Die Schließung weiter Teile des Handels im zweiten bundesweiten Lockdown lässt nun auch die alte Debatte über eine Öffnung der Geschäfte auch am Sonntag wieder aufflammen. 

Die Auswirkungen – gerade vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft – dürften fatal sein. Der Handelsverband fürchtet oe24.at zufolge Umsatzeinbußen von 2,7 Milliarden Euro für das laufende Jahr und sieht 6.000 Läden vor dem Aus. Damit stehen die Arbeitsplätze viele der 600.000 Handels-Angestellte vor einer unsicheren Zukunft. Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer (ÖVP) setzt sich daher für eine Sonntags-Öffnung ein.

Sozialpartner über Vorschlag uneinig

Auch der Handelsverband steht der Änderung positiv gegenüber, man erhofft sich bessere Argumente im Hinblick auf das Infektionsgeschehen. Ausgedehntere Öffnungszeiten, so das Kalkül, würde den Kundenansturm über eine längere Zeitspanne verteilen. Dennoch mischt sich hier auch etwas Skepsis: Der Sonntagszuschlag könnte viele Betriebe, die nach neun Monaten Corona-Einschränkungen ohnehin am Zahnfleisch gehen, nicht zu stemmen sein.

Absolut keine Freude hat man hingegen bei den Gewerkschaften. Die Vorsitzende der zuständigen GPA, Barbara Teiber, warnt vor einer Ausdehnung der Arbeitszeiten. Sie erinnert, dass auch Angestellte im Handel Familien hätten. Schon in der Vergangenheit sorgten als „freiwillig“ verkaufte Flexibilisierungen der Arbeitszeit zu Sorgen bei den Arbeitnehmer-Vertretern, dass Mitarbeiter, welche sich dazu nicht bereit erklären, mit Nachteilen rechnen müssen könnten.

Sonntag-Öffnung seit Jahren ein Streitthema

Die Debatte über eine Öffnung der Geschäfte am Sonntag ist übrigens keine neue – und keinesfalls eine coronabedingte. Schon in den Vorjahren gab es immer wieder Vorstöße, erst 2019 bezeichnete der Handelsverband eine solche für Wien als „überfällig“.

Zur Frage, wie beliebt diese beim Volk wäre, interpretieren alle Interessensverbände seit Jahren jeweilige Umfragen immer nach ihrem Gutdünken in die jeweils präferierte Richtung, wie der Standard vor einem Jahr herausstellte.

Große Unterschiede im europäischen Vergleich

Im europäischen Vergleich handhaben die Staaten ihre Öffnungszeiten höchst unterschiedlich. Österreich gehört hier dabei zu den eher traditionellen Ländern. Am „Tag des Herrn“ haben hierzulande nur wenige Geschäfte, etwa an Bahnhöfen oder auch an Tankstellen offen. In Deutschland gibt es in einigen Bundesländern eine kleine Anzahl an verkaufsoffenen Sonntagen. Ähnlich handhabt dies etwa Spanien.

Viele europäische Länder wählen bereits länger einen liberaleren Zugang. So dürfen die Geschäfte etwa in Luxemburg, Finnland, den Niederlanden und den meisten Ländern in Osteuropa öffnen. In Großbritannien dürfen sie am Sonntag nur bis zu sieben Stunden lang offen halten, in Schweden müssen nur staatliche Alkoholgeschäfte schließen.

Nicht überall geht man allerdings den Weg in Richtung Öffnung. In Polen schaffte man die lange Zeit mögliche Sonntagsöffnung erst vor zwei Jahren ab.