Das wird wieder für politischen Wirbel sorgen! Der Wiener Zeitung „Falter“ liegen neue, interne Dokumente aus den Krisenstäben der Regierung vor. Sie geben Einblick, auf welcher Basis die politischen Entscheidungen zu Beginn der Corona-Krise in Österreich getroffen wurden. Sie belegen: Die Ratschläge von Experten wurden laufend ignoriert.

Viele Beobachter vermuteten zu Beginn der Krise: Es dürften zu wenig Masken und Tests vorhanden sein, weshalb damit auch sehr spärlich umgegangen wurde. Die neuen Dokumente belegen diese Vermutung nun nachträglich.

„Knappheit nicht vermeidbar“

Der „Falter“ gibt in seinem Bericht umfangreich Einblick in die Dokumente und zitiert ausführlich. Experten empfahlen schon im Februar, mehr Masken und Tests zu besorgen, was von der Regierung ignoriert wurde.

So heißt es etwa in einem Protokoll des Expertenstabes des Gesundheitsministeriums von Rudolf Anschober, vom 3. März, 16 Uhr: „Die Knappheit scheint jedenfalls nicht mehr vermeidbar…“ Daher sollten Masken, Schutzanzüge und Handschuhe nur dort eingesetzt werden, wo sie wirklich notwendig sind.

Virus „für 80% der Bevölkerung nicht gefährlich“

In einem internen Mailverkehr vom 14. März tauschen sich die Regierungs-Berater über den angekündigten „Lockdown“ aus. Sie betonen, dass das Coronavirus für die Masse nicht gefährlich sei. Eine anderslautende mediale Darstellung wäre falsch!

Der Leiter des staatlichen Gesundheitsinstituts AGES, Unversitäts-Professor Dr. Franz Allerberger: „Wir sollten versuchen, die derzeitige Sprachregelung bald zu ändern und möglichst schnell von der Botschaft ‚ganz gefährliches Virus‘ wegkommen.“ Die Botschaft vom „ganz gefährlichen Virus“ sei kontroproduktiv, er warnt vor entstehenden „Kollateralschäden, die weit über Covid-19 hinausgehen“ würden.

Schließlich hält er fest: „Sars-CoV-2 ist für über 80 Prozent der Bevölkerung nicht gefährlich.“ Die anderen Experten, wie Public-Health-Experte Martin Sprenger oder Günter Weiss, Internist und geschäftsführender Direktor der Medizinischen Universität Innsbruck, pflichten ihm bei. Ohne Erfolg, wie die weiteren Ereignisse zeigen. Die Regierung sprach vielmehr davon, dass „100.000 sterben“ würden und Kanzler Kurz sagte: „Bald wird jeder von uns jemanden kennen, der an Corona gestorben ist.“ 

Experten raus, Parteipolitik rein

Die Regierung beruft sich jetzt gerne darauf, dass ja nachträglich alle klüger sein würden. Die internen Protokolle belegen aber einmal mehr, dass es an kritischen wissenschaftlichen Stimmen nicht gemangelt hätte.

Barbara Tóth vom „Falter“ zieht ein bitteres Resümee:

„Am Ende dokumentieren die Powerpoint-Folien aus dem nationalen Krisenstab vor allem eines: den schleichenden Bedeutungsverlust der Experten im Gesamtkrisenmanagement. Der nationale Krisenstab, an sich das Herzstück des Katastrophenmanagements, verkommt zum Handlanger, mitunter auch für parteipolitische Interessen. Das Innenministerium erklärt auf Anfrage, dass es sich eben nur um eine ‚koordinierenden Gremium’ handle, in dem ‚jedes Ressort in seinem Verantwortungsbereich’ agiere.“