Im nur wenige Kilometer von Steyr entfernten Stift Seitenstetten, das auch für viele Oberösterreicher ein beliebtes Tagesausflugsziel ist, wird im nächsten Jahr das 400-jährige Jubiläum des Auftauchens der Kartoffel in unseren Breiten groß gefeiert werden.

Von Kurt Guggenbichler

„Denn kaum jemandem ist bekannt, dass in Seiten­stetten die ersten Erdäpfel im ganzen Land angebaut worden sind“, berichtet Pater Petrus (56), der Vorsteher des Klosters.

Woher man das weiß? Weil einer seiner Vorgänger, der Abt Kaspar Plautz, diese angebaut und auch ein Buch darüber geschrieben hat.

Dieses Buch aus dem Jahr 1621 sei nur eines von 30.000 Büchern, das sich in der beeindruckenden Bibliothek des Stiftes befindet. Es handelt von der Missionierung Amerikas, damals „Neue Welt“ genannt.

Plautz schreibt unter dem Pseudonym „Honorius Philoponus“, was so viel wie der „ehrenvolle Arbeitsliebende“ heißt. Er berichtet in seinem Werk „Nova typis transacta navigatio“ nicht nur über die Kartoffel, sondern auch über die Möglichkeiten ihrer Zubereitung, wie Mathias Weis (30) erläutert.

Weis, der die Hochschule für Bodenkultur absolvierte, unterrichtet nun als Biologielehrer am Stiftsgymnasium. Er ist auch der Kurator der geplanten Ausstellung, die ab April 2021 im Rahmen der Klosterführungen zu sehen sein wird, falls Corona bis dahin besiegt sein sollte.

Im Hofgarten des Klosters werden die diversen Kartoffeln dann in natura zu besichtigen sein. „Wie ein schmackhafter Erdäpfelsalat gemacht wird, wird in dem Buch von Plautz auch beschrieben“, sagt Weis, und sogar von einer Art Folien-Kartoffel sei darin schon die Rede.

Vom Augsburger Kupferstecher Wolfgang Kilian wurde  das Werk illustriert. Gedruckt wurde es in der Druckerei Johann Planck in Linz.