50.000 Euro gibt’s für den Arzt, der sich in Mattighofen eine Ordination einrichtet

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Ist "Sterben" der Allgemeinmediziner im Land zu stoppen?

50.000 Euro gibt’s für den Arzt, der sich in Mattighofen eine Ordination einrichtet

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Das verfügbare Hausärztepotenzial in Oberösterreich schrumpft und wenn es nicht gestoppt wird, könnte die Situation im Land kritisch werden. Schon jetzt suchen viele Städte und Gemeinden verzweifelt nach Allgemeinmedizinern mit Kassenverträgen, während Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander die prekäre Situation „beobachtet“.

In meiner Jugend machten die Ärzte noch Hausbesuche“, sinniert der mit mir ins Gespräch vertiefte ältere Mattighofener vor der Kaiser-Franz-Apotheke am Stadtplatz. „Selbst, als ich als Kind nur Grippe hatte, schaute der Herr Doktor spätabends noch bei uns zu Hause vorbei und kramte aus seiner Tasche Medizin für mich heraus, die ich sofort einzunehmen hatte“, erzählt er mir mit großer Begeisterung.
Heute müsse man sich als kränkelnder Patient meist schon selbst in die Praxis des Arztes seines Vertrauens bemühen, falls man überhaupt einen Allgemeinmediziner findet, der noch Kassenpatienten behandelt. „Die scheinen nämlich eine aussterbende Rasse zu sein“, sagt der Mann und grinst. „Ist einer dieser praktischen Ärzte in Pension gegangen, so wie bei uns in Mattighofen, findet sich kaum ein Nachfolger für ihn.“

Überlastet

Sogar das Fernsehen habe darüber schon berichtet, erfahre ich weiter, weil die vakante Praxis schon viele Male ausgeschrieben gewesen sei – ohne Erfolg. Dies wird auch vom Mattighofener Amstleiter Andreas Spitzwieser bestätigt. Dabei gehe es um die nun schon länger geschlossene Ordination von Dr. Winkler. Dabei würde man Nachfolger, die sich in Mattighofen als Hausärzte niederzulassen gedächten, vonseiten der Gemeinde mit 50.000 Euro unterstützen. Derzeit gebe es nur noch zwei Allgemeinmediziner im Ort, drei aber sollten es schon sein, meint Spitzwieser, besser wären natürlich mehr.
Hausärzte fehlen aber auch in vielen anderen Städten und Gemeinden Oberösterreichs wie beispielsweise in Linz, Wels und Vöcklabruck und der noch wacker ordinierende existierende Rest leidet unter Überbelastung. Deswegen hat Ende April Dr. Volker Sinnmeyer, ein Allgemeinmediziner in Pabneukirchen im Bezirk Perg, seine Funktion als Leiter der „Gesunden Gemeinde“ aufgegeben.

Probleme seit Jahren ignoriert

Damit hat sich der Ärztemangel im Bezirk, wo wenigstens fünf Stellen unbesetzt sind, weiter verschärft. Zusätzlich verschärft hatte sich die Lage vorübergehend in Corona-Zeiten, weil auch Hausärzte erkrankten und in Quarantäne gehen mussten. Wegen des Rückzugs von Dr. Sinnmayer wurden die Einsatzzeiten des „Ärztlichen Notdienstes“ in Perg reduziert, der nun an einigen Wochentagen in der Nacht nicht mehr in Anspruch genommen werden kann. Volker Sinnmayer hat diese Situation schon vor Jahren kommen gesehen und auch darauf aufmerksam gemacht, doch die Politik habe nicht zeitgerecht reagiert.

Politik gefordert

Was tut die Politik überhaupt? Sie beobachte die Lage, versicherte dieser Tage Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander (ÖVP), die sich im oberösterreichischen Landtag fragen lassen musste, was sie denn gegen den Ärztemangel im Land täte? Für niedergelassene Vertragsärzte sei in erster Linie die Gesundheitskasse zuständig, antwortete Haberlander und fügte hinzu: „Selbstverständlich“ bringe sich auch das Land OÖ helfend ein.

Wenig attraktiv

Das ist aber nicht nur den im Landtag vertretenen Neos zu wenig, wie Felix Eypeltauer verlauten ließ, der auch monierte: “Bei Kassenarztstellen wisse die Landesregierung nicht mehr weiter und bilde stattdessen Arbeitskreise.” Doch es ist eine traurige Tatsache, dass der Bedarf an Hausärzten größer ist als die Nachfrage nach offenen Stellen. Zurzeit sind nämlich 180 Kassenvertragsstellen ausgeschrieben, 124 für Allgemeinmediziner und 56 für Fachärzte. Demgegenüber stünden aber nur 125 Bewerbungen, von denen vermutlich nur die wenigsten Hausärzte werden wollen.
Denn der Hausarzt ist ganz offensichtlich ein Auslaufmodell, vor allem bei Medizinstudenten. Nur noch zehn Prozent wollen Allgemeinmediziner werden. Begründet wird dies meist mit den Worten: „Langweilig, uninteressant, was für die Dummen!Tatsächlich ist das Image des Hausarztes unter den Nachwuchsmedizinern schlecht. Dieser sei in der Regel nämlich ein Einzelkämpfer, der noch ständig verfügbar sein müsse und letztendlich auch zu wenig verdienen würden, heißt es: Da wäre man doch als Facharzt wesentlich besser dran.
Bei den unbesetzten Facharztstellen sei die Lage in zahlenmäßiger Hinsicht zwar nicht so krass wie bei den Hausärzten, aber auch nicht rosig, weil es vor allem an Medizinern in der Kinder-, Jugend- und Frauenheilkunde und an Geburtshilfespezialisten mangele. Im Süden von Linz wird im Herbst eine Kinderärztin ihre Praxis schließen, doch auch drei Allgemeinmediziner haben dort heuer schon zu ordinieren aufgehört.

Primärzentren

Dabei sind Hausärzte heute wichtiger denn je, betonte schon beizeiten der aus Seewalchen stammende Apotheker und FPÖ-Gesundheitssprecher Gerhard Kaniak. Denn ein guter und flächendeckender Stand an Allgemeinmedizinern, die auf vernünftigen wirtschaftlichen Beinen stünden, sei unverzichtbar für unser Gesundheitssystem. Angesichts des Umstandes, dass immer weniger Ärzte Einzelordinationen betrieben, plädiert der Linzer FP-Gesundheitsstadtrat Michael Raml dafür, die Schaffung von Primärversorgungszentren voranzutreiben.

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