Der Vorwand Klimaschutz dient oft der Geschäftemacherei. Auf den echten Naturschutz wird dabei gerne vergessen, weil er keinen Profit bringt, kritisiert Josef Limberger, der Obmann des Naturschutzbundes OÖ. Dieser ist die älteste und eine der größten Naturschutzorganisationen des Landes.

Ein Interview geführt von Elsa Mittmannsgruber

„Wochenblick“: Man hat den Eindruck, dass durch die alles überlagernde Klimadebatte die wirklich pressierenden Themen im Natur- und Umweltschutz ins Hintertreffen gelangen. Täuscht das?

Josef Limberger“: Nein, das täuscht nicht. Der Naturschutz hat zurzeit einen schweren Stand. Denn jeder sagt: „Das ist ja jetzt nicht so wichtig“ und konzentriert sich auf die Klimarettung. Der Naturschutz ist aber die Lebensgrundlage und beinhaltet den Klimaschutz.

Erneuerbare Energien und E-Mobilität als Heilsbringer?

Das eine kann ohne das andere nicht funktionieren. Gute Beispiele dafür sind die erneuerbaren Energien und E-Mobilität, die als die großen Heilsbringer dargestellt werden. In Wirklichkeit werden durch neue Windkraft- und Solaranlagen nur riesige Flächen verbaut und durch ausrangierte Geräte Tonnen an Müll produziert.

Zudem gehen Gefahren von solchen Anlagen aus, wenn sie in Wäldern errichtet werden und zu brennen beginnen, wie in der Vergangenheit bereits mehrmals geschehen. Und bei der so gerühmten E-Mobilität verhalten wir uns wie die alten Kolonialherren und zerstören für unsere Produktion von angeblich „sauberen“ Autos Ökosysteme und Lebensgrundlagen von Menschen in anderen Ländern.

Auch hier haben wir wieder das enorme Problem mit dem Sondermüll, der durch Autowracks entsteht, und die Gefahr von brennenden Akkus, die zurzeit noch keiner richtig entsorgen kann.

Einsparen!

Was wäre also der bessere Ansatz?

Sparen und sich etwas beschränken! Nie hören wir diese Worte. Anstatt immer mehr zu produzieren, sollte der Fokus auf dem Einsparen von Energie, Flächen und Rohstoffen liegen, die wir ohnehin schon auf Kosten der nächsten Generationen verbrauchen.

Zum Beispiel sollten verpflichtend Solaranlagen – die durchaus auch ihre Schwächen haben, aber meines Erachtens noch der gangbarere Weg sind  – auf den riesigen Flachdächern von Einkaufszentren und Gewerbebauten installiert werden, statt dafür wertvolle Flächen zu verbauen.

Wir sollten vom massiven Stromverbrauch runterkommen, anstatt immer mehr neue Windmonster in die Landschaft zu stellen. Supermärkte mit ihren Parkflächen versiegeln Unmengen an Böden. So könnten sie zumindest einen Teil zur allgemeinen Stromversorgung beitragen.

Es könnten auch mehr Private gefördert werden, die im Kleinen für sich Strom produzieren wollen. Auch sollten leere Fabrikhallen und Gebäude einer Nachnutzung zugeführt werden, anstatt immer neue Flächen zu versiegeln.

Vor allem sollte man den öffentlichen Verkehr günstiger machen, und zwar so, dass sich jeder eine Karte leisten kann und das Streckennetz sowie die Anbindbarkeit von ländlichen Regionen fördern. Man sollte Strom einsparen, indem man die Überproduktion von Gütern eindämmt, die nicht lebensnotwendig sind, oder Streaming-Dienste nicht ausufern lassen.

Schluss mit der Überproduktion

In der Landwirtschaft sollten, anstatt der Massenproduktion und vor allem der Überproduktion besser die Bauern gefördert werden, die ökologisch, lebensbejahend und regional produzieren. Es werden Tonnen an Lebensmitteln täglich in unseren Supermärkten weggeworfen.

Auch diese gehören in die Pflicht genommen, dass sie diese Lebensmittel verwerten oder weitergeben müssen – zum Beispiel für Bedürftige, was Gott sei Dank bereits in Ansätzen passiert. In Frankreich ist das schon gesetzlich verankert. Aber das Grundlegende ist, dass wir nicht so viel produzieren dürfen.

Das geht zu Lasten der Umwelt und drückt bei den Landwirten den Preis. Zu unserer Waldwirtschaft: Wir haben in Borkenkäfer- und Trockenschadenszeiten totalen Holzüberschuss.

Anstatt aber das Holz hier zu verwerten, und etwa Pellets für den Konsumenten preiswerter zu machen, liefern wir viel Holz nach China, legen weite Transportwege in die Häfen und mit Lastschiffen zurück und belasten mit solchen Transporten wiederum die Umwelt.

Da sollte man regionaler denken und Wälder besser so bewirtschaften, dass sie ihre wichtige Funktion als grüne Lunge und wertvoller Lebensraum erfüllen können.

Schneller Gewinn und ewig wachsender Profit

Aber das bringt halt alles weniger Geld …

Ja natürlich, Teile der Wirtschaft dominieren bei uns alles. Dort regiert der Neoliberalismus, da geht’s um den schnellen Gewinn und ewig wachsenden Profit. Die Politiker werden von solch mächtigen Lobbys beeinflusst.

Immer wieder werden ganz große, oft unausgereifte Lösungen als heilsbringend für die Welt verkauft. Im Endeffekt stellen sich viele als schädlich für die Umwelt heraus, und sei es auch in anderen Teilen der Welt.

Was sind im Naturschutz die dringlichsten Probleme?

Das rasend voranschreitende Artensterben in Verbindung mit der Zerstörung von Lebensraum, die sich ja bedingen. Hören wir auf mit der Wahnidee vom ewigen Wachstum, sonst haben wir diesen Planeten bald verloren.

Bewusstsein für die Umwelt entwickeln

Was kann ein jeder von uns tun?

Bewusster, regionaler und nachhaltiger einkaufen und Ressourcen sparen, Dinge wiederverwerten und reparieren, anstatt sie wegzuwerfen. Keine Billigwaren in den großen Handelsketten kaufen, die nur auf Kosten der Umwelt so günstig produziert werden können.

Achtsam mit den Kindern in die Natur gehen, sie etwas lehren, ohne belehrend zu sein. Die Artenkenntnis wieder steigern, diese nimmt weltweit massiv ab. Wir müssen die Wunder unserer Umwelt und ihre Funktion im Kreislauf wieder wahrnehmen.

Denn nur, wenn ich das Faszinierende wirklich erlebe, sehe und spüre, bin ich auch bereit, was dafür zu tun.