Man vergisst es leicht: Aber trotz seiner immensen industriellen Potenz ist Oberösterreich nach wie vor auch florierendes Bauernland mit weiten Feldern, Wäldern und stattlichen Höfen. Sie prägen das Bild unseres Landes und seine ländlich-bäuerliche Kultur wirkt auch in die Städte hinein.

Eine Reportage von Kurt Guggenbichler

Es arbeiten heute nur noch drei Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft, während zu Zeiten unserer Großeltern noch jeder Zweite auf einem Bauernhof tätig war.
Heute bewirtschaften rund 31.300 Betriebe eine Gesamtfläche von 1,05 Millionen Hektar Boden.

Viele Arbeitsplätze

Davon sind laut Grünem Bericht 510.500 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche und 440.000 Hektar sind Wald. Von der landwirtschaftlichen Nutzfläche sind 44 Prozent Grünland, wovon jedoch 60 Prozent im „benachteiligten Gebiet“ lägen. Dort befänden sich auch die Hälfte aller landwirtschaftlichen Betriebe.

Doch die heimische Landwirtschaft versteht es, sich nicht unterkriegen zu lassen, heißt es in der Neuauflage des Buches „Bauernland Oberösterreich“, das unlängst von Agrarlandesrat Max Hiegelsberger vorgestellt worden ist.

Auf 120 Seiten informiert das Werk nicht nur über die traditionellen Sparten der Rinder- und Schweinehaltung und über den Acker- und Obstbau bis hin zur wachsenden Fischzucht. An die 100.000 Arbeitsplätze hängen in Oberösterreich an der Land- und Forstwirtschaft.

Dabei geht es aber nicht nur um die Arbeitsplätze auf den Bauernhöfen, sondern auch um die im Landesproduktenhandel, in den Lagerhäusern, in den Molkereien, bei den Landtechnik-Herstellern, in den Mühlen, den Bäckereien, den Fleischereien und auch in der Verwaltung.

Hervorragende Lebensmittel

Angesichts dieser Vielfalt war es eine große Herausforderung für den Autor, bei der Erarbeitung der Inhalte nicht den vorgegebenen Rahmen zu sprengen, bekennt der im Amt der Landesregierung dafür zuständige Hofrat Hubert Huber, für den die Landwirtschaft viele interessante Fakten zu bieten hat, aber auch eine ganze Reihe persönlicher Geschichten.

So sei auch den Frauen ein eigenes Kapitel in diesem Buch gewidmet, weil diese in den Familienbetrieben eine wichtige Rolle spielten. „Gerade diese Kombination aus Wirtschaftstreibenden und dem dahinter stehenden Familienverbund ist eine der Stärken unserer heimischen Landwirtschaft“, sagt Huber.

„Auf der täglichen Arbeit unserer Bäuerinnen und Bauern fußt auch die hohe Qualität und einzigartige Sicherheit unserer Lebensmittel“, konstatiert Landeshauptmann Thomas Stelzer. Das Buch vom Bauernland Oberösterreich gibt einen guten Überblick über die Situation und Arbeitsweisen in der Landwirtschaft.

Geschätztes Leben

Der Autor Hans Gmeiner ist selbst Bauer in Oftering und mit seinen Fotos hat der Landwirtschaftslehrer Hans-Peter Zwicklhuber aus Kremsmünster die bäuerliche Welt gut und wirklichkeitsgetreu abgebildet.Dass ein Großteil der oberösterreichischen Bevölkerung bäuerliche Wurzeln und eine Verbindung zum bäuerlichen Leben hat, weiß man.

Der echte Oberösterreicher steht auch dazu. Er trägt gern Tracht, kennt sich mit den Bräuchen und Festen aus und mag die Musik vom Land, schwärmt der Autor in seinem Eingangskapitel: „Man schätzt die frischen Eier von der Großmutter draußen im Dorf, man verfolgt das Landleben durch Ausflüge zu den Eltern oder Bekannten, die noch als Bauern arbeiten.“

Zudem schätze der Oberösterreicher frisches Fleisch und er weiß auch – vielmehr als anderswo – dass die Kühe nicht lila sind. Dass die bäuerlichen Wurzeln in unserem Bundesland sehr tief gehen, zeigten auch die zahllosen Namensvarianten, die auf „-bauer“ endeten.

Abgesehen davon ist auch der „ungekoppelte Bauer“ ein weitverbreiteter Familienname im Land zwischen Inn und Enns. Wie andere Sparten hat auch die Landwirtschaft seit den 1950er-Jahren einen tiefgreifenden Strukturwandel erfahren. Denn bis dahin hätten sich die bäuerlichen Wirtschafts- und Produktionsweisen kaum von denen der vorangegangenen Jahrhunderte unterschieden.

Rasanter Fortschritt

Doch als die Traktoren, Mähmaschinen, Düngemittel und Pflanzenschutzmittel Einzug in die Landwirtschaft hielten, war auch dort der rasante technische Fortschritt und der damit einhergehende wirtschaftliche Druck nicht mehr aufzuhalten.

„Es ging darum, die Ernährung zu sichern“, schreibt Autor Gmeiner, weil die Leute nach den entbehrungsreichen Kriegsjahren endlich wieder essen und satt werden wollten.
Diese Herausforderungen hätten unsere Bauern gut gemeistert, heißt es in dem Buch weiter, wie unsere modernen Landwirte auch die Zukunft gut bewältigen dürften.