Auf Linzer Kinderspielplatz blüht Drogenhandel

Werbung

Werbung

Auf Linzer Kinderspielplatz blüht Drogenhandel

[responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Vorlesen"]

Werbung

Im Park hinter dem so genannten Spinatbunker, dem Krempl-Hochhaus in der Neuen Welt, hat sich ein florierender Drogen-Hotspot etabliert. Ungeniert handeln dort Afghanen und Afrikaner „mit allem, was richtig fährt“ – wie sich ein junger Bursche ausdrückte –, mit Marihuana, mit Substitol aber auch mit dem gefürchteten Crystal Meth. Das bestätigt auch der Linzer Stadtpolizeichef Karl Pogutter. An manchen Tagen und zu bestimmten Zeiten offerieren dort mehr als dreißig Drogenhändler ihre verbotenen Substanzen an die junge Stamm- und Laufkundschaft. 

„Seit letzten Frühling wird hier rund um die Uhr gedealt“, erzählt uns eine Geschäftsfrau, die das „Wochenblick“-Rechercheteam auf den Drogenumschlagplatz aufmerksam gemacht hat. Sie bittet jedoch, ihren Namen nicht zu nennen, weil sie die Rache der Kriminellen fürchtet. „Gegen Mittag geht es hier los bis in die Nacht hinein“, erzählt sie aufgeregt unseren Reportern. „Erst waren es nur ein paar Afrikaner, jetzt sind viele Afghanen dazugekommen. Oft lungern hier bis zu 50 Leute herum und verkaufen ihre Mittel.“ Angeboten würden hauptsächlich Drogen zum Rauchen, aber auch anderes Zeug sei zu haben.

Auf Linzer Kinderspielplatz blüht Drogenhandel 4

Der Spielplatz hinter dem Krempl-Hochhaus. Fotos: Wochenblick
 

Konsumenten nicht nur aus Linz

Als unser Reporterteam um 11:00 Uhr vormittags im Park Nachschau hält, lungern erst drei, vier Händler herum, die nach Käufern Ausschauhalten. Einige Stunden später sind es schon mehr als dreißig Personen, die um Kunden buhlen. Aber nicht nur im so genannten Park, der eigentlich ein Kinderspielplatz ist, wird gedealt, auch die dunklen Gänge und Stiegenhäuser des angrenzenden Krempl-Hochhauses sind einschlägige Treffpunkte.

Dass man hier fast alle Drogen bekommt, hat sich offenbar weit herumgesprochen, denn während unserer Recherchen bemerken wir immer wieder Autos mit UU-, EF-, GM- oder WE-Kennzeichen, die von ihren Fahrern auf der anderen Straßenseite geparkt werden. Danach schlendern sie in Richtung Kinderspielplatz.
Auch Schüler der gegenüberliegenden Berufsschule sind Kunden. Ein junger Bursche aus Freistadt erzählt, dass man hier alles bekommt, „was richtig fährt, auch Crystal Meth.“

Direkt neben dem Park gibt es ein Lokal, das hauptsächlich von Schwarzafrikanern frequentiert wird. Dutzende Bierdosen und Schnapsflaschen, die sich in einer großen Plastikmülltonne stapeln, zeugen von einer ausgelassenen Party, die hier gefeiert wurde. Für die Anrainer ist diese Bar der Hauptgrund, warum sich die Drogenszene hierher verlagert hat: Hier sei jeden Tag was los, wird uns gesagt: „Die Afrikaner treffen sich erst hier und gehen dann in den Park.“

Auf Linzer Kinderspielplatz blüht Drogenhandel 6
Der Weg der Drogen: Vom Spielplatz in die Straßenbahn und von dort in die Linzer Altstadt.

„Haha Police, fuck you!“

Gibt es hier keine Polizei, die dieses Areal bestreift? „Ja, die kommt seit einiger Zeit regelmäßiger“, heißt es, könne offenbar aber nicht viel bewirken. Die Polizisten werden nicht ernst genommen, denn „die Dealer wissen, dass ihnen nichts passieren kann, wenn sie nur eine kleine Menge für den Eigengebrauch bei sich haben. Dieses Gesetz ist einfach verrückt und schützt diese Leute“, schüttelt unsere Informantin verständnislos den Kopf. In Handy-Zeiten seien zudem alle Dealer blitzschnell informiert, wenn sich die Polizei hier zeigt. Viele würden dann sofort in Richtung Unionkreuzung oder Bulgariplatz verschwinden.

Das „Wochenblick“-Recherchetam macht die Probe aufs Exempel und dreht eine Runde durch den Park. Dreimal werden wir angesprochen, dazu dutzende „eindeutige“ Blicke fragwürdiger Gestalten. Ein mehr als beklemmendes Gefühl. Als wir zum vierten Mal angesprochen werden, testen wir, wie man hier auf das Wort Polizei reagiert: „Haha Police, fuck you!“

14-Jährige Dealer

Was die Situation dort noch verschärft, sind die Revierkämpfe. Mittlerweile sind in diesem Areal bereits so viele Afrikaner und Afghanen als Dealer im Einsatz – viele davon noch keine 16 Jahre alt,  dass um Kunden regelrecht gestritten wird. Erst vor zwei Wochen geisterte ein Fall durch die Medien, der sich auf diesem Platz ereignete. Den Berichten zufolge attackierten sich ein 14-jähriger Afghane und zwei Afrikaner mit Flaschen bzw. Stöcken, was für alle drei mit schweren Verletzungen endete.

Mehr Polizei gefordert

Die Anrainer fordern daher noch mehr Kontrollen und vor allem eine bessere Beleuchtung der Gegend: Abends ist es rund ums ­Krempl-Hochhaus und den Gängen komplett finster. Von „Streetworkern“, wie sie von manchen vorgeschlagen werden, hält man hier nicht viel: „Die Drogendealer lachen die doch nur aus.“ Wenn, dann sollten sie die Schüler und Jugendlichen aufklären.

Die Linzer Stadtpolitik hat die Probleme dem Vernehmen nach bereits erkannt. „So kann es auf keinen Fall weitergehen“, sagt Vizebürgermeister und Sicherheitsreferent Detlef Wimmer: „Die Polizei wird von uns angehalten, die Präsenz noch weiter zu erhöhen. Schwergewichtsaktionen der Drogenfahndung wurden bereits durchgeführt und müssen noch intensiviert werden.“ Die Frage ist nur, wie die Polizei das machen soll, weil die Suchtgiftabteilung nach Auskunft eines internen Informanten mit derzeit nur acht Beamten schon jetzt überfordert ist. Am Mittwoch, 20. April, gab es eine Schwerpunktaktion der Polizei – unter anderem am Linzer Hessenplatz und am Spielplatz hinter dem Krempl-Hochhaus. Dennoch wolle auch der Ordnungsdienst der Stadt Linz vermehrt Präsenz zeigen und die Lage vor Ort beobachten.

Auf Linzer Kinderspielplatz blüht Drogenhandel 9

Sie finden die Recherchen des “Wochenblick” interessant? Sie wollen unabhängigen Journalismus unterstützen? Dann zögern Sie nicht und sichern sich noch heute ein Abonnement!

 

 

 

 

 

Auf Linzer Kinderspielplatz blüht Drogenhandel TEILEN
Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on telegram
Telegram
Share on reddit
Reddit
Share on email
Email
Ähnliche Artikel
Schlagwörter
NEWSLETTER

Bleiben Sie immer aktuell mit dem kostenlosen Wochenblick-Newsletter!

Neuste Artikel
vor 3 Stunden, 15 Minuten
vor 3 Stunden, 18 Minuten
vor 11 Stunden, 2 Minuten