Der 36.000 Mitglieder starke in Dortmund beheimatete Verein Deutsche Sprache e.V. (VDS) verleiht seit 1997 für besonders bemerkenswerte Fehlleistungen im Umgang mit der deutschen Sprache einen Negativpreis, den „Sprachpanscher des Jahres“. In der Regel wird vor allem die Verwendung von Anglizismen kritisiert. Einmalig in der Geschichte des Preises erhält Ursula von der Leyen nun zum zweiten Mal den Negativpreis. Ob sie ihn annehmen wird?

  • Bereits für das Jahr 2014 erhielt Ursula von der Leyen den weithin beachteten Negativ-Preis „Sprachpanscherin des Jahres“
  • Damals hielt sie eine Rede vor der Münchener Sicherheitskonferenz in Englisch
  • Und schon wieder wird kritisiert, dass von der Leyen Reden kaum in Deutsch hält
  • Abgehobene Elite: Ist ihnen ihre Muttersprache peinlich?

Von Achim Baumann

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Die deutsche Sprache verändert sich. Was allerdings bislang ein jahrhundertealter Prozess war, wird mit dem zunehmenden Gendern mit brachialer Gewalt forciert – und dies, obwohl rund 70 Prozent der Bevölkerung sich dagegen ausspricht. Aber auch mit der regelmäßigen Abkehr von der deutschen Sprache durch Politik und Medien verstetigt sich der Eindruck, die deutsche Sprache sei nicht mehr „modern“, gerade bei unserer Jugend, Stichwort Anglizismen – was natürlich nicht besonders vorbildlich von unseren Eliten ist. Und unverständlich ist es zudem, wenn herausragende Honoratioren ganz auf ihre Muttersprache verzichten – so wie wieder einmal Ursula von der Leyen.

Der Negativ-Preis

Mit dem Negativpreis „Sprachpanscher“ versucht der VDS für die Problematik zu sensibilisieren. So wird der Preis heuer bereits zum 24. Mal vergeben. Bisherige „Sprachpanscher“ waren unter anderem der ehemalige Bahnchef Hartmut Mehdorn, der ehemalige Intendant des WDR, Fritz Pleitgen, und zuletzt die Tagesschau, die heute-Nachrichten und sogar die Duden-Redaktion.

Die „hippe“ Ursula

Ursula von der Leyen hat in Brüssel studiert, spricht mehrere Sprachen. Ob sie es nötig hat, sich als Weltbürgerin und passionierte EU-Bürgerin in Szene zu setzen, wenn sie auf der großen Bühne in Englisch oder Französisch referiert? So fragt sich der VDS-Vorsitzende Professor Walter Krämer zurecht, „warum drückt sie sich nicht auf Deutsch aus, der Sprache, in der sie fehlerfrei kommunizieren kann?“ Er spielt auf ihre zahlreichen Auftritte als EU-Kommissionspräsidentin an, bei denen sie stets nicht in ihrer Muttersprache spricht. Dabei ist Deutsch offizielle Amtssprache in der EU und nach dem Wegfall der Briten meistgesprochene Sprache in der Union. Kein Wunder also, dass sie von den zum Teil prominenten VDS-Mitgliedern zu der Person gewählt wurde, die im vergangenen Jahr besonders nachlässig mit der deutschen Sprache umgegangen ist – auf Platz eins.

Die anderen Plätze

Der zweite Platz geht an das Berliner Traditionskaufhaus KaDeWe (Kaufhaus des Westens) für die Werbebotschaft „Entdecken Sie unseren Department Store: Internationale Designermarken und lokale Brands, Events und Specials, exzellenter Service. (…) Auf sieben Etagen erwartet Sie alles von Fashion über Beauty und Home bis hin zu Food. Limited Editions, Kooperationen und exklusive Edits vervollständigen die Vielfalt.“

Auf Platz drei rangiert eine weitere Politikerin: die Bundesjustizministerin Christine Lambrecht. Ihr Ministerium hatte gleich einen ganzen Gesetzesentwurf nur für Frauen vorgelegt – von „Haftung der Schuldnerin“ und „Geschäftsleiterinnen“ war die Rede. Ein Glück, dass der Entwurf vom Bundesinnenministerium gestoppt wurde.
Platz vier geht an den Autobauer Audi, dessen Gender-Leitfaden besonders grauenvoll klingt. Natürlich fehlen auch nicht die Medien, denn auf Platz fünf gelandet ist die Tageszeitung (TAZ). In einem Beitrag zum für die TAZ offenbar besonders wichtigem Welttoilettentag nannte sie im November 2020 Frauen „Menschen mit Gebärmutter“. „Ein Schlag ins Gesicht für alle Frauen, die aufgrund von Fehlbildungen keine haben oder sie sich entfernen lassen mussten und damit psychisch zu kämpfen haben“, so der VDS kritisch.

Man kann dem gemeinnützigen Verein Deutsche Sprache dankbar dafür sein, dafür einzutreten, dass Deutsch nicht zu einem Feierabenddialekt verkommt, sondern als Sprache von Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft erhalten bleibt – auch wenn die Fülle an Fällen möglicher Preisverleihungen immer größer wird.

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