Fällt Ihnen derzeit schon daheim die Decke auf den Kopf? Wir wärs mit einem Ausflug nach Traunkirchen? Mit „Servus TV“ ist dies am 27. März trotz Ausgangsbeschränkung möglich, wenn Sie sich mit einer virtuellen Stippvisite der Heimatbeleuchter an den Traunsee begnügen.

Eine Reportage von Kurt Guggenbichler

„Ist das nicht zauberhaft!“ sagte die ältere Dame vor etwa drei Wochen zu ihrem Begleiter auf dem Seeparkplatz in Traunkirchen. Dort stand das Paar beeindruckt im Schatten des schroff aus dem See ragenden Johannesfelsens mit der Kapelle und war hingerissen von dem pittoresken Anblick.

Magischer Anziehungsort

Hier ließe es sich schon aushalten, meinte der Mann und die Frau pflichtete ihm bei. Der Aussprache nach zu schließen handelte es sich bei den beiden um Deutsche. Besucher, heißt es in einer Broschüre des Tourismusverbandes, brauchen meist nicht lange, um sich in diesen zauberhaften Ort zu verlieben. Der Verfasser dieses Textes ist niemand geringerer als der Schriftsteller Alfred Komarek, der aber nur zu Papier brachte, was die Bevölkerung von Traunkirchen schon seit Jahrhunderten beobachtet und erlebt. Vom ungefährlichen Traunkirchen-Virus werden arme und reiche Menschen gleichermaßen infiziert. Dem Reiz dieses Ortes vermag kaum jemand nicht zu erliegen, stellte seinerzeit schon der Volksbildner und Heimatforscher Ferdinand Mittendorfer (+) fest. „Neapel sehen und sterben“ sei ein gängiger Begriff, erklärte er, den man seiner Ansicht nach auch anders interpretieren könnte: „Traunkirchen sehen und hier leben.So erging es in der Mitte des 19. Jahrhunderts auch der russischen Gräfin Pantschoulidzeff. Die Adelige sei nicht schön gewesen, aber klug und von edlem Gemüt, heißt es. Als sie während einer Europareise nach Traunkirchen kam, glaubte sie eine Landschaft zu erblicken, die ihr zu ihrem „wohligen Erschrecken“ aus vielen sehnsuchtsvollen Träumen recht vertraut erschien. Daraufhin winkte sie den Stararchitekten Theophil von Hansen herbei und ließ ihn hoch überm Ort ihr neues Domizil bauen, das man heute als „Russen-Villa“ bezeichnet.

Frühere heidnische Kultstätte

Sowie ihr kleines Schlösschen stand, hielt es Pantschoulidzeff nicht mehr für nötig zu reisen, denn ihre Traumlandschaft schaute nun ohnehin jeden Tag durchs Fenster herein.
So mag es vermutlich auch die bekannte österreichische Malerin Xenia Hausner, Tochter des nicht minder bekannten Malers Rudolf Hausner, empfinden. Denn für sie ist Traunkirchen einer der „schönsten Orte der Welt“. Ihr Lieblingsplatz dort ist „ein Bankerl unterhalb des Klosters Traunkirchen“ und „direkt am Seeufer.“ Dieser Ort am Fuße des Johannesbergs scheint nicht nur für sie ein Kraftplatz zu sein. Wegen seines Eibenbestandes, die in der Mythologie als heilige Bäume galten, wurde dieser Kalkfelsen – der in vielen Legenden auch Odin-Stein genannt wird – zum Naturdenkmal. An den Stammtischen in den Gasthäusern der Region erzählt man sich, dass einmal ein Götzentempel auf dem Johannesberg stand, der Baal geweiht war. Für das historische Christentum war Baal ein Dämon. Als schließlich auch Traunkirchen ins Visier der christlichen Bekehrer geriet, nahm Baal Reißaus. Er flüchtete auf den Sonnstein, von wo man ihn aber ebenfalls vertrieb. Als er keinen Ausweg mehr sah, stürzte er sich in den See und nahm dabei einen Teil des Berges mit – der Riss ist der Teufelsgraben.
Die frommen Stifter des Klosters, das heuer 1.000 Jahre besteht, hätten sich nach dem Dämonensturz sehr beeilt, eine Kapelle auf dem Platz des zerstörten Tempels zu bauen. Dass dieser auf dem Boden einer früheren heidnischen Kultstätte steht, findet in der Inschrift oberhalb des Portals der Kapelle keine Erwähnung. Vielmehr schreibt man von einem Schlupfwinkel heidnischer Seeräuber.

Lebendige Tradition

Tatsächlich war Traunkirchen schon in prähistorischer Zeit ein bedeutender Umschlagplatz für Salz aus Hallstatt und für Waren, die dorthin geliefert wurden, weiß Manfred Schindlbauer, der Obmann des Vereins Archekult. Vermutlich transportierte man das Salz schon damals mit den so genannten Plätten, die auch Fischer und Handwerker nutzten. Diese Boote werden am Traunsee noch heute gefertigt und auch verwendet. Reinhard Lehner ist einer von jenen, die diese Bootsbau-Tradition noch pflegen, worüber auch die Servus TV-Sendung „Heimatleuchten“ am 27. März, ab 20. 15 Uhr, berichtet. Das große Thema wird der „glückliche“ Traunsee sein, der Lacus Felix, und das, was sich um ihn herum tut. An seinen Ufern leben noch viele Menschen, die Tradition und Handwerk hoch halten, wie die Lederdirndlschneiderin Magdalena Melitta Moser, die Vogelschnitzer Fritz Lüftinger und Johann Hofstätter, der Fischsalamierzeuger Johann Parzer, sowie die Büttenpapierfertigerfamilie Ludwig Hobl aus Traunkirchen. Ob diese auch dabei sind, wenn das 1.000-jährige Jubiläum des Klosters gefeiert wird? Der für 25. April geplant gewesene Termin dürfte wegen Corona nicht zu halten sein, soll aber später nachgeholt werden. Auch das Wirtshausfestival Felix, bei dem ab 27. März rund um den See Herdkünstler hätten aufkochen sollen, wurde ein Opfer des Virus. Als Trost bleibt all jenen, die sich schon sehr darauf gefreut hatten, das romantische Bankerl von Xenia Hausner zu Füßen des Johannesfelsens, wo man statt lukullischer Köstlichkeiten für den Magen einen hervorragenden Augenschmaus genießen kann.