Tansanias Präsident, Dr. John Pombe Magufuli (61), starb am Mittwoch, unerwartet, an einem Herzinfarkt, in einem Spital in Dar es Salaam. Der promovierter Chemiker, auch „Tingatinga“ (Bulldozer) genannt, war für seine harte Haltung gegenüber Korruption, für seine „Tansania Zuerst“-Politik und seinen Widerstand gegen die global verordneten Corona-Maßnahmen bekannt. Er schuf sich mächtige Feinde. Ein hoher Regierungsbeamter glaubt, Magufuli sei vergiftet worden

UNO-Projektmanagerin wird Nachfolgerin

Nachfolgerin wird, laut Verfassung, die amtierende Vizepräsidentin Samia Suluhu Hassan (61), eine Muslima aus dem halb-autonomen und zu 99 Prozent muslimischen Teilstaat Sansibar. Sie ist in Ostafrika die erste Frau in diesem Amt. Beobachter erwarten Konflikte vor allem mit Magufuli-Anhängern und christlichen Vertretern. Suluhu arbeitete u.a. für die UNO als Projektmanagerin beim Welternährungsprogram (WFP). 1990 wurde sie Generaldirektorin einer Dachorganisation für NGOs in Sansibar. In die Politik ging sie 2000.

Startete Impfkampagne

2010 wurde sie Ministerin, 2014 Vize-Präsidentin. Sie war maßgeblich an der Gestaltung der neuen Landes-Verfassung beteiligt. 2015 wurde Magufuli Präsident und 2016 kam zu ersten Machtkämpfen. 2018 startete sie, unter Applaus von WHO und UNO, eine Impfkampagne für über 600.000 Mädchen ab 14 Jahren, gegen das Humane Papillon Virus (HPV, Auslöser für Gebärmutterkrebs). Im Vorjahr ging sie in einer Rede Magufuli frontal an: niemand verstehe, was er wolle in welche Richtung er gehe.

Hassan präsentierte sich mit Maske:

 

Gerüchte: Covid-19, Herzinfarkt, Gift?

Magufuli trat seit Ende Februar nicht mehr an die Öffentlichkeit. Die in Brüssel ansässige Exil-Opposition lancierte das Gerücht, er sei schwer an Covid-19 erkrankt, als Intensivpatient nach Kenia und dann nach Indien gebracht und dort behandelt worden. Mittlerweile brodelt die Gerüchteküche. Magufuli habe mächtige Feinde, er sei von den Chinesen, gemeinsam mit westlichen Ländern, vergiftet worden, zitiert Kenya News einen hohen Regierungsbeamten, der anonym bleiben will. Mit seiner restriktiven Ressourcenpolitik habe er sich den Zorn internationaler Konzerne zugezogen. Denn im Land abgebaute Rohstoffe müssen auch hier verarbeitet werden, für Rohstoff-Exporte ist eine Regierungsgenehmigung erforderlich. Kürzlich ließ Magufuli für China bestimmte Rohstoffe im Hafen von Dar es Salaam beschlagnahmen. Zum Schutz lokaler Hersteller hob Magufuli hohe Zölle auf bestimmte Importe ein. Gastarbeiter, viele davon illegal im Land, mussten Tansania verlassen, sie stehlen den Einheimischen die Jobs, hieß es. Auch seine Beamten verärgerte er, weil er ihnen unnötige internationale Reisen und Ausgaben untersagte.

Pandemie-Rebellion

Auch in der Corona-Pandemie ging Magufuli seinen Weg: er stellte die Gefährlichkeit des Corona-Virus in Frage und lehnte Lockdowns, Masken sowie den Import von Covid-19-Impfstoffen ab. Die PCR-Tests machte er lächerlich: Proben einer Papaya, einer Ziege und einer Wachtel, die er unter falschen Namen an die WHO schickte, wurden positiv getestet. Er feuerte daraufhin den Chef des Gesundheitslabors und warf das WHO-Team aus dem Land. Von der EU bekam er 27 Millionen Euro zur Bekämpfung von Covid-19, Bedingung war die Einhaltung der WHO-Richtlinien, also strikte Lockdowns, Tests, Maskenpflicht und ein Covid-19-Impfprogramm. Tansania erklärte das Land kurz danach, im Mai, für „coronafrei“. Beobachter erwarten, dass seine Nachfolgerin all diese Regeln verpflichtend macht. Sie wird bereits gelobt, für ihr Auftreten mit Mund-Nasen-Schutz, als Vorbild für die Bürger von Tansania.

 

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