Die niederländische Regierung erwägt, um die Energieversorgung des Landes sicherzustellen, den Bau neuer Atomkraftwerke. Grund dafür ist auch eine Studie, die Atomenergie als Option zu Solar- und Windenergie sieht.

Vor wenigen Tagen brachte die niederländische Regierungspartei VVD (Volkspartij voor Vrijheid en Democratie) von Ministerpräsident Mark Rutte einen Antrag bezüglich Atomenergie im Parlament in Den Haag ein. Kurz danach legte das Wirtschaftsminister Eric Wiebes eine Studie der auf Nukleartechnologie spezialisierten Beratungsgesellschaft Enco dem Parlamt vor, in welcher Atomenergie als wirkliche Option für die Energiesicherheit des Landes bezeichnet wird.

Klimaneutral und kostengünstig

So kommt die Untersuchung zu dem Schluß, dass Kernenergie nicht teurer als Wind- oder Solarenergie sei, zumal meistens die zusätzlichen Kosten für erneuerbare Energien, wie Netzausbau, Netzregelung oder Netzanschluss häufig keine Beachtung finden und in der Regel vom Netzbetreiber auf die Verbraucher abgewälzt werden. Zudem sieht die Enco-Studie Atomenergie als brauchbares Mittel gegen den Klimawandel. Damit bezieht sie sich auf wissenschaftlichen Studien und Berichten internationaler Organisationen und betont, dass auch der Weltklimarat der Vereinten Nationen und die Internationale Energieagentur (IEA) Atomkraft als notwendig im Kampf gegen den Klimawandel einstufen.

Laufzeitverlängerung und Neubau

Für die Niederlande kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass eine Laufzeitverlängerung der bestehenden Atomkraftwerke die wirtschaftlich beste Möglichkeit darstellt, um CO2 einzusparen. Da Wind- und Sonnenenergie auf Dauer nicht ausreichen den Energiebedarf des Landes zu decken, die Nutzung von Gas und Öl jedoch zunehmend eingeschränkt werden soll, bietet Kernenergie eine gute Alternative. Zumal in letzter Zeit auch Biomassekraftwerke vermehrt in die Kritik geraten waren. Die VVD betont zudem, dass es um eine langfristige Planung bis 2050 gehe, da auch der Bau und die Planung neuer Atomkraftanlagen viel Zeit benötige. Außerdem bleibe damit auch ausreichend Zeit, die Atomenergie von ihrem schlechten Image zu befreien. Im Interview mit der Tageszeitung „AD“ hält der VVD-Abgeordnete Mark Harbers den Bau von drei bis zehn neuen Atommeilern für möglich. Die ersten der neuen Kraftwerke könnten bereits 2030 den Betrieb aufnehmen.

Welche Technologie soll zum Einsatz kommen?

Unklar ist, auf welche Technologie die Niederlande dabei setzen möchte. Während alte Reaktortypen etliche Gefahren mit sich bringen, gelten Generation IV Reaktoren als viel sicherer. Sie bieten auch den Vorteil, mit ihnen sowohl das Problem der nuklearen Endlagerung als auch die nukleare Abrüstung lösen zu können: Aus alten, stark strahlenden Abfällen wie auch waffenfähigem radioaktivem Material kann für die neuen Reaktortypen Treibstoff erzeugt werden. Nachdem dieser für die Stromerzeugung verwendet wurde, bleibt ein transmutiertes, schwächer strahlendes Material übrig. Dieses ist weit weniger gefährlich für die Umwelt. Professor Jan-Leen Kloosterman forderte bereits 2019, dass die Niederlande auf den Bau neuer Thorium-Reaktoren setzen mögen.