Altehrwürdiges Gemäuer: Früherer Meierhof nun ein Genießer-Geheimtipp

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Architekt rettete mittelalterliches Gebäude in Aschach vor dem Verfall

Altehrwürdiges Gemäuer: Früherer Meierhof nun ein Genießer-Geheimtipp

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In den letzten zweieinhalb Jahren mutierte das ehemalige „Henkerhaus“ in Aschach an der Donau zur „Genussmanufaktur“. Der Feldkirchner Baumeister Erich Ludwig (64) hat das gotische Haus aus dem 15. Jahrhundert vor dem Verfall gerettet und mit neuem Leben erfüllt.

von Kurt Guggenbichler

Den ehemaligen Meierhof der Passauer Bischöfe, der zuletzt im Privatbesitz und sich selbst überlassen war, ließ Ludwig behutsam renovieren. „Das war eine Rattenburg“, betont er.

Sechs Monate lang haben sechs Leute nur Müll, Gerümpel und Schutt aus dem historischen Haus geräumt, dessen Räume nun eine neue Funktion bekommen haben. Gleich rechts vom Eingang war das ehemalige Zimmer des Bischofs, in dem er immer Quartier bezogen hatte, wenn er seinen Meierhof besuchte. Heute ist es eine Art Empfangsraum, in dem es mehrere Tische, eine Bar und einen Fernsehapparat gibt.

Geschichtsträchtiges Gemäuer

Dort hängt auch ein Bild von Kaiser Maximilian I., der – wie historisch verbürgt sein soll – auch in diesem Haus genächtigt hat. Was Ludwig aus dem ehemaligen Übernachtungsquartier gemacht hat, würde dem „letzten Ritter“ vermutlich gut gefallen, denn Maximilian war in Bezug auf seine Unterkünfte nicht gerade verwöhnt.

Auch der neue Zweck des Hauses würde vom immer knapp bei Kasse gewesenen Kaiser, der trotzdem gern gut speiste und trank, wohl goutiert werden. Denn im ehemaligen Pferdestall, der mittlerweile ein Speisesaal ist, tischt Erich Ludwig seinen diversen Gesellschaften gern lukullische Schmankerl auf. Darunter ist auch sein legendärer Schweinsbraten, der wirklich seinesgleichen sucht, wie zuletzt erst wieder eine Gruppe von Besuchern aus Wels schwärmte.

Ein öffentliches Lokal ist die Genussmanufaktur nicht, weil der Betreiber dort prinzipiell nur persönliche Gäste bewirtet, die er mag. Auch die letzte Bundeskanzlerin sei schon zu Gast gewesen, heißt es. Zu viel Trubel kann der Herr Baumeister mit den vielen Begabungen in diesem Haus ohnehin nicht gebrauchen, da er dort sonst kaum noch zu seiner Lieblingsbeschäftigung käme  – der Erzeugung von Genussmitteln, vor allem flüssiger Art.

Edelbrand-Produktion vor Ort

„Ich produziere hier 43 Sorten Edelbrände, angefangen vom Vogelbeer- über den Ananas- bis hin zum Kaki-Brand“, sagt Ludwig nicht ohne Stolz. Beim Kaki-Brand handelt es sich um ein Produkt aus der süßen und gesunden asiatischen „Götterfrucht“.

Aus Weizen, Gerste oder Hafer brennt Ludwig drei Sorten handverlesenen Whiskey. Elf Sorten feinsten Essigs gehören ebenso zur Produktpalette; jener aus Heidelbeeren ist sein Spitzenprodukt. Weiters stellt er zwei Sorten Gin und einen Wermut her, über dessen Qualität sich sogar das Gourmetjournal „Falstaff“ in den höchsten Tönen lobend geäußert hat.

Zudem entstehen in der Genussmanufaktur noch ein hervorragender Traubenbrand, ein Cognac namens „Maximilian“, ferner Säfte, Most und Liköre. Bald will Erich auch Schnaps-Pralinen erzeugen.

Die Glücksbotschaft des “Saftdoktors”

Bis auf den Cognac sind alle seine Flüssigprodukte mit den beiden Buchstaben „LL“ etikettiert. „Das heißt: langes Leben“, schmunzelt Ludwig, aber in Wahrheit handelt es sich bei dem einen L um den Anfangsbuchstaben seines Namens. Das andere L ist der Anfangsbuchstabe des Nachnamens seines Kompagnons Mario Lindorfer, der sich selbst als der „Saftdoktor“ des Hauses bezeichnet.

Zu kaufen bekommt man die „LL“-Produkte allerdings nirgends, weil sie nicht in Massenproduktion hergestellt werden. „Die Nachfrage danach ist aber groß“, betont Ludwig und wen er mag, der wird von ihm auch mit dem einen oder anderen Fläschchen beschenkt. Wer lästig genug ist und bettelt, bekommt manchmal einen Brand, für
den er dann gern eine freiwillige Spende zur Hausrenovierung in den Hut legen darf.

Renovierung dauert noch eine Weile an

Denn mit dem Renovieren des historischen Gebäudes hat der Baumeister und Genussmensch noch einige Zeit zu tun. Der Oberstock soll einige Gästezimmer bekommen, damit sich die Besucher nach einem länger gewordenen Umtrunk in der Manufaktur auch gleich an Ort und Stelle zur Ruhe betten können.

Für besondere Feiern, Tagungen und Seminare sowie Verkostungen ist das Haus für interessierte Besucher prinzipiell schon geöffnet, doch wer dort dem Genuss anheimfallen darf, entscheidet letztlich der Patron. Seine Gästeauswahl ist genauso handverlesen wie seine Getränkeproduktion.

„Wir sind ein Kulturverein“, erläutert der exzentrische, aber gemütliche Genießer Erich Ludwig, „und die Leute, die uns besuchen, sollten schon zu uns, zum Haus und zu unseren Produkten passen.“ Sein Verein habe es sich nämlich zur Aufgabe gemacht, die Tradition zu bewahren, Historie und Kultur wertzuschätzen und dennoch zu neuen Ufern zu streben.

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