„Kein Bedarf“, hieß es aus Nordkorea auf das kürzlich erfolgte UNO-Angebot zur Bereitstellung von knapp 3 Mio chinesischen Impfseren. Die UNO möge die „Sinovac“-Produkte doch angesichts des globalen Impfstoff-Mangels härter betroffenen Ländern geben. Bereits früher wurden ähnliche Angebote wegen Bedenken über mögliche Nebenwirkungen abgelehnt.

Von Kornelia Kirchweger

  • Nordkorea lehnt UNO-Impfstoffangebot ab
  • Bedenken zu Wirksamkeit und Nebenwirkungen
  • Berichte über Vorfälle in USA und Europa
  • Auch Russland offerierte Seren
  • Impf-Infrastruktur im Land laut WHO gut
  • Unterstützung von UNO und Impfallianz

Isolierung – keine Covid-19-Fälle

Laut WHO hat Nordkorea mit Stand 19. August des Jahres keinen Covid-19-Fall registriert. Knapp 37.300 Personen – inklusive Mitarbeiter des Gesundheitswesens und jene mit Grippesymptomen – seien getestet worden. Alle waren negativ, heißt es im wöchentlichen Lagebericht der UNO. Das aktuelle UNO-Angebot an Nordkorea erfolgte im Rahmen des Covax-Programmes, das ärmeren Ländern mit Seren aushilft. Das Land hat seit Beginn der Pandemie strikte Anti-Virus-Maßnahmen gesetzt, heißt es weiter. Seit Beginn der Pandemie hat sich das Land seit Jänner des Vorjahres völlig isoliert. 

Zweifel zu Wirksamkeit und Nebenwirkungen

Es ist nicht das erste Mal, dass Nordkorea Impfstoffe ablehnt. Schon im Juli hieß es „Nein“ zum Angebot für eine Lieferung von 2 Millionen Dosen AstraZeneca. Begründung: es gebe Bedenken hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen, sagte eine südkoreanische Denkfabrik, die mit dem Geheimdienst des Landes verbunden ist. Nordkorea hat wiederholt Zweifel an der Wirksamkeit von Covid-19-Impfungen geäußert, wobei staatliche Medien häufig über Vorfälle in den USA und Europa berichten, bei denen Personen nach dem „Stich“ unerwünschte Reaktionen hatten, berichtete BBC. Auch Russland offerierte Nordkorea mehrmals Impfstoffe, was  bisher nicht in Anspruch genommen wurde. 

Eigene Impfstofferzeugung seit 1946

Impfstoffe werden in Nordkorea seit 1946 erzeugt. Dazu wurden drei Produktionsstätten gegründet. Zehn verschiedene Impfstoffe wurden hergestellt, unter anderem gegen Diphterie, Tetanus, Polio, Enzephalitis, etc. Das Nationale Immunisierungsprogramm (EPI) wurde 1980 gestartet, unterstützt von UNICEF. der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Impfstoffallianz GAVI. Gemanagt wird es von einem zentralen Institut. Nordkorea zahlt dabei 15% der Impfstoffkosten und 30% der routinemäßig anfallenden Kosten für das Programm. Sowohl EPI als auch das nationale Impfbericht-System Nordkoreas werden gelobt, Informationen seien einfach zugänglich, die Daten scheinen korrekt zu sein, heißt es.

Funktionierende Infrastruktur

Die Impfstoffverteilung geht von der Haupstadt Pjöngjang aus. Von dort kommen sie mit Kühltransportern in regionale Kühlräume und weiter auf die lokale Ebene. Dorfärzte transportieren die Seren wiederum an bestimmten, vorher angekündigten Impftagen, in ihre Praxis. Teile der Ausrüstung zur Aufrechterhaltung der Kühlkette, unter anderem Pickups, Gefrier- und Kühlschränke, Kühlboxen, Thermometer, etc. wurden von UNICEF und WHO gesponsert. Wegen häufiger Stromausfälle wurde 2003/04 mit EU-Hilfe ein Pilotprojekt für 50 solarbetriebene Kühlschränke umgesetzt. 

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