Wegen unbotmäßiger Äußerungen geriet der Künstler Xavier Naidoo zum Geächteten linker Gesinnungswächter. Eine Episode, die leider kein Einzelfall ist.

Kommentar von Alfons Kluibenschädl

Es gehört eigentlich schon zum guten Ton für Musiker und andere Künstler, sich „politisch und gesellschaftlich zu engagieren“. Rapper spenden ganz öffentlich für Asyl-NGOs oder reisen in der Weltgeschichte umher, um Kinder aus fernen Ländern zu adoptieren. Und wenn Grönemeyer „diktieren“ will, „wie eine Gesellschaft auszusehen“ hat, johlen viele vor Begeisterung.

Aufgebauschter Skandal um Naidoo

Aber wehe man äußert sich auf eine Art, welche nicht dem herrschenden Zeitgeist entspricht. Diese Woche empörte sich halb Twitter über ein angeblich rassistisches Video von Xavier Naidoo. Ein WDR-Moderator sah ihn sogar in der geistigen Tradition rechts-terroristischer Anschläge. Angesichts der Intensität der Aufregung hätte man also meinen können, Naidoo rufe dazu auf, Flüchtlingsheime anzuzünden. Oder wünsche sich einen Schießbefehl an der griechisch-türkischen Grenze. Aber weit gefehlt!

Er beklagte sich nämlich lediglich mit gewohnt gefühlvoller Stimme über die Häufung an Morden durch Zuwanderer und regte sich über die politische Korrektheit im Land auf. Mehr brauchte es nicht und Naidoo, der als Kind selbst wegen seiner dunklen Haut gehänselt wurde, war der Hofrassist, den es zu ächten galt. Dafür, dass er die Gedanken vieler Menschen aussprach, warf ihn letztlich sogar RTL aus der Jury von ‚Deutschland sucht den Superstar‘. Dort darf er also künftig nicht mehr an der Seite von Ex-DKP-Mitglied Bohlen das Gesangstalent junger Menschen bewerten.

Unterschiedliches Maß

Die Episode entlarvt zweierlei. So zeigte sich der heimliche Rassismus vieler Linken, die sich in einer Verpflichtung quasi als ‚Ersatzeltern‘ für Einwanderer sehen  – solange diese ihr Lied singen. Als Naidoo sich 2001 mit den ‚Brothers Keepers‘ gegen Rassismus aussprach, reichte man ihn herum, jetzt sah man ihn als bösen Menschen. Es erinnert ein wenig an die Causa der holländische Islam-Kritikerin Ayaan Hirsi Ali, für deren Ausbürgerung wegen falscher Angaben im Asylverfahren sich ausgerechnet die einstigen politischen Genossen aussprachen…

Und der Umstand, dass man im Kulturbereich nicht mit demselben Maß misst. Wenn die ‚Antilopen Gang‘ die Deutschen als „achtzig Millionen, die man abschlachten muss“ bezeichnet, bekommt sie eine Einladung ins öffentlich-rechtliche Fernsehen. Wenn Naidoo sich über die Tötung von Deutschen aufregt, fliegt er hochkant aus dem TV. Denn was nicht sein darf, kann nicht sein: Unbotmäßige Kritik von nicht-linker Seite ist tabu.

Hysterie ist kein Einzelfall

Naidoo ist nicht der erste, der das miterleben muss. So kann der Sänger von ‚Feine Sahne Fischfilet‘ trotz linksextremer Vergangenheit im Verfassungsschutzbericht den SPD-Bundespräsidenten Steinmeier zu seinen Fans zählen. Aber wehe, Frei.Wild-Frontmann Philipp Burger spielte mit 19 in einer Skinhead-Band. Das führte trotz unaufgeforderter Distanzierung noch zwölf Jahre danach zu Boykott-Ankündigungen bei Musikpreisen. Den Böhsen Onkelz haftet der Vorwurf auch noch nach vierzig Jahren regelmäßig an.

Und Naidoo wird wahrscheinlich nicht der letzte sein, der die Erfahrung machen muss, dass im ‚freiesten Deutschland, das es jemals gab‘ die Meinungsfreiheit nur mit der „richtigen“ Meinung etwas zählt. Erst vor kurzem traf es auch Andreas Gabalier anlässlich seiner Prämierung mit dem Karl-Valentin-Preis. Plötzlich zauberten irgendwelche Quatsch-Wissenschaftler irrwitzige Interpretationen hervor, welch „reaktionärer Kitsch“ und wie gefährlich dessen Weisen doch seien. Kein Witz.

„A Meinung hom, dahinter stehn“

Apropos Gabalier – hier schließt sich der Kreis zu Naidoo. Vor einiger Zeit traten die zwei Querdenker gemeinsam auf. Im Duett sangen sie ein nachdenkliches Lied des „Volks Rock’n’Rollers“. Dessen Titel lautet „A Meinung hom, dahinter stehen“. Die beiden vermutlich originellsten und unbiegsamsten Erscheinungen der deutschsprachigen Mainstream-Musik hätten sich wahrlich kein treffenderes Lied aussuchen können…