Seit fast zwei Wochen läuft unser Land und unser Leben auf Sparbetrieb. Das SARS-CoV-2 Virus hat ganze Arbeit geleistet, es begleitet uns auf Schritt und Tritt. Der anfängliche Glaube unserer spaßigen Atemlos-Gesellschaft, das Virus sei nur eine Kurzzeit-Erscheinung, wird jetzt bitter enttäuscht.

Ein Kommentar von Kornelia Kirchweger

Allmählich lösen wir uns aus der Schockstarre und richten uns in einer Welt ein, die plötzlich Grenzen und Regeln setzt. Die Freiheit des Einen endet dort, wo die Sicherheit des Anderen bedroht wird, hieß es auch früher. So richtig durchgesetzt wurde es nie. Zumeist unter Berufung auf die „Menschenrechte“.

Aktivisten in Panik

Der jetzige Umkehrschub zur Begrenzung versetzt die Grenzenlos-Aktivisten in Panik. Ihre Globalisierungstrommel klingt blechern, wenn sie rufen: Die Freiheit stehe auf dem Spiel, die Demokratie, man müsse wachsam sein und die globale Solidarität nicht aus den Augen verlieren. Man dürfe nicht in nationale Egoismen verfallen. Ein unscheinbares Virus hat über Nacht die Schwächen der uns aufgezwungenen, grenzenlosen Welt gnadenlos aufgedeckt. Es wurde in China ausgehustet und regiert jetzt den Globus. Es zeigt uns das hässliche Gesicht der Globalisierung. Dabei hat sich das Virus nicht selbst auf den Weg gemacht und die Weltherrschaft an sich gerissen. Nein. Es wurde von den grenzenlos herumwandernden Menschenströmen bis in die letzten Ecken dieses Planeten „mitgenommen“, die es dann anderen unbekümmert in die Hand drückten. Das SARS-CoV-2 Virus entlarvt auch die Bedeutungslosigkeit aufgeblähter Machtapparate, die in Zeiten der Krisen wie ein hilfloses Riesenbaby herumtorkeln. Die EU ist das Beispiel dafür. Mit fragwürdigen Aussagen unterstreicht sie das auch noch. Da hieß es unter anderem, man dürfe den freien Raum der EU nicht dem Virus opfern, nachdem die Nationalstaaten zum Schutz ihrer Leute die Grenzbalken herab ließen. Oder: der Binnenmarkt sei nicht nur für gute Zeiten da …als ob jemand den freien Warenverkehr in Frage gestellt hätte. Mit nichtssagenden Statements will sich Brüssel weiterhin Gehör verschaffen oder organisiert medienwirksam gemeinsame Einkäufe von dringend benötigen Schutzausrüstungen. Die Nationalstaaten sind zum Glück schon viel weiter. Hätten sie auf Entscheidungen der EU gewartet, wäre Europa jetzt schlimmer dran als China.

Eine neue Hoffnung

SARS-CoV-2 hat jetzt Schritte erzwungen, die unter der Globalisierungs-Herrschaft nicht gedacht und schon gar nicht gesagt werden durften: dass Nationen und Grenzen wichtig sind. Dass man ohne den Zusammenhalt der Bevölkerung mit der Familie als Kernstück, Rücksichtnahme, Verantwortung, Mitgefühl zwischen den Generationen, keine Krise meistern kann. Dass dies auch eine konsequente, politische Linie erfordert. Und dass man durchaus Respekt und Sympathie für Politiker haben darf, die sich sichtlich bemühen, eine Krise im Sinne der Bevölkerung zu meistern – und das dann auch schaffen.

Was uns die Post-Corona-Ära bringen wird, wissen wir heute noch nicht. Natürlich wird uns der erzwungene Stillstand viel abverlangen. Eines hat Corona aber deutlich gemacht: Krisen wie diese kann weder eine EU noch eine Globalregierung in den Griff bekommen. Krisen wie diese werden innerhalb von Ländern – von kleinen Gemeinschaften unter besonnener Anleitung von Regional- und Bundesregierungen – gemeistert. So gesehen ist die Corona-Krise nicht nur die größte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg, sie ist auch die größte Chance für eine sinnvolle Neugestaltung unserer Zukunft.