Das „Ibiza-Gate“ sollte nicht nur bei FPÖ-Fans für Frust sorgen: In der jüngsten Geschichte Österreichs ist es bisher unbekannten Kräften auf derart verheerende Art und Weise gelungen, eine gewählte Regierung zu Fall zu bringen!

Ein Kommentar von Johannes Schüller

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Professionelle Lockvögel

Könnte allein der Umstand, auf der ideologisch gewünschten Seite zu stehen, SPÖ, Grüne und NEOS vor Putschen aus ähnlicher Richtung schützen? Professionelle Lockvögel dürften sich unter Umständen als Berufsstand mit sicherem Auskommen innerhalb des Polit-Betriebes entwickeln. Bereits 2010 und 2011 gelang es dubiosen britischen Journalisten, den EU-Abgeordneten Ernst Strasser (ÖVP) in fingierten Treffen der Bestechlichkeit zu überführen. Der Ex-ÖVP-Innenminister wurde schließlich zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt!

Strassers Platz im EU-Parlament besetzte anschließend übrigens der heutige EU-Spitzenkandidat und überzeugte Brüssel-Jünger der ÖVP, Othmar Karas. Auch diesmal dürfte es die alte, schwarze ÖVP sein, die von dem Coup profitiert. Eine der wichtigsten Lehren aus dem offenbar generalstabsmäßig inszenierten, über Jahre geplanten Putsch: Im Kampf gegen die verhassten „Rechtspopulisten“ ist bald jedes Mittel Recht.

Was kommt da noch?

„Offenbar ging es um einen möglichst vernichtenden Schlag gegen das immer stärker werdende rechte Netzwerk in der EU. Dafür hat man das Material Jahre aufbewahrt“, analysiert die „Kurier“-Chefredakteurin Martina Salomon scharfsinnig.

Nicht zu Unrecht vermuten Experten, wie der führende deutsche Polizei-Gewerkschaftler Rainer Wendt, eine Geheimdienst-Aktion. Die Naivität und Machtgier von Gudenus und Strache könnten sie indes vor schlimmeren, noch „endgültigeren“ Maßnahmen bewahrt haben. Man stelle sich vor, die „Venusfalle“ hätte nicht zugeschlagen! Zu welchen Mitteln wären die Macher des Videos noch bereit gewesen, um ihr politisches Ziel zu erreichen?Nicht nur in Österreich, auch in den deutschen Bundesländern Sachsen, Thüringen und Brandenburg stehen 2019 wichtige Wahlen an: Das „Ibiza-Gate“ dürfte nur den Auftakt in Wahlkämpfen bisher unbekannter Brutalität und Skrupellosigkeit bilden.