Am Wochenende schlug der Fall eines Niederösterreichs hohe Wellen, der sich bezüglich der Modalitäten zur Verabschiedung seiner geliebten Großmutter erkundigte.

Eine betagte Frau (91) verstarb am Samstag und hinterließ 14 Kinder, 35 Enkel und 40 Urenkel. Angesichts dieser großen Trauergemeinde wollte einer ihrer Verwandten wissen, wie man sich denn nun verabschieden könne.

Nachfrage bei Gesundheitsministerium

Denn bislang galt immer die diffuse Regel, dass diese „im engen Familienkreis“ stattfinden können. Um Klarheit in dieser Frage zu bekommen, markierte der Mann den grünen Gesundheitsminister Anschober auf Twitter:

Anschober riet zu Livestream-Verabschiedung

Daraufhin antwortete zunächst der Account des Gesundheitsministeriums, welcher die Anordnung mit dem „engsten Familienkreis“ wiederholte. Etwas später kommentierte Anschober dann auch noch selbst: „Maximal zehn Personen sind aktuell gestattet. Als Tipp von uns: Mit dem Beerdigungsinstitut einen Livestream veranlassen. Ist zwar nicht das Gleiche, aber um der Gesundheit willen die beste Lösung“. Am Dienstag war dieser von der Heute zitierte Tweet dann nicht mehr verfügbar.

Schnedlitz: „Schwarz-Grün attackiert Menschenwürde“

Die Antwort stieß beim politischen Mitbewerber dennoch bereits am Ostermontag auf großes Unverständnis. FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz bezeichnete den Ratschlag in einer Aussendung als „Frechheit“. Ein Begräbnis sei ein trauriges, sensibles und privates Ereignis. Es gehe um eine „würdige letzte Verabschiedung“ und nicht etwa um ein „Zusehen bei irgendeinem Ereignis“, Anschobers Idee sei für Trauernde unzumutbar.

Auch insgesamt kann Schnedlitz nicht verstehen, weshalb bei Begräbnissen im Freien derart strenge Maßnahmen gölten. Denn: „Geschäfte dürfen auch von mehr als zehn Personen betreten werden“, wenn diese den nötigen Gesichtsschutz tragen. Er stellt der Regierung daher ein schlechtes Zeugnis aus: „Nach den Grundrechten attackiert Schwarz-Grün nun auch noch die Würde der Menschen“.

Haimbuchner: „An Pietätlosigkeit nicht zu überbieten“

Auch sein Parteikollege Manfred Haimbuchner, der oö. Landeshauptmann-Stellvertreter, äußerte ähnliche Bedenken. Auf Facebook stellt er fest, dass der Vorschlag Anschobers „an Pietätlosigkeit nicht zu überbieten“ sei. Ein Begräbnis jedenfalls sei „doch keine Unterhaltungssendung“.