Auf den Spuren eines Wiener Abenteurers

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Auf den Spuren eines Wiener Abenteurers

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Durch seine schöne Lage am Ufer des Traunsees ist das „Seecafé – Restaurant Spitzvilla“ mittlerweile zu einer begehrten Hochzeitslocation geworden wie ein Lokalaugenschein bei Helmut  Amering zeigt, dem Betreiber des auch historisch interessanten Hauses, dessen Geschichte nur noch wenige Menschen kennen.

Als ich am Samstagnachmittag bei Amering auftauche, um Nachschau zu halten sind der Patron und sein Personal gerade wieder einmal in Erwartung einer Hochzeitsgesellschaft. Das Wetter scheint es auch gut mit dem neuen Brautpaar zu meinen, denn trotz der vielen Wolken am Himmel, ist es zeitweise ziemlich  sonnig und warm. Sicherheitshalber aber hat man die Tische doch nicht auf der schönen Terrasse der Spitzvilla eingedeckt, sondern im Haus.

Mit 17 in die Armee nach Kairo

Draußen sitzen bei meiner Ankunft nur wenige Gäste, die nicht zur Hochzeitsgesellschaft gehören und die das herrliche Panorama bewundern. Denn von hier aus sieht der schräg gegenüberliegende Ort Traunkirchen besonders pittoresk aus. „Was für ein schönes Fleckchen Erde“, raunt eine junge Dame, die von diesem Anblick entzückt zu sein scheint, dem sie begleitenden Mann zu. Der nickt nun seinerseits und bekräftigt: „Eine wahre Idylle“.
Das mag auch eine heute schon längst vergessene Berühmtheit einmal so empfunden haben, weil diese vor nun schon mehr als 100 Jahren das Haus, das man heute Spitzvilla nennt, für seine beiden unverheirateten Schwestern erwarb. Bei dem Käufer handelte es sich um den hochdekorierten englischen General und Sir, Baron Carl Rudolf von Slatin Pascha, einem gebürtigen Wiener und Abenteurer, der im Alter von 17 Jahren nach Kairo ging, um dort eine Buchhändler-Lehre zu absolvieren, letztlich aber in der britischen Militärverwaltung des Sudan Karriere machte.

Während der Revolte kam er in die Gefangenschaft

Dieses Schicksal schien dem Sohn eines Seidenwebers, der am 7. Juni 1857 in Ober St. Veit bei Wien das Licht der Welt erblickte, offenbar in die Wiege gelegt gewesen zu sein. Denn durch einen Bekannten war er mit dem legendären englischen General Gordon in Kontakt gekommen, der Slatin in die britische Armee holte, förderte und auch beförderte. Schon im Alter von 24 Jahren wurde Slatin Pascha – wie er von da an hieß – zum Gouverneur der Provinz Dafur ernannt, einem Gebiet, das so groß war wie Deutschland, Österreich und die Schweiz. Dort geriet er dann auch in die Revolte und in die Gefangenschaft des ebenfalls legendären Mahdi, dem Anführer einer Freiheitsbewegung.

Gast von Queen Victoria

Wie durch ein Wunder blieb Slatin nicht nur am Leben, nach elfjähriger Gefangenschaft gelang ihm auch eine ziemlich spektakuläre Flucht. Die machte  den etwa 40-Jährigen weltberühmt und das Buch, das er über seinen Parforceritt durch die Wüste schrieb, geriet zum Bestseller. Von da an war er nicht nur ein gern gesehener Gast bei Queen Victoria, sondern auch ein guter Freund ihres Sohnes, dem Prinzen Edward, der Slatin einmal auch im Haus seiner Schwestern am Traunsee besuchte. Kaiser Franz Josef und noch viele weitere hochgestellte Persönlichkeiten gaben ihm dort ebenfalls die Ehre. Auch in anderen europäischen Königshäusern war Slatin ein stets willkommener Gast und zwischen seinen Besuchsreisen pausierte Slatin immer wieder im Haus seiner Schwestern in Traunkirchen, wo außer ein paar Bildern, die Helmut Amering malen und aufhängen ließ, fast nichts mehr an ihn erinnert.

Beinahe ein Staatsbegräbnis

Im Eingangsbereich macht noch eine gerahmte Kurzchronik auf den einstigen Abenteurer aufmerksam, sonst scheint sein Schicksal weitgehend vergessen zu sein. Dabei ist sein Leben mit jenem des großen Lawrence von Arabien vergleichbar. „Es kommen aber schon noch Leute, die sehen wollen, wo und wie Slatin zeitweise lebte“, sagt Spitzvilla-Patron Amering. Dabei handelt es sich vor allem um Wiener, denen er dann auch gern Auskunft erteilt. Am 4. Oktober 1932 stirbt der legendäre Slatin Pascha 75-jährig an einer Krebsgeschwulst in Wien. Kurz vor seinem Tod war er noch einige Tage in Bad Hall zur Kur gewesen. Sein Begräbnis auf dem Wiener Friedhof Ober St. Veit glich einem Staatsbegräbnis.

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