Lust auf ein opulentes Essen, gekocht nach wiederentdeckten Rezepturen aus der Zeit des Barock? Wie wäre es mit einer gebratenen Taube in Weinsauce, einem Hendl mit Spargel-Bries-Fülle oder einer Reissuppe mit Hühnerfleisch und Champignons? Derartige Gerichte wurden früher in Steyrer Adels- und Bürgerhäusern verspeist.

Ein Bericht von Chefredakteur Kurt Guggenbichler

Nach Erscheinen des neu aufgelegten Kochbuchs aus dem Jahr 1740, das der Wiener Verleger Stefan Rust bei eBay entdeckte und dieser Tage in der Steyrer Schlossgalerie vorgestellt hat, ist nun jedermann in der Lage, Schlemmen zu können wie anno dazumal.

Ausgerechnet in der Fastenzeit

Steyrers Bürgermeister Gerald Hackl (SPÖ) zeigte sich erstaunt vom Mut der Präsentatoren, ausgerechnet in der Fastenzeit ein Kochbuch mit Speisen aus dem Barock zu präsentieren, wie er humorvoll anmerkte. Allerdings dürfte er nicht gewusst haben, dass dieses aufwendig gemachte Kochbuch, ein 400 Seiten starker Wälzer, auch viele Rezepte mit so genannten Fastensuppen enthält, darunter auch eine süße Mandelsuppe (?).

Und was zum Teufel noch mal könnte ein „Bilsling“ sein? „Das ist ein Steinpilz“, erläuterte die Künstlerin, Hobbyköchin und Autorin Katharina Puschnig, die zwei Jahre lang gut damit zu tun hatte, die alten Rezepturen zu „übersetzen“.

Ein Jahr Arbeitszeit

Die Realisierung, das Nachkochen, erledigte dann der bekannte Gourmetkoch und Co-Autor Adi Bittermann aus Göttlesbrunn (NÖ). „Zuerst dachte ich, das wäre in zwei Monaten erledigt“, erzählte er, „dann habe ich aber doch ein Jahr dafür gebraucht.“

Denn die jeweiligen Rezepte waren für bis zu 100 Personen berechnet. Auch dies musste in eine alltagsstaugliche Form gebracht werden, erläuterte Puschnig. Letztlich ist das Werk gelungen. Erschienen ist das barocke Kochbuch von 1740 im Verlag Geschichte und Kunst und zu bekommen ist es in jeder Buchhandlung.