Nach der gestrigen Wahlschlappe in Graz ist Langzeitbürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) noch am Sonntagabend zurückgetreten. Über 12 Prozent hat die ÖVP in der Mur-Stadt nach den vorläufigen Ergebnissen verloren und damit Platz eins an die KPÖ unter Elke Kahr abgeben müssen. Der Bildungsstadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP) ist sein designierter Nachfolger.

  • Schmerzhafter Verlust – Lage falsch eingeschätzt
  • Bügermeister in Graz: Von Rot zu Schwarz zu Dunkelrot
  • FPÖ-Eustacchio: Linksruck für Graz eine „Katastrophe“
  • Droht Graz nun die Chaos-Hölle wie in Berlin?

Das ist mehr als schmerzhaft für mich und meine Partei”, meinte Nagl bei einer Pressekonferenz am Wahlsonntag zum Absturz der Grazer ÖVP um 12,13%. Danach verkündete er seinen Rücktritt nach 18 Jahren als Grazer Bürgermeister.

Lage falsch eingeschätzt

Es sei ein eindeutiges Ergebnis und man brauche nicht lange „herumreden“. Man habe alles gegeben – für Nagl sei es „ein niederschmetternder Tag“. Fast weinerlich meinte er: „Ich habe gedacht, die Grazer wissen, woran sie mit mir sind“ und, dass die Stimmung in Graz nicht mit dem Wahlergebnis korreliere. Ein kleiner Seitenhieb in Richtung Bundes-ÖVP? Ob er die anstehenden Koalitionsverhandlungen führen werde, ließ er offen. Er brauche Zeit für sich selbst, ließ er wissen. Etwa eine halbe Stunde später hatte er sich dazu durchgerungen zurückzutreten.

Rot – Schwarz – Dunkelrot

Nagl hatte 2003 das Bürgermeisteramt vom roten Langzeitbürgermeister Alfred Stingl übernommen, der von 1985 an das Amt innehatte – also beinahe zwei Jahrzehnte. Seine Nachfolge wird nun wahrscheinlich KPÖ-Wahlsiegerin Elke Kahr antreten, die sich bei der Pressekonferenz in freudiger Zurückhaltung übte. Sie hatte dieses Wahlergebnis nicht in dieser Form erwartet. „Ich wünsche uns gute Gespräche, ich werde sehr sorgsam und umsichtig mit dem Ergebnis umgehen, damit Soziales in der Stadt nicht untergeht – für ein Graz, in dem jeder Platz haben muss”, sagte Kahr. Was dieser Wechsel für Graz bedeuten könnte, hat Wochenblick hier berichtet.

FPÖ: Linksruck in Graz „eine Katastrophe“

Der Grazer FPÖ-Chef Mario Eustacchio musste ein Minus von vorläufig über 4,5 Prozent hinnehmen und warnte einmal mehr vor dem bevorstehenden Linksruck in Graz: „Es wird Sie nicht überraschen, dass ich mit meinem und dem Gesamtergebnis nicht zufrieden bin. Was ich gesagt habe, ist eingetreten, es gibt in Graz einen Linksruck. Damit machen wir uns zum Gelächter von Europa und der Welt.” Die Arbeit der KPÖ beschrieb er als „Geld verteilen und sich dafür Stimmen kaufen”. Man werde scharfe Oppositions-Politik betreiben, denn „bei den Dingen, die uns da drohen“, werde es in Graz in fünf Jahren ganz anders aussehen. „Es wird eine Katastrophe, das kann ich jetzt schon sagen”, erklärte er besorgt.

Wird Graz zur Chaos-Stadt wie Berlin?

Schielt man nach dem linken Berlin, bekommt man eine Ahnung davon, was er meinen könnte. Dort schaffte man es nicht, die Wahl so zu organisieren, dass alle, die wollten, auch wählen konnten. Der Chefredakteur der „Welt“ war darüber nicht erfreut und erklärte:Ich habe es nicht geschafft, in Berlin wählen zu gehen. Die Schlange war zu lang. Abgesehen davon gab es auch Probleme mit fehlenden Stimmzetteln oder solchen, die vertauscht wurden. Wahllokale mussten zeitweise geschlossen werden. Es entstanden Wartezeiten von zwei Stunden und mehr, was so manchen Wähler dazu bewegte, genervt nach Hause zu gehen und auf die Stimmabgabe zu verzichten.

Manche Wähler klagten auch über zu wenige Wahlkabinen.

Auch bei der Nachlieferung von Stimmzetteln durch die Polizei gab es Probleme. Wegen des Berlin-Marathons kam die Exekutive nicht durch.

 

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