Im April berichtete der „Wochenblick“ über eine schier unglaubliche Rechtssache: Eine Frau sollte per Gerichtsurteil nach einem Hausverkauf 72.000 Euro zurückzahlen, weil der Käufer unter Wahnvorstellungen gelitten haben soll. Jetzt konnte sie einen Teilerfolg vor Gericht einfahren!

Nachzahlung wegen Wahnvorstellungen

Das war schwer zu glauben: Die 56-jährige Johanna Schütz verkauft einem älteren Ehepaar ihr Haus (Bez. Rohrbach). Dann der Schock: Sie wird geklagt und soll über 72.000 Euro zurückzahlen. Ein Sachverständiger erklärt den Käufer wegen Wahnvorstellungen rückwirkend für geschäftsunfähig, die Richterin folgt dem Gutachten.

Das Ehepaar verkaufte das Haus um 62.000 weniger weiter, weil der Mann offenbar unter Wahnvorstellungen litt und an eine starke Strahlenbelastung des Hauses durch Wasseradern glaubte. Diese Differenz plus Zinsen und Anwaltskosten sollte die Frau blechen und stand vor dem Ruin. „Ich verstehe die Welt nicht mehr“, sagte Schütz im Gespräch mit dem „Wochenblick“.

Brisant: Der Mann war offenbar in abwechselnder Reihenfolge geschäftsfähig, geschäftsunfähig und dann wieder geschäftsfähig! Sein Weiterverkauf des Hauses wurde nämlich rechtlich nicht belangt.

Rückwirkende Geschäftsunfähigkeit

Die Umstände rund um das Urteil schienen höchst dubios. So wurden etwa diverse Zeugen nicht befragt und weitere Geschäfte des klagenden Mannes, bei dem er offenbar das selbe Verhalten an den Tag legte, nicht beachtet. Es wurde schlicht eine rückwirkende Geschäftsunfähigkeit festgestellt – über einen Zeitraum von zwei Jahren!

Der „Wochenblick“ berichtete ausführlich, zeigte die Missstände auf.

Jetzt lenkte das Gericht ein und Johanna Schütz konnte zumindest einen Teilerfolg eingefahren: Das Oberlandesgericht (OLG) hob das Urteil, sah umfassende Verfahrensfehler und erklärte das Gutachten des Sachverständigen für unzulässig.

Das Gericht verlangt, dass auch die Geschäftsfähigkeit beim Weiterverkauf durch einen neuen Gutachter zu prüfen ist. Zusätzlich muss der Gutachter bei der Verhandlung anwesend sein und alle Zeugenaussagen anhören.

Ungleiche Waffen

Johanna Schütz kritisiert gegenüber „Wochenblick“ besonders das massive Ungleichgewicht der Parteien im Prozess:  „Der Sachwalter braucht nicht zu überlegen, wie viele gerichtliche Instanzen er durchficht (Anm. d. Red.: die klagende Partei wird von einem Sachwalter vertreten). Denn er prozessiert ja mit dem Geld des Ehepaars! Jeder andere Prozessgegner müsste das Risiko genau abwägen, aber er kann endlos prozessieren, wenn er will“.

De Frau übt auch scharfe Kritik am Pflegeschaftsgericht. Deren Verhalten, den Sachwalter endlos prozesszieren zu lassen, findet sie mehr als bedenklich.

Es ist noch nicht vorbei

Abgesehen von der ersten Freude ist der Kampf jedoch noch nicht vorbei. Bisher belaufen sich die rechtlichen Kosten für die Frau auf etwa 7.500 Euro. Für weitere Prozesse fehlt ihr schlicht das Geld. Darüber hinaus ist der Ausgang der Neuverhandlung unklar.

Und auch, wenn die Geschichte eine juristisch gutes Ende für die Frau nehmen sollte sagt sie: „Den gesundheitlichen Schaden, den ich jedoch davon getragen habe, der wird wahrscheinlich nicht mehr gänzlich gut zu machen sein, die Belastung über diese lange Dauer war einfach zu viel für mich! Und ich weiß noch gar nicht, wie ich diese enorme Belastung auch noch weiterhin aushalten soll.“

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