War es ein Putsch aus dem Ausland? Eine Falle des politischen Mitbewerbers? Die Spekulationen laufen auf Hochtouren. Fest steht: Unter dem Motto „Jetzt erst recht!“ mobilisiert die FPÖ in noch nie erlebter Weise ihre Sympathisanten und die Linken feiern ausgelassen wie lange nicht. Nicht nur am Ballhausplatz jubelten die linken Demonstranten, auch Opposition und Mainstream-Medien sind begeistert.

Ein Kommentar von Willi Huber

Merkel will „entschieden“ gegen Rechtspopulisten kämpfen

Als eine der ersten Kommentatoren aus dem Ausland meldete sich Angela Merkel. Die deutsche Kanzlerin bekräftige Angesicht des Ibiza-Videos, wie wichtig der „Kampf gegen Rechts“ nun sei. „Europa ist eine Vereinigung von Ländern, die sich entschieden haben auf einer gemeinsamen Wertebasis zusammen zu arbeiten“, sagte sie im Zuge einer Pressekonferenz mit dem kroatischen Premierminister Andrej Plenković am Samstag in Zagreb. Merkel weiter: „Wir haben es mit populistischen Schwingen zu tun, die in vielen Bereichen diese Werte verachten, die das Europa unserer Werte zerstören wollen und dem müssen wir uns entschieden entgegenstellen.“

Große Erleichterung beim ORF, weil Reform nicht kommt

Auch beim ORF war große Erleichterung zu spüren, da die geplante ORF-Reform nun nicht kommen wird. Armin Wolf übt sich auf seinem Blog derweilen gar in Hobby-Psychogie. Weil Strache als Kind ohne Vater aufwachsen musste, so Wolf besserwisserisch, hätte dieser eine abnormalen Geltungsdrang entwickelt. „Seine gesamte politische Karriere ist geprägt von einer enormen Sehnsucht nach Anerkennung“, attestiert Möchtegern-Psychologe Wolf dem nunmaligen Ex-FPÖ-Chef.

Enorme Solidarität bei FPÖ

Indes scheint die eingehängte Linke die Felle schon aufzuteilen, bevor die Jagd überhaupt erst begonnen hat. Im Zeitalter der sozialen Netzwerke sind die Wähler nämlich bestens und in Echtzeit über aktuelle Geschehnisse informiert und damit nicht mehr auf Meinungsmacher von außen angewiesen. Das Erdbeben von Ibiza hat, entgegen aller Prognosen der Mainstream-Medien und der politischen Konkurrenz, einen Tsunami der Solidarität ausgelöst. Eine „Blaue Welle der Sympathie“ schwappt derzeit unter dem Motto „Jetzt erst recht!“ über die FPÖ. 

Erste Blitzumfragen zeigen, dass sich die Freiheitlichen bisher trotz aller Umstände noch auf 18 Prozent halten können. Die EU-Wahl kommenden Sonntag wird jedenfalls einen ersten guten Eindruck vermitteln können, wie all die undurchsichtigen Dinge denn tatsächlich in den Augen der Bürger aussehen, die sich derzeit abspielen. Das Problem, womöglich nicht genügend Wähler aus dem eigenen (eher EU kritischen) Lager zu dieser Wahl mobilisieren zu können, scheint nun nicht mehr zu bestehen.