Alle Augen schauen nach Israel: Im westasiatischen Land haben bereits 3,8 Millionen Bürger die zweite Teilimpfung erhalten. Damit lässt sich die Wirksamkeit der Impfung auch dort ablesen. Weiters ist es eine Art Modellregion: Denn mithilfe eines – von Datenschützern als mögliches Überwachungsinstrument kritisierten – digitalen „grünen Passes“ verweigert es seinen Ungeimpften weiter ihre Grund- und Freiheitsrechte. Auch Sebastian Kurz, der sich schon seit einem Jahr seine Tipps zur Pandemiebewältigung in Israel holt, sowie die EU kokettieren mit einem ähnlichen Konzept. 

„Nur mit der Impfung können wir wieder Normalität gewinnen“ kam auch in Schwaz – die Silberstadt und der dazugehörige Bezirk sind bekanntlich derzeit das größte Impf-Versuchslabor Europas – am Wochenende als gruselige Durchsage aus Lautsprecherwagen (Wochenblick berichtete). Dass es damit möglicherweise aber nicht so viel auf sich hat, zeigt einmal mehr Israel. Denn, obwohl weit mehr als die Hälfte der Impfberechtigten mittlerweile zwei Corona-Impfungen erhielt, geht dort die Sorge vor einem fünften Lockdown um…

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Auch nach Massenimpfung steigt Reproduktionszahl an

Trotz aller Bedenken impft man in Israel mittlerweile bereits Schwangere. Auch die Frau, welche die fünfmillionste Teilimpfung erhielt, befand sich in freudiger Erwartung. Und Ministerpräsident Benjamin Netanyahu zeigt sich zuversichtlich, bald auch die Kinder des 9,3-Millionen-Einwohner-Staates durchzuimpfen. Dabei ist die großteils zum Einsatz kommende mRNA-Impfung von Pfizer/Biontech bislang gar nicht für Unter-16-Jährige freigegeben.

Nun würde man meinen: Wenn ein Land dermaßen konsequent impft, müsste das Virus dort eigentlich so gut wie ausgerottet sein. Aber weit gefehlt: Denn die Reproduktionszahl stieg dort zuletzt wieder rasant an. Weil mit den Parlamentswahlen – Kritiker sehen in der rigorosen Impfkampagne ohnehin eine Wahlkampfoffensive des Premiers – sowie dem Pessach-Fest der jüdischen Mehrheit und dem Ramadan der arabischen Minderheit wieder mehr Menschen zusammen kommen, herrscht in Israel das große Bangen.

Anstieg an Testpositiven schon nach Impfbeginn

Freilich, offiziell wird es wieder heißen, die Menschen würden sich „leichtsinnig“ verhalten – diese Erzählung bediente man bereits, als Israel als weltweit erstes Land im September in einen zweiten Lockdown ging. Als das Land dann mit der Durchimpfung begann, häuften sich im Jänner dennoch die positiven Corona-Tests. Außerdem blieb die Todesfall-Rate auf ähnlich hohem Niveau. Schnell äußerten Kritiker daraufhin den Verdacht, dass die Impfkampagne in Israel zeige, dass diese gar nicht wirksam sei.

Diese Kunde verbreitete sich derart wie ein Lauffeuer, dass sich sogar die APA ausritt und sich zu einem „Faktencheck“ bemüßigte. Sie führte ins Feld, dass bei den Menschen, die sich trotz Impfung mit dem Coronavirus ansteckten, die Anzahl der schweren Verläufe niedriger sei. Was man nicht erwähnte: Dass das Risiko eines schweren Verlaufs für gesunde Menschen im erwerbsfähigen Alter ohnehin äußerst gering ist. Aus der Welt schien auch trotzdem die Hoffnung der Impfbefürworter, dass Impfgaben völlig vor Ansteckungen schützen.

„Grüner Pass“ bringt eben nicht alle Freiheiten wieder…

Eine hohe Durchimpfungsrate und eine digitale Überwachungs-App als Eintrittskarte für das gesellschaftliche Leben und die Reisefreiheit in Europa – so versucht auch Österreichs Regierung der Bevölkerung diese umstrittenen Konzepte schmackhaft zu machen. Gerade die Sorgen vor einem fünften Lockdown beim „Impf-Weltmeister“ Israel geben aber Anlass zur Sorge, dass man auch uns die Grund- und Freiheitsrechte trotz dieser Maßnahmen noch länger vorenthalten könnte.

Vorerst lockerte Israel einmal an einzelnen Stellen – allerdings nur für Geimpfte und nicht wie der „Münchener Merkur“ schreibt „im großen Stil“. Cafés dürfen inzwischen wieder öffnen – aber fein säuberlich getrennt wie zu Zeiten der südafrikanischen Apartheid: Nur Geimpfte dürfen in den Innenbereich, Ungeimpfte dürfen nur im Außenbereich Platz nehmen. Die Abstandsregeln und die Maskenpflicht gelten ebenfalls für alle – ganz egal, welchen Impfstatus man hat. Von wegen „Freiheit“ und „Normalität“ – und wie Netanjahu beim Treffen mit Kurz prophezeite: „Das wird der Weg vieler Länder werden…“

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