1977: Kurt Guggenbichler (2.v.l.) als junger Reporter im Gespräch mit dem damaligen Bürgermeister Leopold Spitzer (r.).

Das Altenheim an der Linzer Straße trägt schon seinen Namen, nun wird auch noch ein Straßenzug im Norden der Stadt an den längstdienenden Welser Bürgermeister der 2. Republik erinnern. Die Rede ist vom 2012 verstorbenen Leopold Spitzer (SPÖ), der noch vielen Welsern als pragmatisches, volksnahes und wirtschaftsfreundliches Stadtoberhaupt in Erinnerung ist.

Ein Beitrag von Chefredakteur Kurt Guggenbichler

Spitzer kurbelte den Wohnbau an und in seiner Ära entstanden wichtige Infrastrukturprojekte. Zweifellos hat der Mann vieles für die Stadt getan, einiges aber auch für sich selbst und das Wohl seiner Partei.

„Zugpferd“

Diese hat ihn in seiner 19-jährigen Amtszeit bei jeder Wahl mit einer stattlichen Mehrheit – mehr als 50 Prozent – ausgestattet, die Oppositionsparteien ÖVP und FPÖ standen auf verlorenem Posten.

Dennoch kämpfte der damalige Welser Vizebürgermeister Werner Wigelbeyer (ÖVP) und auch die FPÖ unermüdlich gegen die im Laufe der Jahre selbstherrlich gewordenen Genossen und ihr „Zugpferd“ Spitzer und seine Affären an – ohne Erfolg.

Spitzergate

Auch als Spitzer 1977 ein so genanntes „Spitzergate“ drohte, musste nicht er seinen Hut nehmen, sondern ein gewisser Oberamtsrat Otto Grabner, der als Rechnungsdirektor ungewollt und auch noch zum falschen Zeitpunkt einen vorhandenen Budgetüberschuss von 33 Millionen Schilling verriet. Denn damals war stets von einem Budgetloch von 17 Millionen Schilling die Rede. Erst nach mehrmaligen Anpfiffen durch die Opposition gestand die SPÖ den verschwiegenen Budgetüberschuss ein.

Er habe davon nichts gewusst, schwindelte Spitzer, der selbst einmal Leiter der Stadtbuchhaltung war. Warum aber machte er so etwas? Um für spätere Zeiten einen Trumpf im Ärmel zu haben, vermutete Wigelbeyer, der dieser Tage – nun auch schon 80-jährig – das Krankenhaus aufsuchen musste. Die Presse forderte Spitzer damals auf seinen Hut zu nehmen – er blieb!

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Auto und Truhe

Auch die so genannte Dienstwagen-Affäre, mit der die „Welser Zeitung“ vor 50 Jahren Spitzer wochenlang traktierte, weil sich dieser einen teureren Opel Admiral mit Innenlautsprechern zugelegt hatte statt des günstigeren Mercedes-Modells 220 D, saß der damalige Bürgermeister ebenso aus wie die so genannte Truhen-Affäre.

Dabei ging es um ein Museums-Exponat, dass Spitzer zu Hause bei sich in der Wohnung aufstellen ließ wie sich die „Welser Zeitung“ entrüstete. Doch die Wohltaten Spitzers haben letztlich wohl schwerer gewogen als seine Affären, weshalb man ihn schon beizeiten zum Ehrenbürger ernannt und mit dem Ehrenring der Stadt Wels ausgezeichnet hat.