Als ich den Tweet von Efgani Dönmez über seine Interpretation des Karriereweges der deutschen SPD-Politikerin Sawsan Chebli am Samstag das erste Mal las, ahnte ich bereits, dass es politisch nun sehr eng für den ÖVP-Abgeordneten werden könnte.

Ein Kommentar von Chefredakteur Christian Seibert

Massiver öffentlicher Druck

Bereits wenige Stunden, nachdem der oberösterreichische Politiker seinen berüchtigten „Knie-Tweet“ zu später Stunde absonderte, stürzten sich sämtliche Protagonisten der linken „Twitteria-Blase“ auf den 41-Jährigen. Wer die Mechanismen der Politik kennt und sich die Frage stellte, welche Themen Politikern (insbesondere jenen ohne Binnen-I) heutzutage existenzgefährdend schaden könnten, dem wurde schnell klar, dass Dönmez dem öffentlichen Druck nicht allzu lange würde standhalten können.

Auch sein hilfloser Versuch, die Äußerung, man solle ob des schnellen Aufstiegs der deutsch-palästinensischen Politikern „auf ihre Knie“ achten, dahingehend umzudeuten, dass es sich dabei um keine sexuelle Anspielung, sondern vielmehr um einen Kniefall vor reaktionären Migranten-Organisationen handelt, war wenig glaubhaft und im Grunde auch irrelevant, da die Meute der öffentlich Empörten bereits ihr Urteil über den Politiker Efgani Dönmez gefällt hatte.

Anerkannter Islam-Experte

Es war anzunehmen, dass Bundeskanzler Sebastian Kurz der letzte sein würde, der seine „Bewegung“ nach großem parteiübergreifenden Druck von weiblichen Abgeordneten der Kritik aussetzen wollte, sie sei frauenfeindlich. Klar ist, dass der Inhalt des Dönmez-Tweets ein schwerer Fehler ist. Das hat wohl auch Dönmez selbst mittlerweile eingesehen. Festzuhalten ist jedoch auch, dass die politische Welt sich auch nach diesen Tweets noch dreht und die Arbeit des Politikers Efgani Dönmez nicht ausschließlich wegen einer unqualifizierten Aussage beurteilt werden kann.

Dönmez war es, der als über Parteigrenzen hinweg anerkannter Islam-Experte auf die Gefahren des politischen Islams hingewiesen hat, was auch zum Bruch mit den „Grünen“ führte. Gerade in der Öko-Partei hätte es sich ein Mann mit seiner Sozialisierung gemütlich einrichten können, ohne sich der Gefahr des Aneckens aussetzen zu müssen. Dass er sich trotz Widerständen und Anfeindungen kein Blatt vor den Mund nahm, veranlasste Sebastian Kurz dazu, ihn auf prominentem Listenplatz bei der Nationalratswahl für die Volkspartei antreten zu lassen.

„Wir sind zu wenig radikal“, twitterte Chebli nach den ersten rechten Demonstrationen sowie Konflikten zwischen verschiedenen Gruppen in Chemnitz.

Doppelmoral gegenüber Dönmez

Aus deren Nationalratsklub wurde Dönmez am Montag also ausgeschlossen. Dem Vernehmen nach will er nun wilder Abgeordneter bleiben. Und trotzdem: Der Fall Dönmez zeigt auch die Doppelmoral der öffentlichen Debatte auf: Auch wenn es sich nicht gehört, Anspielungen auf die Sexualität einer Politikerin zu machen: Die zuletzt getätigten Aussagen Cheblis, die eine „radikale“ Auseinandersetzung mit den „Rechten“ forderte („Wochenblick“ berichtete), sollten nicht unter den Sexismus-Teppich gekehrt werden. Hier hätte ich mir von Seiten der Doppelmoralisten auch einen lauten Aufschrei gewünscht, aber auf den wartet man nach wie vor vergeblich.

Auch Dönmez zeigt sich resigniert. In einer persönlichen Erklärung stellt er fest: „Es ist bezeichnend und ein Zeichen unserer Zeit, dass in der Politik und in der Medienlandschaft nicht mit der gleichen Vehemenz und Intensität gegen jene vorgegangen wird, die diese bedenklichen Entwicklungen hereintragen und tatsächlich ihr Frauenverachtendes Gesellschaftsbild bei uns entfalten und salonfähig machen, sondern gegen jene wenigen Stimmen, die diese Fehlentwicklungen thematisieren.“