Obwohl die Anmeldepflicht ausgesetzt wurde, waren die Corona-Teststraßen auch in Oberösterreich so schlecht besucht, dass die kolportierten „Massentests“ zum Minderheitenprogramm wurden. Anfang Jänner soll eine weitere Testwelle stattfinden. Zukünftig sollen Geldgeschenke die Oberösterreicher zu den Tests und Impfungen locken.

Die Kosten-Nutzen-Bilanz sei bereits jetzt katastrophal, warnt der Linzer Gesundheitsstadtrat Michael Raml (FPÖ). Er spricht sich entschieden gegen die zweite Welle der Massentests aus, die bereits für den Zeitraum von 7. bis 10. Jänner vorgesehen ist.

Großer Aufwand für wenig Ergebnisse

Von den 32.000 getesteten Linzern waren rund 100 (0,3%) positiv. Raml sieht den Aufwand der Tests gemessen am Ergebnis nicht gerechtfertigt: „Die Kosten-Nutzen-Bilanz ist angesichts der niedrigen Teilnehmerzahlen und dem hohen Finanz- und Personaleinsatz schlichtweg katastrophal.“

Denn den 100 positiv Getesteten stünden der Einsatz von 600 verpflichteten Magistratsbeamten, zahlreichen Helfern des roten Kreuzes, des Samariterbundes, der Feuerwehren und sechsstellige Kosten für die Anmietung der Teststationen gegenüber.

Gesundheitsstadtrat Michael Raml: „Dieser unvergleichbare Kraftakt steht in keiner Relation zum ohnehin fragwürdigen Nutzen einer Momentaufnahme. Ich halte es für absolut unverhältnismäßig und überdies unmöglich, künftig alleine in Linz monatlich Hundertschaften an Helfern am Wochenende zu rekrutieren, um einen Bruchteil der Linzer auf eine Corona-Infektion zu testen.“

Zweite Testwelle soll Misserfolg kaschieren

Der Gesundheitsstadtrat sprach sich entschieden gegen eine zweite Testwelle aus. Geht es nach Raml, so sollen sich Testwillige von Ärzten und in Apotheken testen lassen, bezahlen sollen das die Krankenkassen. Die teure Parallelstruktur mit den Teststraßen sei dafür nicht notwendig. Michael Raml sieht in den Absichten zum Errichten dauerhafter Teststraßen einen Versuch, „den Misserfolg bei den Massentests zu kaschieren“.

Impflinge sollen mit 50-100 Euro gekauft werden

Wirtschaftsforscher der Johannes Keppler Universität diskutierten die geringe Teilnahmebereitschaft an den Massentests, die so zu Minderheitstests wurden. Entsprechend eines ORF-Berichts schlussfolgern sie: „Menschen verhalten sich nicht immer rational.“
Deswegen seien die Tests nicht angenommen worden. Sie forderten daher – wie bereits seitens der Regierung angedacht wird – den Testwillen der Österreicher mit Geldsummen von 50 bis 100 Euro zu erkaufen. Dasselbe schlugen sie im Zuge dessen für die Impfungen vor, für die sie eine ähnlich niedrige Teilnahmebereitschaft erwarten.

Raml: Tests schützen nicht vor Freiheitseinschränkungen

Raml warnt davor, dem Glauben anheim zu fallen, Massentests würden unsere Freiheit wiederherstellen. Denn das Beispiel Slowakei zeige, dass Massentests trotz fünfzigprozentiger Teilnahme nicht vor weiteren Freiheitseinschränkungen schützen. „Sie hatten offenbar keinen Einfluss auf die mittlerweile wieder sehr hohen Infektions-Zahlen in unserem Nachbarland“, hielt der Gesundheitsstadtrat fest.

Raml erteilte dem angekündigten Lockversuch des Gesundheitsministers eine Absage: „Die Idee, die Österreicher mit Gutscheinen zu den ‚freiwilligen‘ Tests locken zu wollen, ist nur ein weiterer Kostentreiber in einer nicht vorhandenen Strategie.“