Den Versuch, den illegal in Deutschland aufhältigen Nigerianer Kingsley C. abzuschieben, bezahlte ein Münchner Polizist fast mit seinem Leben. Nun wurde der Prozess gegen den 39-jährigen Nigerianer eröffnet.

Seit dem 17. November 2014 hielt sich Kingsley C. in Deutschland auf. Über Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn, Italien und die Schweiz war er eingereist. Den Behörden hatten er berichtet, er habe aus religiösen Gründen seine Heimat verlassen müssen, da Dorfbewohner seine christliche Familie mit „bösen Zaubern“ verhext und massiv bedroht hätten. Anfang 2017 ordnete das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) allerdings die sofortige Abschiebung nach Nigeria an und forderte den „sofortigen Vollzug“ der Maßnahme. Allerdings passierte erst einmal gar nichts. Erst am 23. Oktober 2019 sollte Kinglsey C. dann endlich repatriiert werden. Sechs Polizisten sollten den Nigerianer aus der Wohnung seiner Freundin im Münchner Stadtteil Neuhausen abholen.

Nigerianer setzte sich mit Messer zur Wehr

Für das, was dann geschah, muss sich der nun 39-Jährige – der nicht vorbestraft ist, kaum Schulbildung hat, berufslos und arbeitslos ist und kaum Deutsch kann – vor Gericht verantworten. Die Vorwürfe gegen den seit sechs Jahren in Deutschland aufhältigen lauten: versuchter Totschlag, versuchte gefährliche Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte im besonders schweren Fall. Das bei dem Einsatz keiner der Beamten verletzt oder gar getötet wurde, grenzt fast an ein Wunder. Laut Anklage wehrte sich Kingsley C. im Flur der Wohnung gegen vier Beamte und wollte in die Küche laufen. Zwar versuchten die Polizisten ihn festzuhalten, jedoch gelang es dem großen und kräftigen Mann sich loszureißen. In der Küche griff er sich ein Messer mit einer Klingenlänge von 20,5 cm. Zwei Beamten, die ihn auf den Küchentisch drückten, gelang es nicht ihn zu entwaffnen, er flüchtete schließlich aus der Wohnung.

Kampf auf Leben und Tod

Im Flur des Wohnhauses traf der Nigerianer auf einen Polizisten. Wie der Beamte vor Gericht schilderte, kam der Beschuldigte auf ihn zu ohne ein Wort zu sagen und hob plötzlich den rechten Arm nach oben. „Da sah ich ein Messer“, so der Beamte, der aufgrund des geringen Abstandes von rund einem halben Meter keine Chance hatte seine Waffe zu ziehen. Als Kingsley C. mit dem Messer in Richtung des Halses des Polizisten stach, riss dieser geistesgegenwärtig seinen linken Arm nach oben und bekam die Klinge des Messers zu fassen, die noch zehn Zentimeter von seinem Hals entfernt war. Mit aller Kraft griff der Beamte zu als er spürte, dass der Beschuldigte nachdrückte, um doch noch zu treffen. Schließlich konnte er ihm das Messer entwinden. Kingsley C. floh. Er konnte wenig später festgenommen werden.

Angeklagte wollte sich selbst töten

Das er den Nahkampf überlebte, erklärte sich der Polizeibeamte nur damit, dass er nach seinen Auslandseinsätzen in Bosnien, Kosovo, Afghanistan und Kambodscha sehr viel Wert auf Eigensicherung lege und daher für diesen Abschiebeeinsatz spezielle Handschuhe aus seinem Afghanistan-Einsatz getragen haben. Ohne die schnittfesten Handschuhe hätte er die Messerklinge nicht greifen können. Vor Gericht bestätigte Kingsley C., dass er sich gegen die Abschiebung gewehrt habe. Den versuchten tödlichen Messerangriff auf einen Polizisten stellte er jedoch in Abrede, vielmehr habe er sich selber töten wollen. Der Polizist, der den Angriff gegen sich gerade noch abwehren konnte, bezeichnete die Version des Angeklagten als „Lüge“. Am 27. Oktober soll der Prozess fortgesetzt und auch das Urteil gesprochen werden.