Obwohl bereits Covid-19-geimpft, wurden der 58-jährige Ex-Präsident von Peru, Martin Vizcarra, und seine Frau nun Corona-positiv getestet. Beide haben Symptome und sind in Quarantäne. Dieser Umstand wirft Fragen auf.  

von Kornelia Kirchweger

Der Ex-Politiker schrieb: „Trotz aller nötigen Sorgfalt, zu vermeiden, dass wir das Virus nach Hause bringen, wurden meine Frau und ich positiv auf COVID getestet und zeigen Symptome. Meine Familie hat die notwendigen Isolationsmaßnahmen ergriffen. Wir dürfen unsere Wachsamkeit nicht schleifen lassen.“

Riesen „Vordränge“-Skandal: Eile schütze nicht vor Virus

Er hatte sich vorigen September, damals noch als amtierender Präsident, „heimlich“ das Vakzin des chinesischen Herstellers Sinopharm verabreichen lassen. Der Kongress bestrafte ihn daraufhin mit einer 10-jährigen Ämtersperre. In den Impf-Skandal waren knapp 500 Politiker, Funktionäre und Beamte in Peru involviert. Auch der frühere Gesundheitsminister und die Ex-Außenministerin wurden mit einer „Ämtersperre“ belegt, beide sind wegen des Impfskandals zurückgetreten.

Anti-Korruptions-Politiker stolperte über Impf-Affäre

Vizcarra kann wegen seiner Sperre nun auch sein Parlamentsmandat, das er am 11. April erhielt, nicht mehr wahrnehmen. Der als politisch in der Mitte stehende Politiker war von 2018-2020 Präsident von Peru und beim Volk sehr beliebt. Er war der erste südamerikanische Staatschef, der ein Klimagesetz einführte. Sein wichtigstes politisches Ziel war der Kampf gegen die im Land weit verbreitete Korruption.

Per Referendum wollte Vizcarra 2018 unter anderem die private Finanzierung von Wahlkampagnen verbieten, was auch durchging. 2020 löste er den Kongress auf und setzte dessen Neuwahl durch. Er dürfte sich dabei mächtige Feinde geschaffen haben. Sein „Vordrängeln“ beim Impfen war seinen Gegnern wohl ein willkommener Anlass, ihn endlich loszuwerden. Schon mehrmals hatte der Kongress versucht, Vizcarra aus dem Präsidentenamt zu entfernen.

Zwei Masken und Sonntagsquarantäne

Peru hat rund 1,75 Mio gemeldete Corona-Fälle und über 59.000 mit oder an Corona Verstorbene. Die Zahlen gingen in den letzten Wochen wieder nach oben. Die Maßnahmen wurden verschärft. Die Menschen in Peru müssen neuerdings in Geschäftsräumen, Einkaufszentren und Läden – unter den bisher obligatorischen Plastikschutzschirmen – auch noch eine Maske tragen. Masken werden gratis verteilt.

An Sonntagen gilt ab jetzt in der Hauptstadt Lima und in 41 der 196 Provinzen eine allgemeine Quarantäne. Im Juni findet die nächste Präsidentenwahl statt. Zur Auswahl stehen der linke Kandidat Pedro Castillo und die Konservative Keiko Fujimori. Die Tochter des früheren Amtsinhabers Alberto Fujimori (1990-2000) kandidierte schon einmal im Jahr 2011 und verfehlte nur knapp die Mehrheit.

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