Religion hilft vielen dabei, sich im Leben zu orientieren. Sie gibt Halt in moralischen Fragen oder schwierigen Lebenslagen. Zeremonien machen die wichtigen Abschnitte des Lebens zu etwas Besonderem. Für manchen Konservativen scheint es nur eine Wahl zu geben: das Christentum. Doch wird diese im Orient entstandene Religion wirklich den Gegebenheiten in Mitteleuropa gerecht? Warum ist das wichtig? Und darf man diese Fragen überhaupt stellen?

Über zwei Jahrtausende hinweg orientierte sich Mitteleuropa am Christentum. Dieses entstand in den ersten Jahrzehnten unserer Zeitrechnung. Den Siegeszug trat es im vierten Jahrhundert an, als es zur Staatsreligion im Römischen Reich erklärt wurde.

Kaiser Konstantin der Große erkannte die Bedeutung des Religionsfriedens für die innere Sicherheit und bereitete mit dem Konzil von Nicäa 325 n. Chr. den Weg. Die römisch-katholische Kirche erwies sich in Folge als ideale Ergänzung in der Ausübung herrschaftlicher Gewalt.

Christliche Tradition

Viele Patrioten sehen sich nicht nur ihrer Heimat, sondern auch der „christlichen Tradition des Abendlandes“ verbunden. Für ihren Glauben ist die Zugehörigkeit zu einer Amtskirche nicht immer notwendig.

Speziell, seit diese zugunsten von Globalismus und Masseneinwanderung Position gegen die einheimische Bevölkerung bezogen haben, ist eine Abkehr von den Amtskirchen erkennbar. Religionen existieren wohl bereits so lange, wie es denkende Menschen gibt.

Seit der Ur- und Frühzeit kanalisierten sie die Ehrfurcht vor den Naturgewalten und halfen dabei, Stammesgesellschaften zu organisieren. Rituale gaben Halt, Identität und definierten den Platz des Einzelnen in der Gesellschaft: vom Erreichen der Volljährigkeit, dem Bund zwischen Mann und Frau, der Freude über Geburten bis hin zu Jagd, Aussaat und Ernte.

So lange sich die Anthropologie noch nicht bis zur Unkenntlichkeit vor der Political Correctness verbiegen musste, konnten Religionen ergebnisoffen erforscht werden. Sie erwiesen sich stets als den regionalen Erfordernissen angepasst. Die Inuit beschäftigten sich mit Geist und Seele aller Lebewesen.

Der Glaube der amerikanischen Ureinwohner drehte sich um die reichhaltige und vielfältige Natur. In Australien war Religion mit der Oberfläche des Landes verschränkt. Vorislamische Religionen des arabischen Raumes orientierten sich an den Himmelsgestirnen. Die griechischen und römischen Götter der Antike waren das Resultat einer gemeinsamen Weiterentwicklung von Naturreligionen und Zivilisation.

Vergessener Mithraskult

Das Christentum, im trockenen Klima des Nahen Ostens entstanden, hat sich bei etlichen Religionen und Kulten bedient. Die Basis bildete das aus dem Judentum stammende „Alte Testament“. Hinzu kam der intensive Einfluss des Mithraskultes, der vom Iran aus ins Römische Reich wanderte.

Elemente wie der geopferte Sohn, das letzte Abendmahl, Himmel, Hölle, Jüngstes Gericht, Taufe, Auferstehung von den Toten, Wiederkehr zum Sieg über das Böse, Heiligenschein und Kreuz-Symbol bis hin zum Papst waren bereits in diesem Kult enthalten.

Traditionen, Feste und Feiertage unterworfener Völker übernahm man ins Christentum oder überschrieb sie mit ähnlichen Ritualen. Das half dabei, in eroberten Ländern Sympathien zu erlangen.

Viele Kirchen wurden über deutlich älteren Kultstätten errichtet. Die heutigen Ereignisse um die Hagia Sophia folgen der gleichen Strategie: der Umwidmung und baulichen Veränderung fremder Tempel am eigenen Gebiet.

Der Kreislauf des Lebens

Im Nahen Osten, der Wiege von Judentum, Mithraskult, Christentum und Islam sorgt das Klima für einen permanenten Sommer. Das Überleben hängt dort von völlig anderen Faktoren ab – die Ächtung des schnell verderblichen Schweinefleisches ist eine bekannte Gemeinsamkeit.

Dem gegenüber sind Rituale, wie die Vorbereitung auf einen langen, harten Winter oder die Freude, wenn dieser vorüber ist, ohne Bedeutung. Für unsere Vorfahren in Europa waren solche Fragen der Unterschied zwischen Leben und Tod. Begriffe wie „Volk“ sind heute in der öffentlichen Debatte verpönt.

Dabei ist es natürlich, dass sich in jeder Region der Welt die Bevölkerung herausbildet, die optimal an die Bedingungen des Lebensraumes angepasst ist. Die Jahreszeiten und die damit verbundenen Herausforderungen liegen sozusagen im Blut. Es sind Wahrheiten über den Kreislauf des Lebens, die jedes Kind intuitiv begreift.

Heute ist die Naturverbundenheit in Nord- und Mitteleuropa durch Verstädterung und Technik stark verloren gegangen. Möglicherweise sind auch deshalb so viele Menschen auf der Suche nach Sinn und Spiritualität.

Immer wieder taucht dabei die Frage auf, ob das ortsfremde Christentum wirklich die Antworten auf die spirituellen Bedürfnisse in Europa bietet. In unserem Lebensraum haben sich schon lange zuvor Religionen und Kulte herausgebildet. Vereinfacht werden diese oft unter dem Begriff „Heidentum“ zusammengefasst.

Über die naturbezogenen Religionen blieb nur wenig Wissen erhalten. Etliche Esoteriker haben sich daran versucht, solche Kulte neu zu erfinden. Sehr gut überliefert ist hingegen die Mythologie der nordischen Götter.

Spirituelle Gemeinschaften werden aktuell vor allem in Island mit dem Odinstempel oder dem Arctic Henge wiederbelebt. Auch in Dänemark gibt es solche Bestrebungen.

Religionen hinterfragen

Religionsfreiheit ist eine der wichtigsten Errungenschaften unserer Zivilisation. Angehörige anderer Religionen nicht zu unterdrücken oder gar zu ermorden, ist das Resultat eines lange währenden Kulturkampfes.

Während die meisten Menschen irgendeine Form des Spirituellen in ihrem Leben brauchen, sollte auch die Frage erlaubt sein, ob diese tatsächlich aus der Wüste stammen muss.