Als Reaktion auf die Chaosnacht im Asyl-Camp Moria auf Lesbos, wo es wegen einiger Corona-Fälle, zu Tumulten und Brandstiftung kam, will die griechische Regierung jetzt geschlossene, streng kontrollierte und überwachte Asyl-Camps.

von Kornelia Kirchweger

Auf dem griechischen Festland ist das schon im Gang. Die Inselbewohner sind dagegen, sie fürchten, dass dies eine Dauereinrichtung wird und die Migranten bleiben.

Analyse der Brandursache verhindert

Wie berichtet, drehten die Moria-Bewohner wegen 35 mit Corona infizierten Asylforderern durch, und fackelten das Camp zum Großteil ab. Feuerwehrleute wollten die Brandursache feststellen, wurden von Migranten aber daran gehindert. Die 12.000 Bewohner wurden evakuiert.

Das Camp sieht wie nach einem Bombenanschlag aus. Es wurde bereits vergangene Woche unter Quarantäne gestellt, als erste Covid-19-Fälle bekannt wurden. Ein 40jähriger Asylforderer aus Somalia wurde Anfang September positiv getestet. Vergangenen Montag waren es bereits 35 Personen – Wochenblick berichtete.

Lesbos & Co.: Migrationsminister will Kontrolle

Schon nach Bekanntwerden der ersten Corona-Fälle, wollte Migrationsminister Notis Mitarakis sofort eine Ring-Absperrung um die „Empfangszentren“ in Lesbos und Chios errichten lassen. Kostenpunkt: 1,8 Mio Euro. Zudem sollen biometrische Karten eingeführt werden, um Ausgang und Eingang zu kontrollieren, ein Kamerasystem und eine Gepäckskontrolle, wie an Flughäfen, ebenso Anhaltebereiche in jedem der Zentren.

Die EU sagte 130 Mio Euro für den Umbau der Empfangszentren zu geschlossenen Einrichtungen zu. Auf dem griechischen Festland werden solche Pläne bereits umgesetzt. Das Migrationsministerium hat im Juni weitere 19 Mio Euro aus dem Staatsbudget für die Installierung eines biometrischen Systems an den Ein- und Ausgängen gefordert. Die Auftrags-Vergabe verlief aus Gründen der nationalen Sicherheit vertraulich.

Inselbewohner: …die sollen endlich gehen

Die Insel-Bewohner wollen gar keine Asyl-Camps mehr, sie fürchten, ihre Heimat wird zum Gefängnis für Asylforderer. Sie seien schon in der Minderheit, deshalb sollen alle Migranten gehen, forderten sie. Im Februar kam es deshalb zu schweren Zusammenstößen mit einer eigens aus Athen entsandten, militärischen Spezialeinheit.

Menschenrechtsgruppen kritisierten den Vorstoß von Minister Mitarakis im Zuge der Covid-19-Fälle: der Minister plane gefängnisähnliche Einrichtungen, mit Wassergraben, Patrouillen und Sicherheitszonen.