Als die Männer zum Baden noch schwarze Klotthosen trugen

Als die Männer zum Baden noch schwarze Klotthosen trugen

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Neben den bekannten Flüssen und Seen gibt es in Oberösterreich noch 280 kommunale Badeeinrichtungen und 60.000 private Pools zum Schwimmen und Plantschen. Das war nicht immer so.

Ein Bericht von Chefredakteur Kurt Guggenbichler

Vor allem in der Zwischenkriegszeit des vorigen Jahrhunderts freute man sich über jede Freibadeanlage, die errichtet wurde – wie beispielsweise das Waldbad Alharting. Es wurde vor 47 Jahren geschlossen, woran eine zur Zeit gerade laufende Sonderausstellung im Leondinger Stadtmuseum erinnert.

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Peng! – Peng! –Peng! Mehrere kurz hintereinander abgegebene Schüsse zerreißen die Stille in der flirrenden Mittagshitze beim Alhartinger Hof in Leonding. Der Mann, der auf dem Parkplatz des Hotels aus einem Auto mit deutschem Kennzeichen steigt, hebt den Kopf und schaut sich verwundert um.

„Was ist das denn?“ Ein älterer Mann, der sein Auto mit einem LL-Kennzeichen gerade neben ihm geparkt hatte, hebt kurz die Augenbrauen, beäugt den Deutschen und beantwortet dessen halblaut gestellte Frage, die dieser eigentlich an sich selbst gerichtet hat. „Die schießen schon wieder!“ Dabei zeigt er mit der Hand auf die gegenüberliegende Schießstätte.

Neues Vergnügen

Für Einheimische gehört diese Knallerei zu Alharting, wo Soldaten schon seit Jahren das Zielen und Schießen auf Scheiben und auf Pappfiguren üben. Dass dort – nur unweit entfernt davon – im Zweiten Weltkrieg, Soldaten auch das Schwimmen und Tauchen in einem heute nicht mehr existierenden Bad erlernten und trainierten, ist weitgehend in Vergessenheit geraten.

Das Wasserbecken der kleinen Badeanstalt befand sich auf der Rückseite des ehemaligen Gasthauses „Zur Schießstätte“, des heutigen Alhartinger Hofs, hinter dem sich heute eine Rasenfläche erstreckt. Dass sich an dieser Stelle einmal jahrzehntelang auch Tausende von Zivilisten sommerlichen Badefreuden hingegeben haben, wird jetzt durch eine von Bibina Weber initiierte und noch bis Ende September laufende Ausstellung im Turm 9 in Leonding in Erinnerung gerufen.

Diese Schau beschäftigt sich mit dem Badevergnügen im öffentlichen Raum wie Museumskustos Christian Forster erläutert, unter anderem auch mit dem vor fast 85 Jahren errichteten Alhartinger Waldbad.

Viele Besucher

Die Pläne für dies kühne Unternehmen wurden im Oktober 1932 vom Gastwirtsehepaar Alois und Juliane Harrer eingereicht. Das Becken ihrer Waldbadeanlage, aus der nach dem Zweiten Weltkrieg das „Freibad Alharting“ wurde, wurde vom Ortsbach mit Wasser gespeist. Das Wasser war ziemlich eisenhaltig und kalt.

Dennoch haben sich an schönen Tagen und zu den Glanzzeiten dieses Freibades an die 1.000 Besucher dort getummelt. „Den Kasseneingang erreichte man über den Gastgarten des Wirtshauses“, erinnern sich ältere Besucher, außerdem sei das Wasser ziemlich trüb gewesen.

Das hätte junge Burschen oft dazu verleitet, den Mädchen unter Wasser an die Beine zu fassen, weil diese den Übeltäter nicht sehen konnten.

Züchtige Kleidung

In der damals geltenden Badeordnung war ein derartiges Verhalten nicht ausdrücklich untersagt, vermutlich weil derartiges gar nicht in Erwägung gezogen worden war, aber das Tragen von „geziemender Badekleidung“ wurde definitiv verlangt.

Darin heißt es, dass Frauen beim Baden einen „vollständigen Badeanzug“ tragen sollten und Männer „wenigstens eine Badehose mit Ansatz“. „Dreieckshosen“ waren verboten. Üblicherweise badeten Männer damals in so genannten Klott­hosen, ein schwarzes Universal-Textil, das auch als Turn- oder Unterhose verwendet wurde.

Damit durfte man allerdings nicht durch den Gastgarten gehen. Ihren Hunger und Durst konnten die Badegäste an einem kleinen Badebuffet stillen. Man konnte dort Wurstsemmeln, Kokosstangen und kleine Bensdorp-Schokoladen kaufen, erinnern sich frühere Badegäste, aber auch die damals gängigen Fruchtsaftgetränke Schartner Bombe, Libella und Frucade.

Badeschluss

Nach dem Tod des Freibadgründers übernahmen nachfolgende Generationen das allmählich immer stärker in die Jahre kommende Schwimmareal, dem allmählich auch das Wasser abhanden kam.

„Den Badefans wurde das Wasser sprichwörtlich abgegraben“, erläutert Christian Forster, was durch die Regulierung des Alhartinger Bachs passierte und eines Tages war das Wasser für das Bad versiegt. Wann es genau geschlossen wurde lässt sich heute nicht mehr sagen. Forster: „Es dürfte wohl so um 1970 herum gewesen sein…“

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