistanischen Wurzeln. Den Londoner Bürgermeister, Sadiq Khan, (Labour, Sozialist) und den erst kürzlich ins Amt beförderten Innenminister, Sajid Javid (Tory, konservativ).

Von Kornelia Kirchweger

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Innenminister: mehr Mitgefühl mit Migranten

Beide stammen aus Zuwandererfamilien, verstehen daher die Lage von Migranten im Land sehr gut und haben ein offenes Ohr für deren Anliegen.

Der neue Innenminister will Migranten gegenüber künftig mehr Milde entgegenbringen als Premierministerin Theresa May. Das forderten kürzlich auch 20 migrationsfreundliche NGOs von ihm. Er solle auch die Familienzusammenführung erleichtern und die viel zu lange Anhaltung von Asylwerbern in Zentren auf maximal 28 Tage beschränken.

Linke kritisieren May

Konservative Kreise sagen dem Innenminister Ambitionen auf das Regierungsamt nach, das zurzeit noch Theresa May innehat. Ihr bläst ein scharfer Wind entgegen: Wegen ihrer verschärften Gangart gegen (illegale) Migration musste sie kürzlich ihre Innenministerin Amber Rudd entlassen.

Das brachte Sajid Javid ins Amt. Dazu kommen die mühsamen Verhandlungen zum Brexit. Den wollten die Briten vor allem wegen der massiven Zuwanderung. Rund 5 Millionen Menschen kamen in den letzten 10 Jahren ins Land.

Wegen „Diskriminierung“: Muslime attackieren britische Premierministerin
Theresa Mays scharfer Migrations-Kurs in der Innenpolitik wurde oftmals kritisiert.

Weit über eine Million Illegale im Land

Dazu sind weit über eine Million illegal zugewandert. Die Behörden sehen kaum eine Möglichkeit, sie aufzuspüren, geschweige denn außer Landes zu bringen. Mittlerweile zahlt man freiwilligen Rückkehrern 2.000 Pfund (rund 2.300 Euro).

Der britische Think-Tank Civitas schätzt, dass jährlich 150.000 Menschen illegal nach Großbritannien kommen. Sie werden etwa von Gangs mit privaten Flugzeugen über die 3.000 kleinen Landebahnen ins Land geholt, wo es kaum Kontrollen gibt. Tausende andere kommen mit Booten und Schlauchbooten über 950 kleine und größere Häfen und Marinas.

Menschenschmuggler „verfrachten“ Migranten gegen hohe „Transportgebühren“ sogar in Kühlwägen. Viele versuchen über Belgien durch den Eurotunnel an ihr Ziel zu gelangen. Sie entern oder stehlen LKWs. Nicht selten werden Truckfahrer dabei (halb) zu Tode geprügelt („Wochenblick“ berichtete).

Über 80 Tote durch Messerangriffe gab es in London alleine im Jahr 2017.

Londons Bürgermeister unbeliebter

Mittlerweile wird die Londoner Polizei der Kriminalität nicht mehr Herr. Der Londoner Bürgermeister Khan wies Vorwürfe, er könne seinen Job nicht erledigen, scharf zurück. Die Zivilgesellschaft müsse zusammen helfen, um das Problem zu lösen, meint er.

Und obwohl die Infrastruktur der Stadt aus allen Nähten platzt und eine brutale Wohnungsnot herrscht, will er in den kommenden 10 Jahren weitere 1,5 Millionen Migranten in die Stadt holen. Khans Umfragewert sind mittlerweile deutlich gesunken.