Was der ORF liebevoll „Feier in Szenelokal“ betitelt, hätte in einem Land mit unabhängiger Presse das Potenzial zu einem riesigen politischen Skandal. Tatsächlich stürmte die Sondereinheit WEGA das „DOTS“, eines der Lokale des Gastronomen Martin Ho. Der mit dem Namen Anh Tuan Ho geborene Sohn vietnamesischer Einwanderer ist seit mindestens einem Jahrzehnt ein enger Freund von Bundeskanzler Sebastian Kurz. Es gibt zahlreiche Verflechtungen, sogar ein offizieller Staatstermin wurde gemeinsam wahrgenommen. Ho ließ den Medien über seinen Anwalt ausrichten, er habe von nichts gewusst. „Der Koch war schuld.“

„Ich bin nur der Koch“, ist eigentlich ein bekanntes Filmzitat aus einem B-Actionfilm. Für Action ist auch gesorgt, wo Martin Ho unternehmerisch tätig ist. Der in der Wiener Society berühmte Gastronom führt acht Szenelokale in Wien, darunter die Pratersauna aber auch das DOTS, in dem am 1. Mai die Razzia stattfand. Beim Polizeieinsatz, der aufgrund eines anonymen Hinweises stattgefunden haben soll, wurden 22 Personen aufgrund des Verstoßes gegen die Corona-Schutzmaßnahmen angezeigt. Viele von ihnen hatten Drogen wie Kokain, MDMA oder Cannabis bei sich – zum Eigengebrauch, wie sie betonten. Die Gäste wurden von zwei Kellnern betreut.

Gerüchte schon im Nationalratswahlkampf

Spätestens im Vorfeld der Nationalratswahl gerieten einige dieser Lokale in ein schiefes Licht. Eine zunächst anonyme Homepage namens Zoom hatte eine Reihe von Recherchen veröffentlicht, welche regen Drogenhandel und Konsum in den betreffenden Lokalen behaupteten. Auch im berühmt-berüchtigten Ibiza-Video fielen Aussagen, in denen behauptet wurde, dass Sebastian Kurz an Sex-Orgien in Drogen-Hinterzimmern teilgenommen habe.

Staatsanwaltschaft ließ Behauptung von Drogenverkauf in Ho-Clubs zu

Wenige Zeit später hat Rechercheplattform, die in der Schweiz firmiert, einen österreichischen Ansprechpartner benannt, vielleicht auch deshalb weil dieser durch die Berichterstattung in „der Standard“ eindeutig zu identifizieren war. Dieser behauptet bis heute felsenfest, jede der Behauptungen mit entsprechenden Beweisen belegen zu können. Die ÖVP sah sich damals zu einem öffentlichen Dementi genötigt – groß wurde mit dem Richter gedroht. Juristisch herausgekommen ist bislang nichts – und das ist nach mittlerweile neun Monaten ziemlich interessant. Vielmehr gab Zoom am 10. Februar via Twitter bekannt: „Staatsanwaltschaft Wien stellt Strafverfahren gegen Zoom-Journalisten ein. Artikel zum systematischen Drogenhandel in den Clubs von Martin Ho sind keine Verleumdung.“ Nach neuesten Informationen ist allerdings  ein medienrechtliches Verfahren anhängig.

Rockergang-Mitglieder als Security in Lokalen von Ho?

Auf der Plattform Zoom ist bis heute folgender Satz zu lesen: „Für den reibungslosen Verkauf von Drogen im Wiener Club Pratersauna werden Mitarbeiter der Ares Safety GmbH, der Martin Ho die Sicherheit in seinen Clubs anvertraut, verantwortlich gemacht.“ Als wäre diese Behauptung nicht brisant genug, sind der Geschäftsführer und mehrere Mitarbeiter der Ares Safety laut Darstellung von Zoom Mitglieder der United Tribuns. (Die Ares Safety GmbH legt Wert auf die Feststellung, dass es keine Verbindung organisatorische Verflechtung mit den United Tribuns gibt, siehe Gegendarstellung unten.) Dabei handelt es sich um eine rockerähnliche Vereinigung im – höflich formuliert – nahen Umfeld der organisierten Kriminalität. Vorarlberg Online formulierte es mit „berüchtigt für Drogenhandel, Gewaltverbrechen und Prostitution„. Der Chef der United Tribuns, Almir Ćulum, wird mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Dass der österreichische Bundeskanzler offen in solchen Lokalen verkehrt ist ein interessanter Umstand. Es drängt sich fast die Frage auf, wie seine Personenschützer mit diesen allgemein bekannten Tatsachen umgehen.

Enge Freundschaft zu Bundeskanzler Sebastian Kurz

Ein besonderes Naheverhältnis zwischen Martin Ho und Bundeskanzler Sebastian Kurz war nie ein Geheimnis. Bei verschiedenen Gelegenheiten wurde eine „enge Freundschaft“ betont, beispielsweise auch von seinem Vater gegenüber der internationalen Presse. In verschiedenen Medienberichten wird Ho für sein wirtschaftliches Engagement stets gelobt und seine enge Freundschaft zum Kanzler hervorgehoben. Kurz scheint bei jedem größeren Event von Ho zur Stelle gewesen sein, sprach Eröffnungsreden oder gab Interviews wie beispielsweise hier bei der 10-Jahres-Feier des DOTS. Der Bundeskanzler buchte die Nobelgastronomie auch für eigene „Geheimparties“ mit dem Who-Is-Who der Wiener Promi-Szene.

Kurz eröffnet Hotel mit Bukkake-Suite

Unter anderem sprach Kurz auch im Juli 2018 bei der Eröffnung von Martin Hos Designerhotel „La Petite Ivy – Trenninghof 1302“ in der Wachau. Wie bei den meisten Events von Ho waren zahlreiche Prominente wie auch Finanzminister Gernot Blümel zugegen. Pikant – auf der Homepage wirbt man für die dort zu buchende Bukkake-Suite. Wir möchten das Thema Bukkake aus Gründen der Jugendfreiheit hier nicht näher behandeln, empfehlen Interessierten dazu aber die im Text hinterlegten Links. Ob sich die Eröffnung derartiger Etablissements für einen amtierenden Bundeskanzler schickt, möge jeder für sich selbst beurteilen.

Martin Ho auch bei Staatsempfang dabei

Bemerkenswert ist auch eine Begebenheit im Jahr 2018. Beim offiziellen Staatsempfang der Republik Österreich für den vietnamesischen Premier Nguyễn Xuân Phúc ist Martin Ho an erster Stelle mit dabei, steht Schulter an Schulter neben dem Wiener Militärkommandanten Kurt Wagner.

Ho Anwalt: „Von allem nichts gewusst“

In Krone TV erklärte Star-Anwalt Nikolaus Rast dem staunenden Publikum, sein Mandant Martin Ho habe von der Corona-Drogen-Party in seinem Lokal DOTS nichts gewusst. So etwas wäre in seinen Lokalen noch nie vorgekommen. Alleine verantwortlich wäre ein Koch, der die Gäste unerlaubt „in ein privates Wohnzimmer des Martin Ho“ hineingelassen hätte. Es würde interne Konsequenzen geben. Auch der Vorwurf der Missachtung der Corona-Bestimmungen wäre falsch, da das „private Wohnzimmer“ kein offizieller Gastraum sondern ein privater Raum sei.

Informantin: kryptische Vorankündigung des Events

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag übermittelte uns eine Informantin einen Screenshot aus der sozialen Bilder-Plattform „Instagram“. Der Inhalt des von Martin Ho persönlich geteilten Bildes bzw. Videos soll sich auf den ebenso von Martin Ho geführten Club X bezogen haben. Nach Aussagen der Informantin handle es sich um einen provokanten Scherz, eine Anspielung mit den Worten „Überdosis“ und „Zucker“. Sie mutmaßte zu diesem Zeitpunkt, dass man sich über die nie offengelegten letztendlichen Beweise der Plattform Zoom lustig machen wollte. Ein weiteres Posting, das leider nicht gesichert wurde, soll den Inhalt „Feiern ohne den Chef“ gehabt haben. Auch dieses habe sich auf den Club X bezogen. Beide Postings wurden auch von der Redatktion von Wochenblick gesichtet, sind inzwischen aber auf Instagram nicht mehr verfügbar.

FPÖ-Schnedlitz: Bei anderen Protagonisten stünde die Republik Kopf

In einer ersten Reaktion auf die Razzia äußerte sich FPÖ Generalsekretär Michael Schnedlitz mit deutlichen Worten: „Das Szenelokal, in dem sich das alles abgespielt hat, gehört zu Martin Ho, einem engen Freund von ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz. Viele Medien wissen es, nur keiner schreibt es, eventuell auch aus Angst vor Repressalien. Ich für meinen Teil möchte nicht wissen, wie es im Blätterwald gerauscht hätte, wenn ein so enger Freund irgendeines anderen Politikers – etwa eines FPÖ-Politikers – sein Nobellokal trotz Corona-Verbot aufsperren hätte lassen und man dort bei der Party auch noch Drogen gefunden hätte. Die Republik stünde Kopf!“.

Selbstverständlich gilt für alle erwähnten Personen die Unschuldsvermutung.

Gegendarstellung der Ares Safety GmbH

Am Dienstag, dem 5. Mai erreichte uns ein freundliches Schreiben der Ares Safety GmbH mit der Bitte um Ergänzung und Richtigstellung. Wochenblick bedankt sich für die zusätzlichen Informationen und zitiert aus dem Schreiben:

Die Behauptungen von Zoom entbehren laut Ares jeder Beweisgrundlage. Es handle sich um ein Medium mit Scheinkonstrukt-ähnlichen Zügen. Gegen Zoom ist zur Zeit unter der Zahl 091 Hv 52/19m ein medienrechtliches Verfahren anhängig, das von Ares angestrengt wurde. Im Speziellen soll Zoom dazu gezwungen werden, ein ordentliches Impressum anzugeben und die Information über das anhängige Verfahren zu veröffnen. Ares legt Wert auf die Feststellung, “dass die ARES Safety GmbH niemals den Club X betreut hat, welcher als primärer Punkt im Kontext dubioser Drogengeschäfte erwähnt wird und wurde.“ Am Abend der Razzia habe die Ares Security das Lokal DOTS nicht betreut und kein Personal zur Verfügung gestellt.

Eine personelle oder organisatiorische Verflechtung mit United Tribuns wird bestritten.

Wochenblick hat bei Ares um ein Exklusivinterview angefragt – auch um zu klären, wie es möglich ist, dass der Geschäftsführer von Ares sehr wohl auf Fotos im Umfeld einer Rockervereinigung in voller Rockerkluft auftritt – aber keine personellen Verbindungen bestehen sollen. Wir werden weiter berichten …