Aktuelle Ausgabe: Wos si a Madl so ois zamdicht

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Eine Reportage von Elsa Mittmannsgruber

Wenn die 22-jährige Mundartdichterin Theresia Lindner unterwegs ist, hat sie stets zwei Dinge mit dabei: „Klane Stichwortzetterl und an Stift!“ Denn man weiß ja nie, wo die nächste Inspiration wartet. „Beim Spazieren, beim Arbeiten, beim Autofahren oder einfach, wenn ich Leute beobachte und mich frage, was die gerade denken, fällt mir plötzlich wieder was ein“, schildert die Wortakrobatin, für die das Schreiben teilweise wie Schauspielerei ist.

„Man muss ja nicht alles selbst erlebt haben, aber sich in andere hineinfühlen“, erklärt die hauptberufliche Floristin, die in ihren jungen Jahren bereits 185 Gedichte geschrieben hat. Feinsäuberlich überträgt sie diese von ihren „Zetterl“ in ein Büchlein, verziert die Seiten und klebt Bilder hinzu. Erst vor drei Jahren begann die Dichterin aus Hohenzell mit dem Schreiben. Ihr Talent hat sie von ihrer Oma Pauline Lindner geerbt, die beim Stelzhamerbund bereits ein Urgestein der Mundartdichtung ist.

Stammtische zum Üben

Der oberöstereichische Stelzhamerbund hat sich der Mundartpflege verschrieben. Auch Theresia Lindner ist seit Herbst vergangenen Jahres Mitglied des Vereins. Die regelmäßigen Stammtische nutzt sie, um ihre Dichtung zu perfektionieren.

„Jedes Mal suchen wir zusammen ein Mundart-Wort aus, über das wir bis zum nächsten Stammtisch nach gewissen Regeln schreiben. Es ist sehr interessant, was jeder für verschiedene Gedankengänge hat. Der eine geht mit dem Wort ernst, der andere humorvoll um“, schwärmt die 22-Jährige mit den strahlend grünen Augen. Auch sie schreibt sowohl „ernste, kritische, traurige und lustige“ Texte und liebt es vor allem, sich mit einem Thema auf unterschiedlichste Weise auseinanderzusetzen.

Vor allem und nur in Mundart: „Wenn man so schreibt, wie man spricht, berührt einen das ganz anders als die Schriftsprache“, ist Theresia überzeugt. „Bei unseren Treffen vom Verein reden wir alle in Mundart miteinander und verstehen uns, wenn oft auch nur sinngemäß“, scherzt die Hohenzellerin mit einer ansteckenden Heiterkeit. Mit ihrer Dichtung will sie dazu beitragen, „dass die alten Worte nicht vergessen werden“.

Musik und Dichtung

„Schon als kleines Kind hatte Theresia Talent zum Improvisieren“, weiß ihre Oma und erzählt freudig von einem Krippenspiel, das ihre Enkelin zu Weihnachten eigenständig mit ihren Geschwistern einstudiert und der Familie vorgeführt hat. Mit ihren vier jüngeren Geschwistern musizierte Theresia auch mit 14 Jahren im Rahmen einer Hausmusik, mit der sie regelmäßig bei Veranstaltungen für gute Stimmung sorgte.

Je älter die Kinder wurden, desto schwieriger wurde jedoch aufgrund von Zeitmangel das Weiterführen der Hausmusik. Theresia aber spielt weiterhin mit Begeisterung ihre Zither und untermalt mit ihrem Instrument und ihrem Gesang immer wieder Dichterlesungen. Auch dem „Wochenblick“ gab sie eine kleine Kostprobe ihres musikalischen Talents und rührte uns bei unserem Besuch mit dem Lied „Weit, weit weg“ von Hubert von Goisern beinahe zu Tränen.
Auch auf Theresias Schreibkünste nimmt die Musik starken Einfluss: „Wenn man ein Instrument spielen kann, hilft das sehr beim Dichten. Denn für beides benötigt man ein Taktgefühl. Wenn man ein Gedicht singen kann, ist es ein Gedicht.

Familie ganz groß geschrieben

Denn es soll ja rund klingen und nicht holpern“, erklärt die 22-Jährige, die mit ihrer gesamten Familie auf einem Bauernhof wohnt. „Wir leben alle unter einem Dach und sind immer füreinander da. Es ist schön, wenn alle Generationen beisammen sind“, sind sich Theresia und ihre Oma Pauline mit einem Lächeln im Gesicht einig.

Gegenseitig geben sie sich nicht nur ihre Fürsorge, sondern leben gemeinsam Brauchtum und Tradition: „Das ist mir sehr wichtig. Alles, das mit Früher zusammenhängt, unserer Kultur, unserer Region, zieht mich sehr an“, schildert die Floristin, die auch regelmäßig zum Volkstanzen geht. Am meisten schlägt ihr Herz jedoch für das Schreiben und davon werden wir vom jungen Talent sicher noch einiges zu lesen und zu hören bekommen.

+++Lesen Sie diesen und viele andere interessante Artikel in der neuen “Wochenblick”-Ausgabe (25/17, vom 29.6.2017), die HIER gratis und unverbindlich angefordert werden kann.+++

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