Die „Operation Luxor“ gegen das mutmaßliche Vorfeld der radikalen Muslimbruderschaft sorgte österreichweit für Aufsehen. Für Unmut sorgt nun, dass sich einer der Betroffenen – ein umstrittener Politologe an der Uni Salzburg – ohne jegliche kritische Einordnung beim ORF in der ZiB1 als Opfer einer vermeintlich übertriebenen Razzia darstellen darf. 

Eine tränenreiche Schilderung, wie bewaffnete Beamte in der Tür der Familienwohnung steht und als einzige Gegendarstellung eine Staatsanwaltschaft, die sich nicht äußert. Es ist dieser Cocktail, der den freien Journalisten Andreas Unterberger erzürnt. Zu Zeiten eines Mainstream-Blätterwaldes mit weniger ausgeprägter Schlagseite nach links war Unterberger einst Chefredakteur bei der „Wiener Zeitung“ und bei der „Presse“. In einem Kommentar für den medienkritischen Blog „ORFWatch“ kritisiert er diese Darstellung.

Opferrolle statt kritischer Nachfrage

Bei seinem „PR-Auftritt“ in der „Zeit im Bild“ (ZiB1) zur besten Sendezeit am Montagabend um 19:30 Uhr hätte es nämlich „keine einzige kritische Zwischenfrage“ gegeben. Nicht einmal zu den „bekanntesten Dingen“ würden die öffentlich-rechtlichen Journalisten nachhaken. Etwa, weshalb Geldmittel aus Saudi-Arabien einen Uni-Posten in Österreich ausfinanzieren.

Dies gelte auch dafür, dass er mit Geldern der türkischen Regierung ein Jahrbuch über angebliche „Islamophobie“ herausgebe. In diesem geraten auch gemäßigte Moslems mit positiven Bezug auf europäische Grundwerte ins Zentrum der Kritik. Stattdessen erlaube man dem Mann, empört die aufgebrochene Wohnungstür herzuzeigen. Es stünde, so Unterberger, auch im Raum, ob dieser denn die anläutende Polizei nicht einlassen wollte.

Linkes ORF-Urgestein machte Politologen die Mauer

Ebenfalls ärgert den kritischen Journalisten, der ein bekanntes Blog betreibt, dass sich auf Twitter ein „linksradikaler Ex-Trotzkist, der jahrzehntelang beim ORF sein Unwesen getrieben hat, für den Verdächtigen“ engagiere. Dies gehe so weit, das jener mit der „absurden Behauptung, dass die Polizei bei der Hausdurchsuchung geschossen hätte“, aufwarte.

Man dürfe nun gespannt sein, ob „jeder, bei dem die Polizei eine Hausdurchsuchung macht, künftig einen total einseitigen Propagandaauftritt in der ZiB bekommt“. Es sei aber auch möglich, dass dies „nur für radikale Vertreter des politischen Islam gilt, die in der Linksaußenszene gut vernetzt sind“, so Unterbergers Sorge.

Fragwürdige Seilschaften im politischen Islam

Wie Wochenblick unlängst berichtete, steht der umstrittene Politologe nicht erst seit Kurzem in der öffentlichen Kritik. Eine Studie arbeitete im Frühjahr heraus, dass der von ihm verfochtene Begriff der „Islamophobie“ womöglich ein „Kampfbegriff des politischen Islam“ sei.

Seine darüber verfassten Jahrbücher müssen sich seit Jahren den Vorwurf gefallen lassen, wissenschaftlichen Ansprüchen nicht zu genügen. Damit in Verbindung steht auch der Vorwurf, für Teilberichte anderer Länder Personen aus dem Muslimbrüder-Umfeld zu engagieren.

Eine ausführliche schriftliche Anfrage des Wochenblick an den aufgrund seiner mutmaßlichen Seilschaften ins Kreuzfeuer geratenen Politologen zu diesen Vorwürfen bleibt übrigens auch nach zwölf Tagen weiterhin unbeantwortet.