Die österreichische Bundesregierung spielt wieder einmal Vorreiter bei der Verschärfung von Maßnahmen. Schon die bisherigen Maßnahmen sind genau das Gegenteil von dem was Staaten wie Ungarn, Dänemark und eine wachsende Zahl weiterer Länder machen. Und diese fahren damit wesentlich besser als Österreich.

  • Bei über 30-Jährigen mehr Geimpfte mit Corona-Infektion als Ungeimpfte
  • Unklare, fehlende und widersprüchliche Daten
  • AGES veröffentlicht seit 5. Oktober keine Zahlen über Ungeimpfte im Spital
  • Maßnahmen ohne belastbare Datenbasis

Von Peter F. Mayer zuvor auf www.tkp.at veröffentlicht.

Am Freitag gaben Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) und Neo-Kanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) neue geplante Einschränkungen für Ungeimpfte bekannt. Ab 600 mit Covid-Patienten belegten Betten soll es „Ausgangsbeschränkungen“ für Ungeimpfte geben. Aktuell sind es laut AGES Dashboard angeblich 220. Verlassen des eigenen privaten Wohnbereichs sei dann nur noch in Ausnahmefällen gestattet. Erlaubt ist dann etwa noch die Grundversorgung (wie Einkäufe), Spazierengehen oder der Weg zur Arbeit – analog zur Regelung im Frühjahr 2020.

Maßnahme widerspricht wissenschaftlichen Erkenntnisse und den Daten

Wir wissen mittlerweile, dass die Geimpften sogar häufiger Corona-Infektionen haben als Ungeimpfte. Die penibel erhobenen Daten aus Großbritannien zeigen das. Vorige Woche gab es bei den Geimpften über 30 Jahren einen relativ höheren Anteil von Infektionen – symptomatisch und asymptomatisch. Sehen wir uns an wie sich das in der relativen Risikoreduktion (RRR) und der absoluten Risikoreduktion für Geimpfte ausdrückt:

Es gibt also immerhin 3 Altersgruppen mit mehr als der doppelten Infektionsrate wie bei Ungeimpften. Die Zahlen in der Rubrik Geimpft bzw Ungeimpft sind jeweils auf 100.000 Geimpfte bzw Ungeimpfte normiert. Wie man zu diesen Daten kommt und Links zu den Quellen der britischen Behörden finden Sie hier.

Wir wissen weiter aus einer ganzen Reihe von Studien, dass die Virenlast bei Geimpften mindestens gleich ist wie bei den Ungeimpften, in einer Studie der renommierten Oxford University Clinical Research Group wurde sogar eine 251-fach höhere Viruslast festgestellt. Wenn man also Maßnahmen ergreifen möchte, müsste man den Lockdown über die Gruppen verhängen, die die meisten Infektionen haben und diese auch weiter verbreiten können. Aber Lockdowns sind generell sinnlos,  wie eine ganze Reihe von Studien bewiesen haben, wie zum Beispiel die der Harvard Professoren.

Unklare oder fehlende Datenbasis

Voraussetzung für die Anordnung dieser Maßnahme wären genaue Daten über die Erkrankungen und Spitalsbelegungen, die transparent und öffentlich zugänglich sind. Dem ist aber nicht so. Die AGES hatte am 28.9. im Wochenbericht über Impfdurchbrüche 25 hospitaliserte Geimpfte für die 4 Wochen von KW 35-38 gemeldet. Allein am 22. 9. hatte aber das Amt der Tiroler Landesregierung 21 Geimpfte auf der Normalstation und 4 auf der Intensivstation, also insgesamt 25, gemeldet. Die Zahl im Bericht der AGES war also ganz klar grob falsch. Mehr Details, Links und Screenshots dazu hier.

Ab 23.9. hat man in Tirol damit aufgehört über den Anteil der Geimpften im Spital zu berichten und heute, 23.10., werden überhaupt keine Zahlen von Belegung der Normal- und Intensivstation genannt. In Vorbereitung der Zwangsmaßnahme „Lockdown für Ungeimpfte“. Nur die peniblen Vorarlberger berichten noch, zumindest sind derzeit aktuell die Daten vom 21.10. zu finden mit stationär betreuten 7 COVID-19-Patienten, davon 3 „vollimmunisiert“ und trotzdem krank. Auf der Intensivstation sind derzeit 3 Covid-Patienten.

Zum Vergleich waren am 12.10. von 19 stationär betreuten Covid-Patienten noch 12 „vollimmunisert“, also 63% der Kranken, wie hier inklusive Screenshot berichtet. Also offenbar sinkende Zahlen in den vergangenen 4 Wochen. Passt auch nicht ganz zur Erzählung von Mückstein und Schallenberg, zumindest dort wo es penibel erhobene und veröffentlichte Zahlen gibt.

Vorarlberg hat mit 401.158 Bewohnern rund ein Zwanzigstel der Bevölkerung von Österreich und 3 Intensivpatienten, Wien soll 75 haben laut AGES und Österreich insgesamt 220. Laut AGES sind in Vorarlberg 5 Patienten auf der Normalstation, laut LKH Vbg sind es 7, davon 3 „vollimmunisiert“ – siehe oben. Sehr eigenartig.

Aber die AGES weiß selbst, dass sie keine Daten oder zumindest keine zuverlässigen Daten hat. Deshalb finden sich auch ab dem Wochenbericht vom 5.10. keine Zahlen mehr über Geimpfte im Spital. Die AGES hat am 15.10. eine Berechnung der Impfeffektivität für die in Österreich eingesetzten Impfstoffe veröffentlicht. Untersucht wurden die Zahl der Infektionen im Zeitraum 1.2. bis 5.9.2021 (KW 5-35). In einer früheren Version der Ausarbeitung, die hier zum Abruf von der AGES Seite bereitsteht, wird dies auch ganz offen zugegeben:

„Limitation unsere Studie: Der AGES liegen derzeit keine verlässlichen Daten zum Schweregrad der COVID19 Erkraknung vor bzw. keine Information über Hospitalisierung oder erforderliche Intensivpflege des COVID19 Erkrankten. Aus diesem Grund kann die Wirksamkeit der Impfstoffe in Bezug auf die Verhinderung von schweren Verläufen sowie letalen Ausgang einer SARS-CoV2 Infektion NICHT berechnet werden.“

Screenshot:

(Das ganze Dokument ist hier zum Download verfügbar.)

Also nochmal: Mitte Oktober lagen „keine verlässlichen Daten zum Schweregrad der COVID19 Erkraknung vor bzw. keine Information über Hospitalisierung oder erforderliche Intensivpflege des COVID19 Erkrankten.“ Auf welcher Basis soll nun festgestellt werden, wann 600 Betten belegt sind? Folgt man dieser Aussage der AGES, dann stimmen selbst die 220 von gestern nicht.

An der Zählung der Bettenbelegung gab es immer wieder Kritik, die Verlegung von einer Station zur anderen führte zu zwei belegten Betten, Rückverlegung auf die Normalstation wird nicht verbucht etc. Für Spitäler sind ausgelastete Intensivbetten ein ökonomisches Muss. Es werden also Maßnahmen ohne valide und jederzeit fälschbare Datenbasis angekündigt.

Fazit

Unter dem Strich leugnet die Maßnahme den Stand der derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnis, es fehlt eine korrekte Datenbasis und sie ist rechts- und verfassungswidrig. Als Mittel um die, die sich bisher nicht impfen lassen wollten, nun dazu zu zwingen, ist sie völlig ungeeignet. Sie wird nur den Widerstand nochmal massiv verstärken. Damit wird auch der einzige Sinn und Zweck der Maßnahme nicht erfüllt werden, nämlich die Ungeimpften zur Impfung zu zwingen.

Wirksam ist sie ohnehin nicht, denn erstens wirken Lockdowns ohnehin nicht, wie eine Reihe von Studien belegt haben und zweitens gehen die, die sich testen lassen müssten, ohnehin nur zu einem geringen Prozentsatz zum Heurigen, ins Bad, zum Wirt’n, Friseur oder zum Masseur.

Dieser Beitrag von Peter F. Mayer wurde zuvor auf www.tkp.at veröffentlicht.

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