Jan Josef Liefers: Gibt sich nach seinem Video nun nachdenklich...

Die Satire-Videos von mehr als 50 Künstlern gegen die Corona-Diktatur erschütterten die öffentliche Meinungsblase. Noch bevor man alle der über 50 Videos sehen konnte, ruderten einige Künstler bereits zurück. Andere distanzierten sich sofort von ihren Kollegen.

Nachdem über 50 Schauspieler unter dem Motto „allesdichtmachen“ Videos veröffentlicht hatten, in denen sie in satirischer Form die Corona-Maßnahmen kritisierten, gingen die Wogen hoch. Waren doch unter den Mimen bekannte Schauspiel-Größen wie Jan Josef Liefers, Volker Bruch, Nina Proll, Heike Makatsch u. a. (Wochenblick berichtete).

Rundfunkrat forderte zeitweise sogar Berufsverbot!

Neben Zustimmung wurden aber auch schnell Rufe nach Berufsverboten gegen die abweichlerischen Bühnenkünstler laut. Besonders verstörend an diesem Ansinnen: Es kam von Garrelt Duin, seines Zeichens SPD-Politiker und Rundfunkrat des WDR, also eines öffentlich rechtlichen Senders. Der sollte – mit Steuergeldern finanziert – eigentlich Objektivität wallten lassen und ein möglichst breites Meinungsspektrum abbilden…

Zwar ruderte Duin etwas später später zuück und bezeichnete seinen Tweet als nicht angemessen und überzogen…

…jedoch sollte man von jemandem in seiner Position durchaus erwarten können, zuerst zu denken und erst dann zu schreiben. Zumal meist spontane und emotional getätigte Äußerungen tief in den Charakter eines Menschen blicken lassen und viel über dessen Weltbild offenbaren. Allein der Mohr hatte seine Schuldigkeit getan

Drohungen zeigen Wirkung

Allerdings zeigten die Rufe nach Zwang und Verboten schnell Wirkung. So war etwa die Schauspielerin Heike Makatsch eine der Ersten, die sich wieder von der Aktion distanzierte und ihr Video löschen ließ. Zudem fühlte sie sich bemüßigt, auf Instagram einen „selbstkritischen Beitrag“ zu verfassen und öffentlich Abbitte zu leisten.

 

 

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Ein Beitrag geteilt von Heike Makatsch (@heikemakatsch)

Aber sie war nicht die Einzige. Auch Trystan Pütter, Meret Becker und Kostja Ullmann traten einen geschwinden Rückzug an um ihre Karriere zu retten und wieder zu den Guten zu gehören. So erklärte Becker, sie lasse sich impfen, trage eh brav ihre Maske und werde auch weiter Abstand halten – wohl auch zu kritischen Kollegen – und sich auch testen lassen.

Liefers gleichzeitig selbstkritisch und erneut angriffig

„Ich möchte nicht mit Aluhütchen oder dergleichen verglichen werden“, erklärte sie und betonte, dass ein Instrumentalisierung von Seiten der Rechten das Letzte gewesen sei, dass sie gewollt habe. Auch Jan Josef Liefers zeigte sich inzwischen skeptisch, ob Satire wirklich das geeignete Mittel gewesen sei.

Allerdings bemängelte er auch die fehlende Transparenz der politisch Handelnden, wie die Entscheidungen zustande kommen: „Mir fehlt im Moment die Transparenz. Wie kommt eine Bundesregierung nach so vielen im Grunde halben, Viertel, ganzen, Dreiviertel-Lockdowns auf die Idee, es immer wieder zu machen?“

Künstler gegen Künstler

Aber auch aus den eignen Reihen, also denen der Kunstschaffenden hagelte es Kritik. Neben Kapazundern wie Oliver Pocher oder Jan Böhmermann distanzierten sich auch Schauspieler wie Elyas M’Barek, Christian Ulmen und Nora Tschirner von ihren Kollegen. M’Barek, der durch seichte Komödien wie „Türkisch für Anfänger“ oder „Fuck ju Göthe“ einige Bekannheit erlangte, schrieb unter das auf Instagram gestellte Video von Volker Bruch (dieser hat seinen Account inzwischen auf privat gestellt): „Come on, das ist doch Blödsinn. Was unterstellst du denn da unserer Regierung? Kann ich null nachvollziehen. Jeder will wieder zur Normalität zurückkehren und das wird auch passieren. Wenn alle dafür sorgen, dass eine weltweite PANDEMIE bekämpft wird. Mit Zynismus ist doch keinem geholfen.“

Mitinitiator verteidigt Aktion

Regisseur Dietrich Brüggemann, der laut Deutschlandfunk zu den Mitinitiatoren der Kampagne gilt, verteidigt die Aktion. Zudem griff er die Kritiker der Aktion scharf an: „Man wird beschimpft in einem Vokabular, das zynisch und menschenverachtend ist. Wenn hier überhaupt jemand rechts ist, dann ist dieser Shitstorm faschistoid.“

Zuvor hatte er schon auf Twitter scharf auf den „Shitstorm“ reagiert.


Kritik daran, dass diese Aktion den „Rechten“ in die Hände spiele, weist er von sich und kritisiert die Medien, die jeden Kritiker an den Corona-Maßnahmen sofort zum Abschuss freigeben und in ein bestimmtes Eck stellen.

Bedenkliche Angepasstheit

Besorgniserregend ist, wie schnell in der öffentlichen Meinungsblase „Distanzeritis“ und „Moralitis“ um sich greifen. Während man schnell bei der Hand ist, um kritische Kollegen zu verdammen und sich selbst auf die Seite der „Guten“ zu stellen und einen „Shitstorm“ zu produzieren, war es erstaunlich ruhig, als die Bundesregierung mit dem Infektionsschutzgesetz die Bundesländer entmachtete und sich noch mehr Möglichkeiten schaffte, die Bürger zu gängeln und einzusperren.

Man könnte sich auch fast an die DDR erinnert fühlen. Als letzter Schritt und krönender Abschluss auf die hysterischen Reaktionen auf die Satire-Videos fehlt da nur noch ein Schreiben an den Vorsitzenden des Staatsrates oder den Generalsekretär des Zentralkomitees – oder in diesem Falle an den Bundeskanzler oder an Bundespräsident mit der Bitte, die oppositionellen Künstler auszubürgern bzw. ihnen keine Rollenangebote mehr zu geben.

Bei Wolf Biermann, der es wagte die Obrigkeit in der DDR zu kritisieren, hat dies auch trefflich funktioniert – und das, obschon viele Künstler dagegen protestierten und deshalb, wie Manfred Krug, selbst mit Berufsverboten zu kämpfen hatten.

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