Am Donnerstag um 14 Uhr war es so weit: Der mit den Stimmen von FDP, CDU und AfD ins Amt gehievte thüringische Ministerpräsident wirft bereits nach einem Tag das Handtuch.

Dem Rückzug vorausgegangen war eine beispiellose Kampagne, dessen Ernennung zu skandalisieren – der Wochenblick berichtete. Nachdem sogar Kanzlerin Merkel gefordert hatte, den Vorgang rückgängig zu machen, stand laut Bild auch ein Parteiausschluss des ersten liberalen Ministerpräsidenten seit 1953 im Raum. Der Wirbel um seine Person reichte sogar so weit, dass ein Sohn Kemmerichs am heutigen Donnerstag offenbar mit polizeilichem Begleitschutz zur Schule ging.

„Makel der AfD-Unterstützung vom Amt nehmen“

Wie die Thüringer FDP-Fraktion in einer Mitteilung verlautbarte geschah der Schritt zurück angeblich aus Rücksicht auf das Ansehen des Amtes: „Thomas L. Kemmerich will damit den Makel der Unterstützung durch die AfD vom Amt des Ministerpräsidenten nehmen“. Das Parteipräsidium sprach zuvor sogar von einer „Falle“, welche die patriotische Partei den liberalen gestellt hätte.

Auflösung des Landtags und Neuwahlen wahrscheinlich

Dieselbe Fraktion will der dpa zufolge nun einen Antrag auf Auflösung des Landtages stellen, die Konsequenz eines Erfolgs der Abstimmung wären Neuwahlen in Thüringen. Findet dieser keine Mehrheit, will Kemmerich stattdessen die Vertrauensfrage stellen – mit demselben Resultat. Nichtsdestotrotz hielt der Kurzzeit-Ministerpräsident in seiner Pressekonferenz fest, dass die Annahme der Wahl kein Fehler gewesen sei.

Das Kalkül hinter Neuwahlen könnte die Hoffnung sein, dass danach stabile Mehrheiten im Erfurter Landtag möglich sind. Ob diese Überlegung aufgeht, steht allerdings in den Sternen: Denn im nicht unwahrscheinlichen Falle, dass die Vorgänge wieder vorwiegend der Linkspartei von Bodo Ramelow und der AfD von Björn Höcke nützen, könnte sich die Pattsituation der Lager wiederholen – mit stärkerem Mandat für diese beiden Akteure.

Neuauflage von Rot-Rot-Grün auf Kosten der FDP?

Entscheiden könnten sich die rechnerischen Mehrheiten neuerlich an der Frage des Wiedereinzugs der FDP. Manche patriotischen Beobachter wie der Politikwissenschaftler Benedikt Kaiser befürchten jedenfalls, dass es für eine Neuauflage von Rot-Rot-Grün im zweiten Versuch reichen könnte: