Es war ein aufsehenerregender Polizeieinsatz vor zwei Wochen: Zahlreiche Immobilien und Personen waren bei der „Operation Luxor“ Gegenstand einer Razzia gegen angebliche Muslimbrüder in Österreich. Nachdem es auch an der Uni Salzburg eine Durchsuchung gab, hagelt es nun Kritik an einem bekannten Politikwissenschaftler, der zuvor selbst scharfe Worte für die Aktion fand. 

Beim Betroffenen handelt es sich übereinstimmenden Medienberichten zufolge um einen einflussreichen Forscher, der im Bereich der sogenannten „Islamophobie-Forschung“ tätig ist. Dieser will einem Interview auf Ö1 zufolge in Mitteleuropa kein Problem damit sehen, mit den Muslimbrüdern in einem Atemzug genannt zu werden. Am Wochenende irritierte er allerdings damit, dass er in einer Publikation einer renommierten US-Uni darauf hinwies, dass das Datum der Razzia dasselbe sei wie jenes der Reichspogromnacht vor 82 Jahren. Er sieht im Vorgehen der Behörden eine „Kriminalisierung des Islam“.

Uni bestätigt Auslands-Finanzierung und geht auf Distanz

In der Folge sprangen auch einige Mainstream-Medien auf die Indizien auf, die das Grazer Freilich-Magazin bereits in der Vorwoche andeutete, indem es sich auf den Obmann des Ringes Freiheitlicher Studenten (RFS), Lukas Heim, berief. Auch die Uni Salzburg geriet in die Kritik, sie distanzierte sich mittlerweile von den Aussagen ihres Angestellten. Man will spätestens nach dem streitbaren, vermeintlichen Vergleich auch dienstrechtliche Konsequenzen prüfen, berichtet der ORF. Jener dementiert laut Standard eine Absicht, die beiden Vorfälle verglichen zu haben.

Ebenso für Aufsehen sorgt der Umstand, dass der Posten des Islamforschers auch mit Geldern aus Saudi-Arabien sowie über eine in der Schweiz ansässige Stiftung finanziert sein soll. Dies bestätigte die Hochschule offenbar bereits vor einigen Tagen den „Salzburger Nachrichten“ auf deren Anfrage. Zu diesem Zeitpunkt stellte sich die Uni übrigens noch hinter ihren umstrittenen Angestellten – dem Institutsleiter will dieser nicht durch radikale Äußerungen aufgefallen sein.

Islamismus-Vorwurf: Tätigkeiten seit langem umstritten

Gleichzeitig sind die Tätigkeiten des Politologen nicht erst seit wenigen Wochen im Zentrum einer regelmäßigen öffentlichen Kritik. Denn bei der Erstellung eines Jahrbuchs zu angebliche „Islamophobie“ arbeitete er 2017 mit einem Autor zusammen, der einem in der Türkei regierungsnahen Think-Tank angehören soll. Die wissenschaftliche Qualität seines Jahrbuches wurde mehrfach von renommierten Experten stark in Zweifel gezogen. Er gilt als starker Verfechter des Islamophobie-Begriffs, den Kritiker als „Kampfbegriff des politischen Islam“ bezeichnen.

Wie eine Studie unlängst herausarbeitete, ist auch der Vorwurf einer Nähe zur radikalen Muslimbruderschaft kein neuer. Ebenfalls für die 2017er-Ausgabe seines Reports engagierte er für den Frankreich-Teil nämlich den Sprecher einer Gruppe, die just im Muslimbrüder-Umfeld agieren soll.

Freilich sind dies alles Seilschaften, die nicht illegal sind – eine schiefe Optik bleibt aber dennoch zurück. Was die Anschuldigungen für die lange öffentliche Karriere des Mannes bedeuten, ist ebenso noch unklar. Eine ausführliche schriftliche Anfrage des Wochenblick an den Politologen, um zu den erhobenen Vorwürfen Stellung zu nehmen, blieb bis dato unbeantwortet.

Anmerkung der Redaktion: Im Gegensatz zu einigen anderen österreichischen Medien verzichten wir auf eine Namensnennung des betroffenen Politologen. Der „Wochenblick“ findet es nach reiflicher Abwägung in dieser Thematik sinnvoller, exemplarisch auf ein zentrales gesellschaftliches Phänomen und bestehende Seilschaften in diesem Bereich hinzuweisen, als eine Bühne für Personen und Theorien im mutmaßlichen Vorfeld des politischen Islams zu bieten.