Derzeit befindet sich Frankreich im Karikaturenstreit mit der Islamischen Welt. Zwischen der Türkei und Frankreich spitzt sich die Situation zunehmend zu. Jetzt veröffentlichte auch noch die französische Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo eine Erdogan-Karikatur. Er ist zutiefst beleidigt und spricht von einer „Neuauflage der Kreuzzüge“.

Der islamistische Köpfungs-Mord am Geschichtelehrer Samuel Paty traf Frankreich (wieder einmal) tief ins Herz. Dieses Mal war die Entrüstung besonders groß, viele solidarisierten sich mit dem Lehrer und gingen auf die Straße. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte, dass er die Werte der Republik bedroht sehe und entschieden gegen „islamische Separatisten“ vorgehen werde. Der türkische Präsident reagierte darauf erzürnt und forderte Macron auf, sich in psychologische Behandlung begeben, woraufhin Frankreich seinen Botschafter abzog.

Erdogan lässt Hüllen fallen

Am Mittwoch veröffentlichte die Satire-Zeitung Charlie Hebdo auch noch eine Erdogan-Karikatur. Erst 2015 wurde die Charlie Hebdo-Redaktion Opfer eines islamistischen Anschlags. Jetzt fühlt sich Erdogan von ihr bedroht und spricht von einem Kreuzzug des Westens gegen sich.

„Erdogan: Privat ist er sehr lustig“:

Die Karikatur zeigt Erdogan in Unterhose in einem Couch-Sessel sitzend, während er den Kaftan einer Muslima hochhebt, sodass er ihren Po sieht. Der Cartoon-Erdogan sagt dazu: „Uh, der Prophet!“. Über der Karikatur ist auf Französisch zu lesen: „Erdogan – Privat ist er sehr lustig!“
Jetzt zeigt sich: Erdogan findet das gar nicht lustig.

„Westliche Staaten planen neue Kreuzzüge“

In der Türkei wurden Ermittlungen gegen Charlie Hebdo aufgenommen. Erst kürzlich verglich Erdogan die Situation der Moslems in Europa mit jener der Juden in den 1930ern. Jetzt geht Erdogan noch weiter in der Geschichte zurück: Die westlichen Staaten würden eine Neuauflage der Kreuzzüge planen, erklärte Recep Tayyip Erdogan vor den Mitgliedern seiner AKP.

„Ehrenmann“ Erdogan

Es sei überdies „eine Frage der Ehre“, sich gegen „Angriffe“ auf den islamischen Propheten Mohammed zu stemmen. Außerdem sieht Erdogan „antimuslimischen Rassismus“ in den „abstoßenden, sogenannten Karikaturen“ verwirklicht. Die antimuslimische Agenda Macrons trage Früchte, die Charlie Hebdo Karikatur sei der Beweis dafür, ließ Erdogan verlautbaren.

Droht Konflikt in der NATO?

Dass Frankreich seine Meinungsfreiheit über die religiösen Bedürfnisse der Moslems stellt, sorgte für Unmut und Boykottaufrufe in der islamischen Welt. Großbritannien rief die NATO-Verbündeten dazu auf, gemeinsam für Toleranz und Meinungsfreiheit einzustehen. Die Türkei ist Teil der NATO und wird überdies als potenzieller EU-Beitrittskandidat gehandelt. Sie wird sich in nächster Zeit wohl nicht mehr mit Frankreich und der Meinungsfreiheit solidarisieren.

Manfred Haimbuchner: „EU-Beitritt denkunmöglich“

Oberösterreichs Vize-Landeshauptmann Dr. Manfred Haimbuchner zeigt sich entrüstet über das Verhalten der Türkei. Für ihn ist die Türkei kein Teil des abendländischen Europas, deswegen lehnt er einen EU-Beitritt des Landes, das sich zunehmend auf den Islam zurückbesinnt, ab:

„Die Meinungs- und Pressefreiheit gehören zu den höchsten Errungenschaften der Aufklärung und des abendländischen Europas. Die Geringschätzung für diese Werte, die der türkische Staatspräsident mit seinen Verbalinjurien in Richtung Frankreich zum Ausdruck bringt, sind an Primitivität kaum zu überbieten. Die Türkei hat sich damit ein ums andere Mal als Beitrittskandidat zur Europäischen Union disqualifiziert und die zuständigen Gremien sind aufgerufen, diese Farce endlich zu beenden. Ein EU-Beitritt der Türkei ist und bleibt denkunmöglich.