Der Beinahe-Blackout am 8. Jänner war die zweitschwerste Störung des europäischen Stromnetzes aller Zeiten. Klimaschutz- und Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) beteuerte daraufhin, alles im Griff zu haben. Doch Experten bezweifeln das. Oberösterreichs FPÖ setzt sich um ein weiteres für eine umfassende Blackout-Vorsorge ein. 

Was viele nicht wissen: Europas Stromnetz hat uns energietechnisch zu einer Schicksalsgemeinschaft von West bis Ost zusammengeschweißt. Erzeugung und Verbrauch müssen darin immer in etwa gleich hoch sein. Kommen sie aus dem Lot, so droht eine Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes: der Blackout. Am 8. Jänner wäre es um ein Haar dazu gekommen. Das rasche Reagieren der Energiebetreiber konnte die Katastrophe gerade noch verhindern. Würde es tatsächlich zum Erliegen des Stromnetzes kommen, würde es Experten zufolge mindestens zwei Wochen dauern, bis die Energieversorgung wiederhergestellt ist.

Abhängiger denn je

Unsere hochtechnologisierte Gesellschaft ist abhängiger denn je vom „Strom“. Kassensysteme in Supermärkten, Bankomaten, Züge: Alles würde lahmliegen ohne Elektrizität. Sämtliche Logistik würde zusammenbrechen. Menschen würden in Aufzügen steckenbleiben und könnten auch keine Hilfe herbeirufen, denn auch das Mobilfunknetz würde wohl lahmliegen. Moderne Abwassersysteme bedürfen elektrischen Pumpmechanismen. Auch sie kämen zum Erliegen. Die Kanalisation würde irgendwann übergehen. Wochenblick sprach bereits mit dem Experten für Blackout-Vorsorge Herbert Saurugg über die Risiken. Er ist sich sicher: Binnen 5 Jahren kommt der europaweite Blackout.

FPÖ stellte Resolution für Versorgungssicherheit

In Österreichs politischem Diskurs spielte das Thema bisher kaum eine Rolle. Einzig die FPÖ setzt sich seit längerem für die Blackout-Vorsorge und Versorgungssicherheit ein. So initiierte die FPÖ Oberösterreich im Dezember eine Resolution an den Bund. Darin fordert sie dazu auf, Kasernen auszubauen, um bei Katastrophen wie einem Blackout die Bevölkerung versorgen und schützen zu können.

Kopfschütteln über Beschwichtigungen der Ministerin

Doch gerade der Beinahe-Blackout vom 8. Jänner zeige die Dringlichkeit zu handeln, ist sich der freiheitliche Klubobmann Herwig Mahr sicher. Er will sich nicht auf die Beteuerungen Gewesslers, alles im Griff zu haben, verlassen: „Es war die zweitschwerste Störung des europäischen Stromnetzes aller Zeiten. Bei den Pauschalbeschwichtigungen von Ministerin Gewessler kann ich deshalb nur den Kopf schütteln.“

Bundesheer: 80% der Notstromaggregate fielen aus

„Jeder Experte“ widerspreche dem Optimismus der Energieministerin, so Mahr. Aus seiner Sicht ist Österreich alles andere als vorbereitet für eine derartige Katastrophe: „Bei einer Blackout-Übung des Bundesheeres im vergangenen Jahr fielen beispielsweise nach zwölf Stunden mehr als 80 Prozent der Notstromaggregate aus. Darum muss auf allen Ebenen besser vorgearbeitet werden.“

Freiheitliche fordern Vorsorge

Deswegen will Mahr im Zuge der morgigen Landtagssitzung den freiheitlichen Forderungen Nachdruck verleihen: „Als Sicherheitspartei bringen wir erneut das Thema ‚Blackout‘ auf das Tapet. Der Bund muss hier in die Gänge kommen und wirksame Vorbereitungen treffen.“