Beim World Economic Forum wird schon lange an unserer Zukunft geplant. Die Umwälzungen durch Corona machen es möglich, die Gesellschaft nun im Schnelltempo nach diesen Vorstellungen nachhaltig zu verändern und ihre Visionen einer „neuen Welt“ umzusetzen. Für die Mehrheit wirkt die angestrebte Welt aber eher angsteinflößend.

Von Elsa Mittmannsgruber und Matthias Hellner

Delphine sind in die Buchten Venedigs zurückgekehrt, der Verkehr wurde weniger – auch wenn die Luftqualität nicht in dem gleichen Maße besser wurde – und Fußgänger und Radfahrer hatten mehr Platz, sofern sie überhaupt vor die Tür durften. Mit diesen und auch anderen Beispielen wurde versucht, die Lockdowns im Frühjahr 2020 positiv darzustellen. Inzwischen wird Corona bereits als einer der größten Brüche in den letzten Jahren bezeichnet, gleichbedeutend mit dem 11. September, dem Fall der Berliner Mauer und dem Ende der kommunistischen Diktatur oder dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Beseitigung einer anderen sozialistischen Diktatur. Jedesmal wurde versprochen, dass ab sofort alles besser werden würde, dass man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hätte…

Chance für Neuanfang?

Auch jetzt, im Zuge der Corona-Pandemie, wird erklärt, dass dies eine einmalige Chance für einen Neuanfang wäre – alte Fehler vermeiden und mit frischer Zuversicht und Klimabewusstsein in eine bessere und nachhaltige Zukunft starten. Doch irgendwie werden diejenigen, die es betrifft und die ja eigentlich der Souverän sein sollen – das Volk und die Bürger – nicht nach ihrer Meinung gefragt, wie sie sich einen möglichen Neuanfang eigentlich vorstellen. Dabei liegen die Pläne dafür schon seit langem in den Schubladen des World Economic Forums (WEF Weltwirtschaftsforums) und werden inzwischen auch offen verkündet. Der Neuanfang oder „Great Reset“ ist schon lange beschlossene Sache, es fehlte nur der geeignete Anlass, der sich nun mit Corona endlich gefunden hat.

Zukunftsvision des WEF

Dabei haben es die Pläne des WEF durchaus in sich und sind nicht unbedingt auf das Wohl aller, sondern vielmehr das Weniger und konform Gehender ausgerichtet. So entwirft etwa die radikal linke dänische Politikerin und ehemalige sozialistische Umweltministerin Ida Auken im Beitrag „Here’s how life could change in my city by the year 2030“ auf der Internetpräsenz des WEF das Szenario einer möglichen Zukunft, welches natürlich nur zu Diskussionen anregen soll. Das Wunschszenario der studierten Theologin, die auch als Young Global Leader des World Economic Forum ausgewählt und als eine der 40 vielversprechendsten jungen Führungskräfte in Europa gewählt wurde, wirkt gleichermaßen naiv, wie gefährlich.

Wege in den Kommunismus

In wenigen Sätzen zusammengefaßt: 2030 leben die Einwohner der betreffenden Stadt nahezu bedürfnis- und völlig eigentumslos. Nahrung, Kleidung, Wohnung etc. kosten sie nichts. Autos gibt es nicht mehr und damit auch keine Staus. Öffentliche Verkehrs- bzw. Transportmittel sind für jeden frei verfügbar. Die Wohnräume werden während der Zeit der Abwesenheit der „Bewohner“ von anderen Menschen genutzt. Die meiste Arbeit wird von KI und Maschinen erledigt und dient ansonsten dem Zeitvertreib und der Ablenkung durch technische und multimediale Berieselung – so weit, so kommunistisch. Allerdings hat dieses Paradies auch Schattenseiten. So wird alles und jeder rund um die Uhr überwacht und jede Bewegung aufgezeichnet. Und für diejenigen, die sich nicht mit der Technik und den neuen Umständen, gesellschaftlichen sowie politischen, anfreunden konnten (oder sich vielleicht nicht Corona-konform testen und impfen lassen wollten) ist auch kein Platz in der Traumstadt der neuen Traumwelt. Diese seien „verlorengegangen“, wie Auken bedauert. Sie leben außerhalb der Stadt in den Trümmern der „alten Welt“ in kleinen Selbstversorgergruppen oder in verlassenen Häusern in kleinen 19. Jahrhundert-Städtchen – klassische Modernisierungsverlierer halt und Ausgestoßene.

Freiheitsrechte geopfert

Dafür müssen jedoch, folgt man der fiktiven Skizzierung Aukens, essentielle Grund- und Freiheitsrechte geopfert werden, um weiterhin an einem gewissen Wohlstand teilhaben zu können. Obwohl sich dieser Wohlstand offenbar nicht nur auf die Befriedigung der Grundbedürfnisse beschränkt, scheinen gewisse Ressourcen dennoch knapp zu sein – oder wieso sollte ich sonst jemanden in meine eigenen vier Wände lassen oder sie diesem zur Verfügung stellen müssen? Wer gern Fleisch isst, wird sich in Verzicht üben müssen. Und Eigentum in der uns bekannten Form wird es nicht mehr geben. Auch für wirkliche Individualität scheint kein Raum zu sein, wer sich nicht anpasst und kooperiert, hat in der neuen Gesellschaft keinen Platz.

Ghettos für Unangepasste

Aukens Schilderung, die sie natürlich als nicht ernstgemeint verstanden wissen will – wieso erscheint sie dann auf der Seite des WEF und nicht auf einem Blog für Science-Fiction-Geschichten – erinnert frappant an die Entwicklungen des Sozialismus, auch wenn Linke immer betonen, dass es einen wirklichen Sozialismus oder Kommunismus nie gab – das, was sich so nannte, sei immer korrumpiert und verfälscht gewesen. Aber auch dort sind Personen, die den Weg ins Arbeiter- und Bauernparadies nicht mitgehen wollten, „verlorengegangen“, allerdings lebten sie nicht in Dörfchen oder Städtchen, sondern „verschwanden“ oder fristeten ihr Dasein in den Lagern des Gulag-Systems. Auch die neuen radikalen Umwälzungen werden, auch wenn sie wieder alle nur dem Wohl der Menschheit im Sinne eines angeblichen Humanismus dienen, mit Kritikern ähnlich verfahren.

Klimawandel als Grund

Ohne Privatsphäre und abhängig vom Wohlgefallen einiger weniger Konzerne, wird es ein Aufbegehren nicht mehr geben – egal wie groß die sozialistische Mangelwirtschaft wieder sein wird, denn man könnte ja noch das wenige verlieren. Deshalb wird auch nach Corona der Tanz um das Goldene Kalb, dann in Gestalt des „Klimawandels“, fortgeführt. Einschränkungen, Gleichmacherei und Nivellierung. „Sie werden nichts besitzen und damit zufrieden sein“, wie es in einem Video der WEF heißt. Und die Lücken, die die Umwälzungen und die „Verlorengegangenen“ gerissen haben, werden durch vermehrte Migration von Milliarden von Menschen gefüllt. So stellen sich jedenfalls die treibenden Kräfte des Great Reset die Zukunft vor. Allerdings regt sich zunehmend Widerstand, die Menschen wollen ihre Zukunft selbst bestimmen und sie sich nicht von einigen wenigen „Philanthropen“ gestalten lassen. Und aufgrund des widerständigen Geistes wird die Vision Aukens und anderer WEF-Mitglieder auch das bleiben, was sie bisher ist – Fiktion.